Kriminalität "Hohe Anspannung" - Prozess um Mord an Polizisten beginnt

Am 11. Februar beginnt der Prozess wegen Mordes an einem Polizisten im Saarland. (Archivbild) Foto: Oliver Dietze/dpa
Am 11. Februar beginnt der Prozess wegen Mordes an einem Polizisten im Saarland. (Archivbild) Foto
© Oliver Dietze/dpa
In Völklingen wird im August 2025 ein Polizist im Einsatz erschossen. Nächste Woche beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Was Verteidiger und Polizei vorher sagen.

Rund sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten in Völklingen im Saarland beginnt am Mittwoch (11. Februar) der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Der heute 19-Jährige ist vor dem Landgericht Saarbrücken wegen Mordes angeklagt: Er soll im August 2025 einen 34 Jahre alten Polizeioberkommissar erschossen haben. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen.

Die Tat passierte bei einem Polizeieinsatz. Laut Anklage soll der Mann die Schüsse aus einer Dienstwaffe abgefeuert haben, die er zuvor einem Kollegen entrissen haben soll. Die Polizisten hatten den Flüchtenden nach einem mutmaßlichen Tankstellenraub fassen wollen. Das Gericht hat vorerst zwölf Termine bis 14. April vorgesehen.

Bei der Tat wurde zudem ein Polizeianwärter verletzt. Laut Anklage hatte der Angeklagte geschossen, um seine Beteiligung am vorangegangenen Überfall auf eine Tankstelle zu verdecken. Die Staatsanwaltschaft sieht zudem die Mordmerkmale der Grausamkeit und der Mordlust als gegeben an.

Was der Verteidiger sagt

Der Angeklagte werde im Prozess Angaben zur Person und zu den Vorwürfen machen, sagte dessen Verteidiger Michael Rehberger. Teilweise werde der 19-Jährige das selbst tun, teilweise werde er das als Anwalt übernehmen. "Wir werden den Tag aus seiner Sicht darstellen." 

Der 19-Jährige sei vor dem Prozess inzwischen "sehr angespannt". Der Schüler werde nicht bestreiten, geschossen zu haben. "Es gibt kaum ein Verfahren, wo es mehr Beweise und Zeugen für diese Handlungen gibt", sagte Rehberger der Deutschen Presse-Agentur. 

Das Gericht müsse sich mit den Mordmerkmalen auseinandersetzen, die die Verteidigung infrage stelle. Der Prozess werde zeigen, ob es am Ende ein Mord bleibe oder ein Totschlag sein könnte.

Was die Polizei sagt

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Rinnert, sagte, vor dem Prozess gebe es bei den saarländischen Polizistinnen und Polizisten "eine sehr hohe Anspannung und eine unheimliche hohe emotionale Belastung". Viele litten unter den Folgen der schrecklichen Tat. Als Zeugen im Gerichtssaal hofften sie auf einen "respektvollen und sensiblen Umgang". 

Rinnert: "Es gibt eine saarländische Polizei bis zu jenem 21. August (Tattag) und es gibt eine danach. Das heißt: Nichts ist mehr so, wie es mal war für uns." Es sei in der Geschichte des Saarlandes der erste Mord an einem Polizisten gewesen, sagte Rinnert. Die "Polizeifamilie" im Saarland sei mit rund 2.500 Personen klein: "Viele kannten das Opfer." Der 34-Jährige hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Polizei erwartet "maximal harte Bestrafung" 

Am Ende des Prozesses erwarte die Polizei im Saarland "ein maximal hartes Urteil", sagte Rinnert. Die Tat sei "für uns alle das am schlimmsten vorstellbare Geschehen". Diese müsse ein starker Rechtsstaat auch dementsprechend maximal hart bestrafen.

Es sei zudem der Wunsch der Kollegen, dass der Prozess auch zeitnah zum Abschluss komme - und nicht künstlich hinausgezögert werde. "Weil viele von uns können bislang gar nicht wirklich zur Ruhe kommen." Man hoffe, dass man nach Prozessende das Geschehene verarbeiten könne. 

Prozess findet vor Jugendkammer statt

Rinnert setzt darauf, dass es nach dem Prozess auch Lehren für die Polizei gibt. Es gehe unter anderem um die Frage: "Wie ist es dem Täter gelungen, dem Polizeianwärter aus einem Sicherheitsholster die Waffe zu entwenden?" Wichtig sei auch, die Nachsorge von Polizisten besser in den Blick zu nehmen.

Da der Angeklagte mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt war und damit als Heranwachsender gilt, findet der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts statt.

dpa

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