Festnahme in NRW
Nach Tötung von ukrainischem Politiker: Mann festgenommen

In Heinsberg ist ein Mann festgenommen worden. (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
In Heinsberg ist ein Mann festgenommen worden. (Symbolbild) Foto
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In Madrid wurde im vergangenen Jahr ein bekannter ukrainischer Politiker erschossen. Im nordrhein-westfälischen Heinsberg wurde nun der mutmaßliche Täter festgenommen. Was bisher bekannt ist.

Nach tödlichen Schüssen auf den bekannten ukrainischen Juristen und Politiker Andrij Portnow in Madrid im vergangenen Jahr ist im nordrhein-westfälischen Heinsberg der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Die spanische Nationalpolizei reiste dafür nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) nach Heinsberg.

Wie die spanische Polizei weiter mitteilte, wurde ein europäischer Haftbefehl und ein europäischer Ermittlungsbeschluss erlassen, um die Wohnung des Verdächtigen zu durchsuchen. Die Ermittlungen dauern demnach an.

Das BKA teilte auf Anfrage mit, die Festnahme sei nicht durch Kräfte des BKA erfolgt und verwies auf die Generalstaatsanwaltschaft Köln. Diese bestätigte lediglich ein Auslieferungsverfahren. Weitere Auskunft wolle man nicht geben, weil sich nur die spanische Polizei dazu äußern dürfe.

Tödliche Schüsse im Mai 2025

Portnow wurde am 21. Mai 2025 in der spanischen Hauptstadt auf offener Straße getötet. Unweit der Amerikanischen Schule trafen ihn fünf Schüsse, davon mehrere in den Kopf, bestätigte die spanische Polizei damals der Deutschen Presse-Agentur in Madrid.

Medienberichten zufolge hatte der 51-Jährige zuvor seine Kinder zum Unterricht in die Privatschule gebracht. Bilder zeigten die Leiche neben seinem Auto. Medien in Kiew bestätigten die Tat unter Verweis auf Quellen in ukrainischen Sicherheitskreisen.

Portnow arbeitete für russlandfreundlichen Präsidenten

Zwischen 2010 und 2014 arbeitete Portnow in der Ukraine als Berater und Vizechef des Präsidialamts unter dem damaligen russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Er war maßgeblich für den Umbau des Gerichtssystems verantwortlich.

Zuvor war Portnow mehrere Jahre Jurist und Parlamentsabgeordneter der Partei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Nach dem Sturz von Janukowitsch 2014 lebte er zunächst im russischen Exil und kehrte kurz vor dem Wahlsieg von Wolodymyr Selenskyj 2019 in die Ukraine zurück.

Nach dem russischen Einmarsch von 2022 verließ der mehrfache Familienvater das Land wieder – diesmal gen Westen. In den Monaten vor seinem Tod hatte er in der Ukraine vor allem durch erfolgreiche Klagen gegen Medien Aufmerksamkeit erregt, die ihn als "prorussisch" bezeichnet hatten. Die USA hatten 2021 Sanktionen gegen ihn verhängt. EU-Sanktionen mussten nach erfolgreichen Klagen wieder aufgehoben werden.

dpa

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