Die vom Thüringer Landtag eingesetzte "Kommission Kindergartenfinanzierung" sieht die Finanzierungsgrundlagen der frühkindlichen Bildung als tragfähig aufgestellt. Zugleich verweist das Gremium in seinem Bericht auf erhebliche Herausforderungen angesichts sinkender Geburtenzahlen. Die Bildungsgewerkschaft GEW äußerte Kritik an dem Bericht.
Die Kommission, in der Landesregierung, kommunale Spitzenverbände, Gewerkschaften wie GEW und ver.di, Wohlfahrtsverbände, Elternvertretungen sowie Landtagsfraktionen vertreten sind, hatte seit August 2025 in vier Sitzungen gearbeitet.
"Der Bericht liefert eine belastbare Grundlage für weitere finanz- und bildungspolitische Entscheidungen", erklärte Bildungsstaatssekretär Bernd Uwe Althaus. Die Finanzierungssystematik sei überprüft und die Beitragsfreiheit im Landeshaushalt abgebildet worden.
Zahlen, die den Kurs bestimmen
Das System der frühkindlichen Bildung in Thüringen sei heute stärker öffentlich finanziert als je zuvor: Laut Bericht lagen die Gesamtkosten der Kindertagesbetreuung 2024 erstmals bei über einer Milliarde Euro. Seit 2019 seien die Ausgaben um rund 220 Millionen Euro gestiegen, obwohl die Zahl der betreuten Kinder deutlich sank. Rund 90 Prozent der Kosten tragen demnach Land und Kommunen, knapp 78 Prozent entfallen auf Personal.
Finanzstaatssekretär Birger Scholz verwies darauf, dass durch eine Umgliederung von rund 192 Millionen Euro in den kommunalen Finanzausgleich die Kita-Finanzierung transparenter und planbarer geworden sei. Rückläufige Landespauschalen durch sinkende Kinderzahlen würden durch höhere Schlüsselzuweisungen ausgeglichen.
Kritik an Einseitigkeit des Berichts
Die GEW Thüringen nahm den Bericht zunächst nur zur Kenntnis: "Für eine gründliche Bewertung war noch keine Gelegenheit, auch wenn bereits jetzt klar ist, dass der Bericht einseitig ist und wichtige Perspektiven vermissen lässt", sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Bettina Löbl. Die Gewerkschaft betonte, sie habe sich in der Kommission für die Interessen von Beschäftigten, Kindern und Einrichtungen eingesetzt. Daraus lasse sich keine Zustimmung zu den Schlussfolgerungen oder Formulierungen des Berichts ableiten.
Als zentrale Herausforderung beschreibt die Kommission den demografischen Wandel. Die Geburtenzahlen in Thüringen sanken 2024 auf den niedrigsten Stand seit 1955. Eine Stabilisierung wird frühestens im Zeitraum 2027 bis 2029 erwartet. Die Kosten pro Kindergartenplatz seien zwischen 2018 und 2025 um 65 Prozent gestiegen, während die Zahl der betreuten Kinder um 13 Prozent zurückging.