Neustart in Bremerhaven Wie Ehrenamtliche die Tafel in Bremerhaven retten

Vor der Eröffnung bildete sich eine kleine Schlange vor der Tür. Foto: Focke Strangmann/dpa
Vor der Eröffnung bildete sich eine kleine Schlange vor der Tür. Foto
© Focke Strangmann/dpa
Neuer Schwung für Bremerhavens Tafel: Ehrenamtliche stemmen den Neustart – mit Idealen, Verzicht auf Entschädigung und frischen Gesichtern. Wie sie jetzt auf Unterstützung hoffen.

Ehrenamtliche wollen das Aus der Tafel in Bremerhaven nicht hinnehmen und geben nun selbst Lebensmittel aus. "Wer bedürftig ist, wird in dieser Stadt nicht im Stich gelassen", freut sich die neue Vorsitzende Jana Petersen. Die Ausgabe startete am Montag um 13 Uhr. Vor der Öffnung hatte sich vor der Tür bereits eine kleine Schlange mit Menschen gebildet. Pünktlich wurden die Wartenden hereingelassen.

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hatten die Ausgabe der Waren gut vorbereitet. Das neue Team beginne mit vollem Tatendrang - und mit ein bisschen Aufregung, sagte Petersen: "Wir erhoffen uns ganz viele Kunden. Wir wollen so wenig wie möglich wegschmeißen."

"Viele traurige Gesichter"

Die bisher zuständigen Wohlfahrtsverbände hatten die Essensausgabe in der Seestadt zum Jahresende eingestellt - unter anderem wegen veränderter Mietverhältnisse, gestiegenen Kosten und fehlender Gelder. Das Aus wäre eine Katastrophe für viele Bedürftige gewesen, berichtet Petersen. "Es waren viele traurige Gesichter."

Bremerhaven gilt als eine der ärmsten Städte bundesweit, rund 1.500 Haushalte sind dort jede Woche auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen. 

Wie Ehrenamtliche die Tafel neu organisieren

Jana Petersen las in der Zeitung davon und beschloss, selbst anzupacken. Bei einer Tafel habe sie noch nie gearbeitet, erzählt die neue Vorsitzende. Stattdessen hofft sie, ihre beruflichen Erfahrungen einbringen zu können. "Ich komme aus dem Logistik-Bereich. Die Tafel ist ja eine große Logistik: Sie sammelt Lebensmittel ein und verteilt sie."

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Sie schrieb eine Bewerbung - und dann ging alles ganz schnell. Anfang Dezember gründete sie zusammen mit anderen Ehrenamtlichen den neuen Verein. Gemeinsam verhandelten sie mit den Wohlfahrtsverbänden, unterschrieben einen Mietvertrag und erstellten erste Schichtpläne.

Die Helferinnen und Helfer wollen einiges anders machen. "Wir wissen, dass wir frischen, neuen Wind brauchen", sagt Petersen. Knapp 60 Menschen möchten mit anpacken - Mitarbeiter der bisherigen Tafel, aber auch viele neue Gesichter. Sie wollen die Hygiene verbessern, digitaler arbeiten und sparen. 

So verzichten die Mitarbeiter auf die bisher übliche Aufwandsentschädigung und auf teure Kühlcontainer. "Die beiden Container haben allein schon 2.000 Euro Stromkosten pro Monat verschlungen", berichtet Petersen. Sie wollen die Kühlprodukte stattdessen besser auf die Nebenstellen und die Außenstellen in Dorum, Loxstedt und Bad Bederkesa verteilen.

Neue Tafel braucht Unterstützung

"Wir fangen bei null an, deshalb brauchen wir jeden Cent", sagt Petersen. Der Verein hofft auf Spenden und Fördermitglieder, um die Miete und die Transporter finanzieren zu können. Die Ehrenamtlichen übernahmen fünf Fahrzeuge von den Wohlfahrtsverbänden. In den ersten Monaten kann das Team noch in den alten Räumen bleiben, dann brauchen sie eine neue Ausgabestelle. Diese müsse zentral und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. 

Auch neue Mitglieder sind willkommen. "Wir müssen Lebensmittel einsammeln und sortieren, die Ein- und Ausgabe steuern und alles reinigen", berichtet Petersen. "Für die Personalplanung brauchen wir Leute, für die Steuerung der Logistik." Alle seien ehrenamtlich aktiv und könnten deshalb nur zu bestimmten Zeiten. "Das ist eine Herausforderung."

dpa