Auch am zweiten Tag nach einem Großeinsatz in einer Bank im rheinland-pfälzischen Sinzig gibt es keinen Fahndungserfolg: Der oder die Täter sind nach einer möglichen Geiselnahme auf der Flucht. Es gebe derzeit keinen neuen Stand, sagte ein Sprecher der Polizei. Es werde weiter gefahndet und ermittelt. Unter anderem würden Anwohner befragt. Weitere Angaben zum Tathergang sind laut Polizei frühestens am Montag zu erwarten.
Was war passiert?
Wegen einer möglichen Geiselnahme hatte am Freitagmorgen ein Großaufgebot der Polizei mit Spezialkräften die Bank abgeriegelt. Ein Mann in einem weißen Overall, ähnlich wie ihn Imker tragen, soll einen Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens gegen 9.00 Uhr abgepasst und ihm einen Behälter mit Bargeld abgenommen haben. Anschließend habe er zwei Personen in einem Raum in der Volksbank eingeschlossen, hieß es von der Polizei.
Vermutlich verließ der Räuber noch vor Eintreffen der Polizei die Bank. Das Gebäude wurde weiträumig abgesperrt, weil bei Eintreffen der Einsatzkräfte unklar war, ob der oder die Täter noch in der Bank waren. Die Polizei ging von einer Geisellage aus.
Ein Spezialeinsatzkommando drang schließlich in das Gebäude ein, befreite die zwei Personen unverletzt, stieß aber nicht auf Verdächtige. Ein Polizeisprecher sagte nach dem Einsatz, nach seinem Kenntnisstand hätten die Ermittler keinerlei Kontakt mit den Tätern gehabt. Unklar blieb, ob bei dem Vorfall Waffen zum Einsatz kamen.
Was kann dem oder den Tätern vorgeworfen werden?
Die Einsatzkräfte gingen zunächst von einer Geiselnahme aus. Welche Straftatbestände tatsächlich in Betracht kommen, ist aber Gegenstand der Ermittlungen. In Betracht kommt auch Freiheitsberaubung.
Eine Freiheitsberaubung liegt nach dem Strafgesetzbuch vor, wenn ein Mensch eingesperrt oder ihm auf andere Weise die Freiheit genommen wird. Von Geiselnahme spricht man, wenn ein Mensch entführt oder festgehalten wird, um ihn oder eine andere Person durch die Drohung mit dem Tod, einer schweren Körperverletzung oder einer Freiheitsentziehung von mehr als einer Woche zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zu nötigen.
Wie geht die Polizei bei solchen Einsätzen vor?
"Die Zielrichtung bei unklaren Lagen - ob das Geiselnahmen, Entführungen, Anschläge oder Ähnliches sind - ist zuerst einmal zu eruieren, was tatsächlich vorliegt. Das heißt, valide und fundierte Daten zu erheben: über die Anzahl der Täter, über potenzielle Geiseln oder Opfer, über die Bewaffnung", sagte Martin Bachmaier, Vizepräsident der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.
"Man analysiert potenzielle Szenarien. Man schaut sich die Wahrscheinlichkeiten an." Zu einem bestimmten Zeitpunkt entscheide man sich dann für die zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Lösung.