Auftritt an Kunstakademie
Kunstakademie-Rektorin Fioretti lehnt Rücktritt ab

Die renommierte Kunstakademie Düsseldorf steht wegen des Auftritts einer palästinensischen Künstlerin in der Kritik. (Symbolbild
Die renommierte Kunstakademie Düsseldorf steht wegen des Auftritts einer palästinensischen Künstlerin in der Kritik. (Symbolbild) Foto
© Oliver Berg/dpa
Nach Kritik und einer Petition ist die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Sie verweist auf Meinungsfreiheit und betont: "Cancel-Kultur hat keinen Platz."

Nach dem Auftritt der umstrittenen palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Düsseldorfer Kunstakademie wird der Druck auf Rektorin Donatella Fioretti größer. Einen von der Jüdischen Gemeinde und zuletzt auch in einer Petition geforderten Rücktritt lehnte Fioretti  (64) ab. 

Diese Forderung halte sie für unbegründet, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Aber es gehöre zur Meinungsfreiheit, Petitionen zu verschiedenen Themen zu starten. Es sei allerdings aus ihrer Sicht besorgniserregend, wenn Amtsträger versuchten, "aus politischen Gründen Druck auf kulturelle und wissenschaftliche Institutionen und ihre Leitungen auszuüben". 

Düsseldorfer OB fordert Rückritt

Zu den Erstunterzeichnern der auf der Plattform www.change.org veröffentlichten Petition mit der Rücktrittsforderung gehören der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oded Horowitz sowie der städtische Antisemitismus-Beauftragte Wolfgang Rolshoven. Bis Mittwochnachmittag hatten mehr als 700 Menschen die Petition unterschrieben.

Trotz der Proteste jüdischer Verbände und der Antisemitismus-Vorwürfe gegen al-Sharif hatte die renommierte Kunstakademie im Januar eine Veranstaltung mit der Künstlerin angeboten und sich dabei auf die Kunstfreiheit berufen. Aus Sicherheitsbedenken, so die Hochschule, habe man sich schließlich für den Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden. Es seien bei der Veranstaltung zwei kurze Filme von Basma al-Sharif gezeigt worden, daran habe sich ein Künstlerinnengespräch angeschlossen. 

Auch der Landtag macht den Fall zum Thema

Am 18. März befasst sich auch der Kultur- und Medienausschuss des Landtags in einer Sondersitzung mit dem umstrittenen Auftritt der Künstlerin. Das Kultur- und Wissenschaftsministerium forderte Fioretti auf, an der Sitzung teilzunehmen und sich den Fragen der Abgeordneten zu stellen. 

Sie bedauere die Entscheidung der Kunstakademie Düsseldorf sehr, sagte Kulturministerin Ina Brandes (CDU). "Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht." Als Ministerin müsse sie den Entschluss der Kunstakademie mit Blick auf Kunstfreiheit und die Hochschulautonomie jedoch respektieren. Ein politisch zu verurteilendes Verhalten der Rektorin rechtfertigt dem Ministerium zufolge auch keine Kürzung von bereits vom Landtag verabschiedeten Haushaltsmitteln für die Akademie.

In der Petition heißt es, Fioretti müsse Sorge tragen, dass ihre Hochschule allen Studierenden einen sicheren Raum biete – insbesondere jenen, die sich bedroht fühlten. Voraussetzung dafür sei eine klare Abgrenzung gegenüber antisemitischen oder rassistischen Positionierungen sowie gegenüber der Verherrlichung von Gewalt oder Terror. "Dies bedeutet auch eine Distanzierung gegenüber Personen, die antisemitische Narrative bedienen oder terroristische Gewalt relativieren", heißt es weiter. "Diese Distanz wurde und wird von Frau Fioretti nicht gewahrt."

Fioretti zieht Vergleich zu Berlinale und zum Buchhandlungspreis

Fioretti wies auf die Freiheit von Wissenschaft, Kunst und Meinung sowie das Zensurverbot hin. "Es ist in den Debatten um die wohl angedrohte Abberufung der Berlinale-Leitung oder auch in der Involvierung des Verfassungsschutzes bei der Auswahl der Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreises immer öfter von Zensur und von politischer Einflussnahme die Rede", sagte sie. "Das passt nicht gut zu einer liberalen Demokratie."

Die Entscheidung, die Veranstaltung mit al-Sharif stattfinden zu lassen, werde von der Mehrheit der Lehrenden und Studierenden der Kunstakademie unterstützt. "Die Debatte bewerte ich zumindest zum Teil als Folge einer digital beschleunigten Kommunikationskultur", so Fioretti. Die Kunstakademie habe in den vergangenen zwei Jahren ein umfassendes Beratungssystem aufgebaut, um Diskriminierungen aller Art entgegenzutreten. "Antisemitismus wie auch antipalästinensischer Rassismus haben keinen Platz an der Kunstakademie", betonte sie. "Cancel-Kultur auch nicht."

dpa