Auf Schnee in der Nacht folgt wärmendes Feiern: Hunderttausende Närrinnen und Narren feiern beim Rosenmontagszug in Mainz. Selbst das weniger freundliche Wetter konnte sie nicht abhalten, auch wenn die Polizei am Mittag von etwas weniger Menschen als im vergangenen Jahr sprach zum Höhepunkt der Meenzer Fassenacht.
Wetter
Nachdem in der Nacht für Mainzer Verhältnisse recht viel Schnee gefallen war, ging es mit den Temperaturen im Verlauf des Rosenmontags wieder deutlich nach oben, sodass die weiße Pracht schnell wegschmolz und die Narren nicht behinderte. Bei der Aufstellung der Teilnehmer vor dem Start, lugte dann sogar kurz die Sonne hervor.
Der Start des Zuges mit seinen 121 Zugnummern, mehr als 9.200 Teilnehmern und elf Motivwagen erfolgte traditionell um 11.11 Uhr in der Neustadt, danach zog der närrische Lindwurm durch die Innenstadt, die Strecke führt unter anderem am Dom und am Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz vorbei. Das Motto der Fastnacht lautet in diesem Jahr: "Die Hofsänger im Gold'nen Mainz - seit 100 Jahr' die Nummer eins". Der auch über Mainz hinaus bekannte Chor feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.
Kostüme
Dick eingepackte Clowns, Leoparden, Kängurus, Löwen und vieles mehr: Zahlreiche Närrinnen und Narren wählten wärmende und oft pelzige Verkleidungen, vermutlich wegen des Wetters in diesem Jahr - ein echter Kontrast zu dem sonnigen und frühlingshaft warmen Rosenmontag des vergangenen Jahres.
An vielen Ecken in der Mainzer Innenstadt ging es tierisch zu. Nicht immer war ganz klar zu erkennen, um welchen Vierbeiner es sich handeln sollte. Zu sehen waren an der Zugstrecke etwa auch Igel mit braunen Schaumstoffstacheln, andernorts Drachen, Kühe oder Waschbären. Eltern jubelten den Wagen in Imkerkostümen zu, davor die Kinder im warmen Bienen- oder Hummel-Look. Es schunkelten Mönche mit Piraten, tanzten Zwerge, Mäuse und Elfen mit Wikingern und Skifahrern.
Ministerpräsident als Gutenberg
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) setzte an Rosenmontag auf Bewährtes. Erneut in der Verkleidung als Johannes Gutenberg zeigte sich der Regierungschef auf der Ehrentribüne in der Nähe des Mainzer Doms.
"Das hat mir im letzten Jahr Spaß gemacht. Und dieses Jahr hat es auch wieder gepasst", sagte Schweitzer lachend zu seiner Kostümauswahl. "Das passt zu Rheinland-Pfalz und zu Mainz." Das Denkmal des Erfinders des Buchdrucks gegenüber der Tribüne hatte wie Schweitzer auch eine traditionelle Fastnachtsmütze auf.
Politprominenz schunkelt zusammen
Fröhlich und bestens gelaunt begrüßte der Regierungschef die vorbeiziehenden Wagen und Gruppen unermüdlich mit einem dreifach donnernden Helau, Helau, Helau. Schweitzer rief immer wieder: "Schön, dass ihr da seid", "willkommen in Mainz" und sagte die aufziehenden Züge an.
An der Seite des Ministerpräsidenten zeigte sich weitere Politprominenz aus Rheinland-Pfalz: Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) schunkelte und lachte genauso wie Innenminister Michael Ebling (SPD), Finanzministerin Doris Ahnen und Justizminister Philipp Fernis (FDP).
Sicherheit
Die rheinland-pfälzische Polizei setzt für die Sicherheit an Rosenmontag auf mehr Videoüberwachung als in den vergangenen Jahren. "Wir rüsten jedes Jahr technisch ein bisschen auf", sagte Innenminister Michael Ebling (SPD) beim Besuch der Einsatzbefehlsstelle im Polizeipräsidium in Mainz am Morgen. Mehr Videoüberwachung solle dazu beitragen, an neuralgischen Punkten frühzeitig zu sehen, wenn etwas passiere.
Wichtig sei auch die Luftüberwachung - die Polizei habe das Instrumentarium, um notfalls Drohnen vom Himmel zu holen, sagte Ebling, der den Besuch im Polizeipräsidium wie gewohnt in Gardeuniform absolvierte und Kreppel mitbrachte.
Allein an Rosenmontag in Mainz ist die Polizei über den gesamten Tagesverlauf mit rund 1.100 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. In der Stadt gelten für bestimmte Areale Glasverbote, es wurden für in Vorjahren aufgefallene Menschen Aufenthaltsverbote ausgesprochen. Am Mittag sprach die Polizei bislang von keinerlei Problemen in der Stadt.
Politiker in Pink
Ebling fühlt sich übrigens von einem Motivwagen mit seinem Konterfei im Flamingo-Look geschmeichelt. "Ich bin ein bisschen überrascht, dass ich so schlanke Beine habe", sagte er vor dem Start des Zuges. Auch das Sixpack bei dem Motivwagen-Ebling sei ihm aufgefallen. "Seit zwei Tagen habe ich jetzt einfach das Essen eingestellt", sagte er. "Ich will jetzt genauso werden, wie auf dem Motivwagen."
Auf dem Wagen sind der frühere Mainzer Oberbürgermeister Ebling, der aktuelle Mainzer Oberbürgermeister Haase und der frühere Finanzdezernent und Bürgermeister von Mainz, Günter Beck (Grüne) als im Wasser watende Flamingos zu sehen. Hintergrund des Ganzen ist, dass im Mainzer Stadtpark viele Jahre ein Weiher mit Flamingos war. Aus Tierschutzgründen entschied die Stadt im vergangenen Jahr, die Tiere nicht weiter dort halten zu wollen, was einige Mainzer bedauerten. Auf dem Motivwagen steht nun geschrieben, dass Haase, Ebling und Beck in die Rolle des Federviehs schlüpfen wollten.