Die Geburt verlief ohne Probleme und die Freude im Zoo Osnabrück über Breitmaul-Nashornbaby Liam ist groß. Am Dienstag vergangener Woche um 4.22 Uhr brachte Mutter Amalie ihr Junges zur Welt. In den ersten Tagen seien Mutter und Kind in Ruhe gelassen worden, allerdings unter Beobachtung durch das Zoo-Team. "Das Jungtier trinkt gut und wirkt insgesamt sehr vital", erklärte Zootierarzt Thomas Scheibe. Der neue Wonneproppen des Zoos wiege etwa 50 bis 60 Kilogramm.
Direkt nach der Geburt habe Liam wichtige Lebenszeichen gezeigt: Er befreite sich selbstständig aus den Resten der Fruchtblase und begann sogleich, sich zu bewegen. "Das sind genau die Signale, die wir gerne sehen wollen", sagte Scheibe. Schon nach kurzer Zeit sei das Jungtier ziemlich sicher auf seinen Beinen gewesen und es habe auch bereits wenige Stunden nach der Geburt erste Trinkversuche unternommen. Auch im weiteren Verlauf habe alles auf eine gute Mutter-Kind-Bindung hingedeutet.
Große Ohren und kleines Horn
Einen direkten Kontakt zum Nashornkalb hat Tierpfleger Nils Schröer noch nicht, er beobachtet es aber täglich. Das Geschlecht sei schon kurz nach der Geburt eindeutig zu erkennen gewesen - es ist ein Männchen. Der kleine Bulle entwickele sich gut und nehme stetig an Gewicht zu. Mittlerweile erkunde er auch neugierig den Stall, berichtete Schröer. Liams Ohren sind groß und sein Horn ist bisher nur im Ansatz zu erahnen - das sei bei Breitmaulnashörnern typisch, erklärte der Tierpfleger.
Nashornkuh Amalie und ihr Kalb sind im Moment noch im Innenstall untergebracht, um in Ruhe Zeit miteinander verbringen zu können. Die Mutter gehe bislang sehr behutsam mit ihrem Nachwuchs um.
1.000 Namens-Vorschläge
Bei der Namensgebung waren die Zoobesucher aktiv eingebunden - knapp 1.000 Vorschläge gingen ein. Einzige Bedingung war, dass der Name mit dem Buchstaben L beginnen sollte, wie bei Schwester Lisbeth und der einen Tag vor der Geburt gestorbenen Nashornkuh Lia.
Breitmaulnashörner gelten dem Zoo zufolge in der Natur als stark bedroht, vor allem durch Wilderei und dem fortschreitenden Verlust ihres Lebensraums. Die Geburt Liams sei daher auch ein wichtiger Beitrag zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm. "Ziel dieser Programme ist es, genetisch stabile Reservepopulationen in menschlicher Obhut aufzubauen und so das Überleben der Art langfristig zu sichern", erklärte Jannis Göttling, Kurator im Zoo Osnabrück.
Abstimmung mit dem Zuchtbuch
Dort leben neben der 19-jährigen Nashornkuh Amalie und ihrem Jungtier Liam auch ihre Tochter Lisbeth (3) und Nashornbulle Miguel (28), der der Vater der beiden Jungtiere ist. Er solle Liam aber erst später kennenlernen, wenn dieser reif für die Außenanlage sei. Wie sich die Osnabrücker Zuchtgruppe langfristig entwickele, werde eng mit dem zuständigen Zuchtbuch abgestimmt.