Die steigenden Sicherheitsauflagen bei Karnevalsumzügen setzen die Vereine in Sachsen-Anhalt aus ihrer Sicht zunehmend unter Druck. "Das war im vorigen Jahr schon ein Kraftakt und ist es in diesem Jahr auch", sagte Dirk Vater, Präsident des Karneval-Landesverbandes Sachsen-Anhalt. "Die Vereine werden das, was sie über Jahre durch ehrenamtliche Arbeit in puncto Sicherheitsaufwendungen geleistet haben, auf Dauer nicht mehr durchhalten können."
Einheitliche Regelungen gefordert
Der Landesverband fordert einheitliche Regeln, was bei den Umzügen heutzutage zu sichern ist. Er habe beim Land darum gebeten, "damit nicht jedem Ordnungsamt noch zusätzliche Auflagen einfallen". Ehrenamtliche Vereine seien sonst überfordert. In den letzten Jahren seien sie von den Vorgaben überrascht gewesen. "Die Vereine müssen sich an einem Konzept orientieren, dann ist es auch besser planbar", sagte Vater.
"Bis jetzt konnten wir die Kosten über Sponsoren abdecken", sagte der Präsident der 1. Köthener Karnevalsgesellschaft KUKAKÖ, Till Mormann. Für den Rosenmontagsumzug in Köthen sind zahlreiche Betonklötze, Containersperren, Fahrzeugsperren und mobile Sperren notwendig. Teuer sind die mobilen Sperren, weil sie für Stunden mit Personal besetzt werden müssen.
Der Sprecher des Halle Saalkreis Karnevalverein, Kay-W. Barth, sagte: "Als Auflage von der Polizei muss an jede Absperrung noch jeweils eine Person von unseren Vereinen darauf achten, dass keiner die Absperrung wegnimmt oder irgendetwas anderes passiert. Das kostet natürlich und müssen die Vereine bezahlen."
Hoffnung auf immaterielles Kulturerbe
"In diesem Jahr läuft alles noch so durch. Wir haben von keinem Verein eine Abmeldung oder die Mitteilung erhalten, dass die Auflagen nicht erfüllt werden können", sagte Vater. Gleichzeitig warnte er vor den kommenden Jahren: "Der Aufwand ist mittlerweile so groß, dass er in Zukunft nicht mehr zu stemmen ist – finanziell und logistisch." Die Folge könne sein, dass sich immer mehr Veranstalter zurückziehen und die Umzüge ausfallen würden, warnte er.
Hoffnung setzt der Verband auf die Anerkennung des ostdeutschen Karnevals als immaterielles Kulturerbe. Der entsprechende Antrag sei am 25. Oktober 2025 eingereicht worden, innerhalb von zwei Jahren werde entschieden. "Wir gehen zu 95 Prozent davon aus, dass der Antrag genehmigt wird", sagte Vater. "Wenn gesagt wird: Ihr seid Kulturerbe, dann wertet das die ganze Sache deutlich auf."
Einen Einbruch bei den Veranstaltungen sehe er nicht. "Eine Reduzierung hat es schon vor Jahren gegeben, aber dass es jetzt nochmal einen Ruck nach unten gab, ist mir nicht bekannt", sagte Vater. Wichtig seien weiterhin die großen Umzüge in Köthen und Halle. "Man sieht aber, dass sich der Trend ein wenig nach Halle verlagert hat." Dort habe ein Umdenken stattgefunden. "Vor zehn bis fünfzehn Jahren war das hallesche Publikum noch nicht so pro Karneval eingestellt wie heute – das hat sich sehr positiv entwickelt."
Karneval wird moderner
Grundsätzlich sieht Vater den Karneval gut zwischen Tradition und Wandel aufgestellt. "Der Karneval besteht aus drei Säulen: gesprochenes Wort, Tanz und Gesang. Die werden sich grundlegend nicht ändern", sagte er. "Dann wäre es kein Brauchtum mehr." Inhalte und Formen entwickelten sich jedoch weiter. "Die Tänze werden moderner, Büttenredner arbeiten mit Videoeinspielungen und Social Media", sagte Vater.
Statt der klassischen Sitzung über drei Stunden mit Elferrat auf der Bühne, gebe es jetzt Veranstaltungen, die mehr in Richtung Party mit Tanzeinlagen gehen. Zudem sei die Aufmerksamkeitsspanne der Leute im Saal kürzer geworden. "Ein Büttenredner sollte heute kurz, knackig und prägnant sein. Früher konnte er sich vielleicht mal über 10 bis 15 Minuten in einer Büttenrede auslassen", sagte Vater. In Sachsen-Anhalt spiele zudem der Sketch eine besondere Rolle. "Das ist eine Form, die hier gewachsen ist und in westlichen Bundesländern kaum vorkommt", sagte Vater.
Im Landesverband sind den Angaben zufolge derzeit 187 Vereine mit insgesamt rund 19.000 Mitgliedern organisiert.