Mit Föhn und Bodylotion
Fenna Neelen stylt Kühe für die Wahl zur "Miss Ostfriesland"

Bei dem Scheren der Kühe ist Feingefühl gefragt. Foto: Lars Penning/dpa
Bei dem Scheren der Kühe ist Feingefühl gefragt. Foto
© Lars Penning/dpa
Wer wird "Miss Ostfriesland"? Jedes Jahr gehen viele Milchkühe in das Rennen um den bei Züchtern begehrten Titel. Fenna Neelen putzt die Tiere für die Schau heraus. Die 18-Jährige ist Kuh-Stylistin.

Fenna Neelen entgeht kein Haar. Die 18-Jährige ist mit ihrer Schermaschine konzentriert bei der Arbeit: Stück für Stück schert sie das Fell am Bauch der schwarzbunten Kuh Diamant auf einem Bauernhof nahe Emden in Ostfriesland. "Man will natürlich auch nichts Falsches abschneiden, was eigentlich stehen bleiben soll", sagt Neelen. Während die Schermaschine surrt, fallen feine Kuhhaare zu Boden. Was die junge Frau in ihrer Freizeit macht, wird in der Fachwelt als Job des "Kuh-Fitters" genannt – Fenna Neelen stylt Kühe für Wettbewerbe und Tierschauen. 

Die 18-Jährige hat daran sichtlich Freude. Als Kuh-Stylistin und Jungzüchterin sei sie für Tierschauen quer durch Deutschland unterwegs, teils sogar im Ausland, sagt Neelen. "Man lernt viele neue Leute kennen." 

Jetzt ist es auch in Ostfriesland wieder so weit: Einmal im Jahr wird bei der Excellent-Schau des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST) in Leer die schönste Kuh der Region gesucht. Die jährliche Schau gilt als wichtiges Schaufenster für Züchter, die mit einem erfolgreichen Abschneiden für ihre Ställe und Züchtungen werben. Auch Diamant, die Schwarzbunte eines befreundeten Landwirts, an der Fenna Neelen schon ein paar Tage vor der Schau schert, soll bei dem Wettbewerb um den Titel der "Miss Ostfriesland" antreten. 

Bei dem Wettbewerb wird ein Preisrichter vor Hunderten Zuschauern etwa den Körperbau, den Gang und das Euter für die Milchproduktion bewerten. Die Kuh mit den besten Eigenschaften wird dann zur "Miss Ostfriesland" gekürt. 

Was bewertet wird

"Die Vorbereitung bedeutet sehr viel Arbeit und sehr viel Zeit", sagt Neelen. Bis zum Wettbewerb hilft die 18-Jährige rund 20 Kühe rauszuputzen – bei der Schau sollen sich die Tiere von ihrer besten Seite präsentieren. Denn neben Abstammung und Milchleistung kommt es bei der Miss-Wahl vor allem auch auf das Aussehen an. Vor der Schau werden die Haare daher auch mit Haarspray fixiert, sodass nichts verrutscht. Und das Kuheuter wird mit Bodylotion eingeschmiert. Das beruhige die Haut nach dem Scheren, sagt Neelen. 

Während Neelen schert, steht die Kuh in einem Metallgestell. Die Kuh störe weder das Gestell noch das Scheren, sagt die Kuh-Stylistin. "Die kennt das auch schon. Sie macht es nicht zum ersten Mal und ist sehr entspannt." Auch für Foto-Termine sei die Kuh schon geschert worden. 

Mit einer Bürste und einem Föhn kämmt Neelen dann die mittleren Rückenhaare der Kuh, die sogenannte Topline, hoch. Möglichst gerade solle diese verlaufen, erklärt die Kuh-Friseurin. Das sorge für einen harmonischen Eindruck. "Auf einem Foto macht man ja auch den Rücken gerade", sagt Neelen und lacht. 

Talent, Begeisterung und Herzblut 

Kühe zu stylen sei kein leichter Job, sagt Silke Bruns, vom Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter. Gerade für die Topline brauche es viel Übung. Aber Fenna, die auch schon seit 13 Jahren Jungzüchterin ist, kenne sich aus. Neben Talent seien vor allem Begeisterung und Herzblut für das Styling gefragt, sagt Bruns. 

"Man kann anfangen zu scheren und dann sieht das erstmal aus wie Kraut und Rüben." Wer dann aber nicht am Ball bleibe, bei dem werde das Frisieren kaum besser. "Fenna ist da sehr, sehr engagiert", sagt Bruns. 

Tipps von Opa

In die Aufgabe, Kühe zu frisieren, sei sie auf dem Hof ihrer Eltern in Ihlow im Kreis Aurich hineingewachsen, erzählt Neelen. Dort leben 160 Milchkühe. "Das fing schon von klein auf an. Opa hat irgendwann gesagt: So, jetzt musst du auch mal mitmachen." Später habe sie mit Freundinnen geübt und sei schließlich auch zu den Jungzüchtern gekommen. "Da wird einem einmal alles gezeigt", sagt Neelen. Neben dem Fellschneiden gehe es auch ums Waschen, Vorführen und um die richtige Fütterung. Erfahrung komme durchs Machen und die Teilnahme an Wettbewerben. "Einfach mal ran trauen und Tipps holen von anderen", rät die junge Landwirtin. "Und irgendwann kann man das."

dpa