Gleichstellungsgesetz
Prominente übergeben Petition für mehr Barrierefreiheit

Inzwischen sind es sogar mehr als 151.000 Unterschriften. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes soll Hindernisse im Alltag abbauen. Eine Petition kritisiert, dass es Unternehmen schützt und nicht Menschen mit Behinderung.

Im Kampf für mehr Inklusion haben unter anderem Schauspieler Samuel Koch, Olympiasiegerin Kristina Vogel und Autor Raúl Krauthausen Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) eine Petition zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes überreicht. "Schön und gut, dass Ämter barrierefrei werden sollen", sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur. "Aber das wahre wirkliche Leben findet hier nicht auf dem Amt statt, sondern in Cafés, in Bars, in Konzerten, in Kultureinrichtungen, in Kinos."

Das Gesetz schütze Unternehmen, die diskriminieren – statt Menschen mit Behinderung, heißt es in der Petition. Es müsse so angepasst werden, dass Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft Pflicht wird. "Wir Menschen mit Behinderung gehören zur Gesellschaft. Wir gehören in jeden Betrieb, an jeden Ort und auf jede Veranstaltung", heißt es in der Petition weiter. Bei der Übergabe waren es mehr als 150.000 Unterschriften, inzwischen sind noch weitere dazugekommen.

Erster Entwurf stieß auf Kritik

Die Reform soll Verbesserungen für die rund 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen bringen. Für sie sind Treppen, Stufen oder schmale Durchgänge oft unüberwindliche Hindernisse, ebenso wie digitale Inhalte, Formulare oder Bescheide. 

Für den Bund macht der Entwurf konkrete Vorgaben: Er soll bis 2035 sämtliche Barrieren im öffentlichen Raum abbauen. Bis 2045 muss dies laut Entwurf geschehen. Zudem müssen Behörden Bescheide, Verträge und VoAh rdrucke sowie Nachfragen und Hinweise barrierefrei gestalten. Für private Unternehmen verzichtet das Gesetz auf "detaillierte Barrierefreiheitsvorschriften" und zielt auf "individuelle, praktikable Lösungen" im Bedarfsfall. 

Am 7. Mai befasste sich der Bundestag mit der Reform des Gesetzes in erster Lesung. Fast allen Parteien im Bundestag ging der Entwurf nicht weit genug. Die Opposition von AfD, Grünen und Linken kritisierte die Pläne scharf, aber auch die Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD kündigten Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren an. Selbst Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) sagte zu ihrer eigenen Vorlage: "Persönlich hätte ich mir mehr gewünscht."

dpa