Archäologie
Mittelalterliches Notizbuch in Paderborner Latrine entdeckt

Dieses mehrere Jahrhunderte alte Notizbuch fanden Archäologen in Paderborn. Foto: Stefan Brentführer/LWL/dpa
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Ein Schatz mit strengem Geruch: Archäologen bergen ein mittelalterliches Notizbuch. Nach der Konservierung durch die Experten soll der Text entschlüsselt werden.

Archäologen haben in Paderborn ein gut erhaltenes Notizbuch aus dem 13. bis 14. Jahrhundert gefunden. Und das ausgerechnet in einer mittelalterlichen Latrine, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mitteilte. Das Notizbuch sei aus Leder, Holz und Wachs und wird jetzt in Münster restauriert und konserviert. Anschließend soll der Text laut Mitteilung entschlüsselt werden. 

Der Fund war Archäologen einer Fachfirma bei Bauarbeiten zum Neubau der Stadtverwaltung gelungen. "Dies ist der einzige derartige Fund in ganz NRW", sagt LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Es klinge komisch, aber für die Archäologen sei die Latrine fast immer eine Schatzgrube. Rüschoff-Parzinger ist selbst Archäologin. 

"Vergleichbare mittelalterliche Stücke kennt man außerdem aus Lübeck oder Lüneburg, wo ein ähnlich feuchtes Milieu im Boden die Funde erhalten hat. In keinem Fall ist aber wie bei uns das komplette Buch als archäologischer Fund erhalten", sagt die Kulturdezernentin laut Mitteilung. 

Wertvolle Einblicke in den Alltag

Von dem rund 700 bis 800 Jahre alten Schriftstück verspricht sich der LWL wertvolle Einblicke in den Alltag und die Lebensverhältnisse im mittelalterlichen Westfalen. "Nach sorgfältiger Restaurierung durch die LWL-Fachleute wird es möglicherweise gelingen, den schwer zu entziffernden Text mit High-Tech-Methoden wieder vollständig lesbar zu machen." Dazu seien sie bereits mit Schrift- und Material-Fachleuten aus ganz NRW im Gespräch, sagt Rüschoff-Parzinger. 

Das Notizbuch hat demnach zehn Seiten, von denen acht doppelseitig sind. Das gebundene Stück ist in einer kleinen Ledertasche mit Deckel verpackt. Als erstes Gesehen hat es LWL-Restauratorin Susanne Bretzel. "In einem nassen Erdklumpen verpackt - und zunächst ganz unscheinbar - klärte sich das Objekt erst bei der Reinigung in unserer Restaurierungswerkstatt in Münster. Und tatsächlich haftete dem Latrinenfund auch nach so vielen Jahrhunderten im Boden noch ein recht unangenehmer Geruch an", berichtet Bretzel. 

Gerade das feuchte und luftdichte Milieu des Paderborner Bodens rund um die Latrine war offenbar für die Konservierung des Fundes ein Glücksfall, teilt der LWL mit.

dpa