Natur
Was Bienen und Imker im Frühling umtreibt

In einem Bienenstock wohnen Hunderte Bienen. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa
In einem Bienenstock wohnen Hunderte Bienen. (Archivbild) Foto
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Die Tage werden länger, die Temperaturen angenehmer und Mensch, Tier und Natur atmen auf. Das Frühjahr ist endlich da. Was in dieser Zeit in den Bienenvölkern vor sich geht.

Wenn die Sonne endlich spürbar warm auf der Haut ist, das Tageslicht auch nach Feierabend noch für einen Spaziergang ausreicht und die Sonnenbrille immer häufiger eingepackt werden muss, ist klar: Der Frühling ist da. Während sich viele Menschen darüber freuen, bedeutet der Wetterumschwung in dieser Zeit für die Bienen auch einiges an Veränderung. Es müssen Vorbereitungen für den Sommer getroffen werden. Die Bienen, die überwintert haben, sterben und die sogenannten Sommerbienen schlüpfen. Bienen und Imker machen sich bereit für die Honigsammlerei.

"In Imkerkreisen nennt man das Durchlenzung", erklärt Imker Karl-Heinz Sperfeldt. In der momentanen Beobachtungsphase bauten die Altbienen das neue Volk aus körpereigenen Reserven auf, erklärt er. Bis sie irgendwann sterben, haben sie etwa ein halbes Jahr gelebt. "Die neuen Sommerbienen sind nicht mehr so langlebig und sterben innerhalb von vier bis sechs Wochen."

Wärme bringt Bewegung in die Bienenvölker

Über den Winter kann ein einzelnes Bienenvolk bis zu 20 Kilogramm Futter benötigen. Wenn es auch im Frühjahr noch einmal kalt wird, ist es wichtig, dass die Bienen dann noch auf Futterreserven zurückgreifen können. 

Auch für die Königin des Volkes bringt der Übergang von Winter zu Sommer Veränderung. "Momentan legt die Königin noch nicht so viele Eier. Ab spätestens Anfang Mai sind es dann bis zu 2.000 Eier am Tag. Das ist ein Mehrfaches von ihrem Körpergewicht", so Sperfeldt. 

Besondere Auszeichnung für Sperfeldt

Der Imker aus dem Landkreise Jerichower Land wurde jüngst vom Deutschen Imkerbund mit dem Ehrenpreis für Echten Deutschen Honig ausgezeichnet. Der Preis wurde seit 2008 deutschlandweit nur 49 Mal verliehen, sechsmal davon ging er in dieser Zeit nach Sachsen-Anhalt. Sperfeldt wurde für seinen Kornblumenhonig aus der Saison 2025 ausgezeichnet. 

Der 68-Jährige imkert seit 51 Jahren. Mit seinem Vater hatte er 1975 Bienenvölker eines gestorbenen Imkers übernommen. 2007 machte er sich mit der Imkerei selbstständig. Heute ist er Rentner - mit etwa 40 bis 50 Bienenvölkern. Seinen Honig verkauft er unter anderem auf Weihnachts- und Wochenmärkten.

Imker stehen vor mehreren Problemen

In all den Jahren, die er nun schon mit Bienen arbeite, habe sich viel verändert, erzählt Sperfeldt. "Heute haben wir deutlich mehr Krankheiten und Lebensraumverlust bei den Bienen als früher. Das hatten wir damals einfach nicht." Gleichzeitig seien die Kosten für die Imkerinnen und Imker "enorm gestiegen", sagt Sperfeldt. Und es sei heute schwer, Honig kostendeckend abzusetzen. 

All das könnten auch Gründe dafür sein, warum es Nachwuchssorgen gibt. "Junge Menschen, die ohne Vorkenntnis in die Imkerei einsteigen wollen, haben heute ein schweres Los", so Sperfeldt. 

"Wir als Imker sind dem schutzlos ausgeliefert"

Die Nachwuchssorgen sind jedoch nicht die einzigen Sorgen, die die Imkerinnen und Imker dieser Tage umtreiben. Nach Angaben des Imkerverbands Sachsen-Anhalt gab es zuletzt immer weniger Bienenvölker. Imker kämpften außerdem mit bürokratischen Hürden, fehlender ehrenamtlicher Unterstützung und der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse, sagt der Verbandsvorsitzende Paul Schenk

Und noch ein Thema sei derzeit aktuell: die Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln. Der Verband beschäftige sich seit einiger Zeit auch mit dem Thema Umweltbelastungen. "Selbst mitten in Städten finden wir Wirkstoffe. Um die Belastung der Bienen mit Umweltgiften besser messen zu können, nutzen wir Klotzbeuten. Das sind ausgehöhlte Baumstämme, die von den Bienen auf natürliche Weise ausgebaut werden. Viele Umweltgifte binden sich an das Wachs der Waben." Alles, was dort zu finden sei, stamme aus der Region im Flugradius der Bienen. 

Dass die Mittel deutlich weiter verbreitet würden, habe neben dem Wind auch mit zu hohen Arbeitsgeschwindigkeiten bei der Bearbeitung von Agrarflächen und beim Ausbringen der Mittel zu tun, erklärt Schenk. "Bienen und andere Insekten sind dem schutzlos ausgeliefert." 

Schutz und gleichzeitig eine zusätzliche Quelle für Nektar könnten Sträucher und Bäume außerhalb des Waldes bieten. "Leider wird dem Erhalt dieser Strukturen derzeit zu wenig Bedeutung beigemessen", kritisiert Schenk.

dpa