Lange war unklar, wie es mit einem der bekanntesten Seezeichen Deutschlands weitergehen soll. Nun ist eine Vor-Entscheidung gefallen, wo der denkmalgeschützte, marode Leuchtturm "Roter Sand" künftig stehen soll. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz favorisiert einen Standort auf der Halbinsel Butjadingen. Ein Überblick, was geplant ist:
Der neue Standort
Der neue Standort soll an der Nordseeküste, in einem Dorf mit rund 250 Einwohnern im Landkreis Wesermarsch liegen: Fedderwardersiel. Aufgestellt werden soll der Turm nahe dem Krabbenkutterhafen. Für den Ort spreche unter anderem die direkte Küstennähe, teilt die Stiftung mit. Der Standort sei sowohl über den Seeweg als auch über Land zu erreichen und biete eine freie Blickachse zum Meer. Zudem erfülle Fedderwardersiel die gewünschten technischen und infrastrukturellen Anforderungen.
Der Verfall
Seit mehr als 140 Jahren steht "Roter Sand" in der Wesermündung – doch Wellen und Witterung setzen dem Denkmal zu. Laut der Stiftung ist der Leuchtturm gefährdet, aber nicht unmittelbar umsturzgefährdet. "Nach dem heutigen Kenntnisstand ist eine dauerhaft sichere und denkmalgerechte Erhaltung des Leuchtturms "Roter Sand" am bisherigen Standort in der Außenweser nicht mehr realistisch und mit dem Risiko des Totalverlustes verbunden", teilt die Stiftung mit. Als Gründe werden veränderte Strömungs- und Bodenverhältnisse, zunehmende Extremwettereignisse durch den Klimawandel und damit einhergehender, höherer Wellenschlag angeführt.
Das Gutachten
2019 hatte ein Gutachten den Leuchtturm als so marode eingestuft, dass seine Standsicherheit auf Dauer in Gefahr ist. Eine Expertenkommission hatte danach mehrere Szenarien geprüft – vom kontrollierten Verfall über eine Sanierung vor Ort bis hin zum Versetzen des Turms. Das Ergebnis 2023: Der Turm soll abgebaut und anschließend an Land wieder aufgestellt werden.
Die Bewerber
Neben Fedderwardersiel hatten sich auch Wilhelmshaven, Bremerhaven und Hooksiel im friesischen Wangerland als neue Standorte für "Roter Sand" beworben. Sowohl für Bremerhaven als auch für Hooksiel konnten die zuständigen Wasserstraßen- und Naturschutzbehörden die erforderlichen Genehmigungen nicht erteilen. Für Fedderwardersiel sollen nun alle Anträge für eine Baugenehmigung vorbereitet werden. Auch wenn der Umzug nach Fedderwardersiel favorisiert verfolgt werde, sei Wilhelmshaven nach wie vor eine Alternative, sagt ein Sprecher der Stiftung Denkmalschutz.
Die Reaktionen
Für Fedderwardersiel und die touristisch geprägte Gemeinde Butjadingen mit rund 1,3 Millionen Übernachtungen pro Jahr hätte der Leuchtturm eine "Strahlkraft", sagt Bürgermeister Axel Linneweber (parteilos). Dass die Stiftung Fedderwardersiel favorisiere, freue die Gemeinde. Noch sei der Standort aber nicht abschließend gewählt, betont Linneweber. Die nächste Aufgabe für die Gemeinde sei es, "alles aus dem Weg zu räumen, was zum Scheitern des Projektes führen könnte". Etwa müsse der Baugrund untersucht werden.
Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sagte, dass "Roter Sand" an seinem neuen Standort besser erreichbar sein werde. Damit könnten zahlreiche Besucherinnen und Besucher ihn künftig hautnah erleben. Auch für die Wartung habe die Erreichbarkeit "enorme Vorteile".
Die Petition
Für den Umzug soll der Turm von seinem historischen Fundament unter Wasser getrennt werden. Der denkmalgeschützte sogenannte Caisson würde in der Nordsee bleiben. Kritiker bemängeln das. Der Jurist Dieter Riemer hatte sich mit einer Petition dafür eingesetzt, dass der Leuchtturm an seinem jetzigen Standort bleiben sollte. Würde der Turm ans Festland gebracht, während das Fundament verrotte, wäre das Offshore-Bauwerk unwiederbringlich zerstört, so die Argumentation. Mehr als 5.600 Niedersachsen unterzeichneten die Petition. Der Petitions-Ausschuss im Landtag in Hannover folgte der Eingabe aber nicht.
Der Umzug
Die Stiftung Denkmalschutz betont dagegen, der Caisson sei weiterhin ein eingetragenes Denkmal. Die Versetzung des Leuchtturms sei mit den Grundsätzen des Denkmalschutzes vereinbar, "wenn es ansonsten keine andere Möglichkeit zum Erhalt des Denkmals gibt". Das sei bei "Roter Sand" der Fall. Transportunternehmen halten demnach eine Versetzung für "gut realisierbar". Wie der Umzug konkret ausgeführt werden soll, steht noch nicht fest.
Die Kosten
Auch zu den Kosten gibt es bislang noch keine genaueren Informationen. Die Stiftung spricht von einem "Millionenprojekt". Konkrete Zahlen würden erst nach Abschluss des Bauantragsverfahrens und der Ausschreibungen feststehen, hieß es.
Die Historie
Der markante rot-weiße Leuchtturm ist nicht nur ein Wahrzeichen, er gilt auch als erstes Offshore-Bauwerk Deutschlands. Errichtet wurde "Roter Sand" von 1883 bis 1885. Für das Fundament wurde nach Angaben der Stiftung Denkmalschutz ein 18 Meter hoher Senkkasten, der Caisson, auf den Meeresboden herabgelassen und mit Mauerwerk und Beton gefüllt – eine technische Meisterleistung in dieser Zeit. Das Seefeuer wird seit 1964 nicht mehr benötigt. Danach drohte der Abriss, doch viele Freunde und Förderer kämpften für den Erhalt. Seit 1982 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.
Die Pläne
Nach dem Umzug soll das Turmoberteil in Fedderwardersiel restauriert, statisch ertüchtigt und auf einen neuen Sockel gesetzt werden, teilt die Stiftung weiter mit. Möglicherweise soll es während der Sanierungsarbeiten Baustellenbesichtigungen für Interessierte geben. Künftig soll der Leuchtturm für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Gäste, Schulklassen und Einheimische könnten dann den Turm als Ausflugsziel ansteuern. Die Gemeinde Butjadingen hatte zuletzt auch eine mögliche Ausstellung ins Gespräch gebracht, die sich um Geschichte und Bedeutung von "Roter Sand" für die Seefahrt drehen könnte.