Viertklässler in Warnwesten und mit bunten Käppis wollen eine Kreuzung bei Grün überqueren - doch plötzlich rast ein Auto in die Gruppe. Eine Zehnjährige und ein 25 Jahre alter Begleiter werden durch die Luft geschleudert und tödlich verletzt. Knapp ein Jahr nach dem Unfall in Hürth bei Köln hat vor dem Kölner Landgericht der Prozess gegen den Autofahrer begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 20-Jährigen unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.
Laut Anklage soll der Deutsche mit bis zu 57 Kilometern pro Stunde auf die Kreuzung gefahren sein, obwohl die Ampel für ihn bereits vier Sekunden Rot gezeigt habe. "Ohne abzubremsen", wie der Staatsanwalt beim Verlesen der Anklage sagte, sei der 20-Jährige in die Schülergruppe gefahren und habe "frontal" das zehnjährige Mädchen und den Schulbegleiter erfasst. Beide erlitten schwere Schädel-Hirn-Verletzungen. Das Mädchen starb zwei Tage nach dem Unfall im Krankenhaus, der 25-Jährige mehrere Tage später. Die Viertklässler waren auf dem Weg zum Sportplatz.
Angeklagter spricht von "fürchterlichem Unfall"
"Ich habe einen fürchterlichen Unfall verursacht, bei dem zwei junge Menschen ums Leben gekommen sind", hieß es in einer vom Verteidiger verlesenen Einlassung des Angeklagten. Es habe seither keinen Tag gegeben, an dem er nicht an den schrecklichen Unfall gedacht und sich nicht gewünscht habe, "das Geschehene ungeschehen" zu machen. Und weiter: "Ich fühle mich für den Tod der beiden jungen Menschen verantwortlich."
Zum Unfallhergang hieß es in der Erklärung, der 20-Jährige sei auf die Ampel zugefahren, als diese noch Gelb gezeigt habe. "Ich gab Gas, weil ich sicher war, sie noch zu kriegen." Etwa auf Höhe der Ampel, habe er nach links geschaut um zu sehen, ob ein Fahrzeug auf seine Spur einbiege. "Als ich wieder nach vorn schaute, sah ich die Kinder auf der Straße direkt vor mir." Er glaube, noch gebremst zu haben, aber da sei es auch schon zur Kollision gekommen.
Ein Alkohol- und Drogentest der Polizei bei dem 20-Jährigen unmittelbar nach dem Unfall war negativ verlaufen. Laut der Aussage eines Polizeibeamten am Montag lägen auch keine Hinweise vor, dass der Angeklagte von seinem Handy abgelenkt gewesen sei. Der bis Anfang Juni terminierte Prozess wird nun klären müssen, wie es zu dem Unfall kommen konnte.
Angehörige lehnen Entschuldigung ab
Der Vater des tödlich verunglückten 25-Jährigen ist gemeinsam mit seiner Frau Nebenkläger in dem Prozess. Er hatte kürzlich in der SWR-Sendung "Nachtcafé" berichtet, Organe ihres Sohnes seien gespendet worden. Sein Herz schlage heute in einem anderen Menschen weiter. Auch die Eltern der Zehnjährigen hatten Organe ihrer Tochter gespendet, wie die Mutter, die ebenfalls als Nebenklägerin auftritt, am Montag auf dpa-Nachfrage bestätigte. Von dem Prozess verspreche sie sich vor allem eine Aufklärung und Antworten darauf, wie es zu dem Unfall habe kommen können. Eine Entschuldigung des Angeklagten lehnten die Nebenkläger ab.
Die Anklage wirft dem 20-Jährigen auch einen Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Handel mit Cannabis vor. Während der Unfallfahrt soll er eine scharfe Patrone mit sich geführt haben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am Unfalltag wurden demnach 122 Gramm Cannabis sichergestellt.