Bäcker, Metzger und Klempner Stimmung im Handwerk verschlechtert sich

NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert fordert mehr wirtschaftliche Impulse. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert fordert mehr wirtschaftliche Impulse. Foto
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Investitionen von 500 Milliarden Euro hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht, um Deutschlands Infrastruktur zu modernisieren. Also rosige Zeiten für das Handwerk? Von wegen.

Die schwache Konjunktur setzt Nordrhein-Westfalens Handwerkern zu. Man rechne in diesem Jahr mit stagnierenden Geschäften, sagte der Präsident der Dachorganisation Handwerk.NRW, Andreas Ehlert, in Düsseldorf. Der Umsatz werde wohl leicht steigen, abzüglich der Inflation dürfte es aber "auf eine Stagnation oder sogar ein leichtes Minus hinauslaufen". "Wir haben eine rückläufige Auftragslage im Handwerk und ein verhaltenes Konsum- und Investitionsklima, sowohl bei den Verbrauchern als auch bei den gewerblichen Kunden."

Die positiven Effekte durch das 500 Milliarden Euro schwere staatliche Sondervermögen für die Infrastruktur, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, ließen auf sich warten, so Ehlert. Er befürchtet zudem, dass die Kommunen die Aufträge gar nicht direkt an Handwerksbetriebe, sondern an Generalunternehmen und andere größere Unternehmen vergeben und dadurch am Ende gar nicht so viel beim Handwerk hängenbleibe.

Rückgang bei Mitarbeiterzahl verschärft sich

Die Beschäftigung im NRW-Handwerk werde 2026 voraussichtlich um 1,5 Prozent sinken, in den Vorjahren habe das Minus nur jeweils etwa 0,5 Prozent betragen. "Der Rückgang verschärft sich." Gründe hierfür seien die schwache Konjunktur und die schwierige Nachfolgersuche - ältere Handwerksmeister finden keinen Nachfolger und machen irgendwann den Laden dicht. "Jeden Tag macht irgendwo ein Handwerksbetrieb zu, vielleicht eine Bäckerei oder Fleischerei, die geschlossen wird." Auch bei Malermeistern gehe es nach unten, so Ehlert.

Neben diesen freiwilligen Geschäftsaufgaben sei zudem auffällig, dass die Insolvenzquote bei Handwerkern höher sei als früher. Das nordrhein-westfälische Handwerk hat rund 200.000 Betriebe mit 1,1 Millionen Beschäftigten. 

Appell an die Politik

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Handwerkspräsident Ehlert mahnte den Abbau von Bürokratie und mehr wirtschaftliche Impulse an. Die bisher von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen reichten bei Weitem nicht aus. Als Beispiel nannte er die Stromsteuersenkung, bei der das Handwerk leer ausgegangen sei und am Ende ein Industriestrompreis für wenige Großunternehmen geworden sei. Der Bundeskanzler müsse die Wirtschaftspolitik 2026 endlich zur Chefsache machen. "In der Politik wird immer gesagt, wir müssen ins Machen kommen", sagte Ehlert. "Dann macht mal endlich." 

Als Beispiel für eine überfällige Maßnahme nannte der Hauptgeschäftsführer von Handwerk.NRW, Hans Jörg Hennecke, Lockerungen bei den Vorschriften für Bäcker. Bislang dürften Bäckereien sonntags nur drei Stunden Brötchen backen. "Tankstellen dürfen sonntags den ganzen Tag Brötchen aufbacken und verkaufen, der Handwerksbäcker hat zum Backen hingegen nur wenige Stunden - das ist eine Benachteiligung." 

Wartezeiten haben sich verkürzt

Wer einen Handwerker braucht, muss inzwischen kürzer warten als früher. Die sogenannte Auftragsreichweite lag im Gesamtschnitt in NRW im vergangenen Herbst bei 7,9 Wochen. So lang sind die Unternehmer also ausgelastet. Aus Sicht der Verbraucher wiederum handelt es sich letztlich um die Wartezeit. 

Im Herbst 2023 hatte der Gesamtschnitt noch 1,6 Wochen höher gelegen. Bei Klempnern - genauer gesagt bei Installateuren und Heizungsbauern - lag die Auftragsreichweite im vergangenen Herbst bei 8,6 Wochen, das waren 4,2 Wochen weniger als zwei Jahre zuvor. Bei Malern und Lackierern waren es 9,1 Wochen, das war eine Woche weniger als zwei Jahre zuvor. Bei Elektrotechnikern ging es den Angaben zufolge um 4,2 Wochen auf 9,8 Wochen runter. 

Handwerkspräsident Ehlert betonte, dass die Betriebe eine solide Auftragsreichweite brauchten, um vernünftig planen zu können. Dass die Zahlen so deutlich nach unten gehen, ist aus seiner Sicht kein gutes Zeichen.

dpa