Brauchtum
Historiker kritisiert Hexen-Kult in der Walpurgisnacht

In der Walpurgisnacht werden vielerorts wieder sogenannte Hexenfeuer entzündet. (Archivbild) Foto: Arno Burgi/dpa
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In der Walpurgisnacht lodern vielerorts "Hexenfeuer". Doch es gibt auch Kritik daran - speziell mit Blick auf die Geschichte.

In der Walpurgisnacht sollen wieder "Hexenfeuer" brennen: Nach Ansicht des Historikers Kai Lehmann hat sich Deutschland zu wenig mit der Hexen-Verfolgung auseinandergesetzt. "Ich bin alles andere als eine Spaßbremse, aber die Hexen sollten in der Walpurgisnacht außen vor gelassen werden", sagte der Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg im südthüringischen Schmalkalden der Deutschen Presse-Agentur. "Das hat mit vernünftiger Geschichtsvermittlung nichts zu tun."

In Deutschland gebe es für verschiedene Kapitel der Geschichte eine Erinnerungskultur. "Beim Thema Hexen-Verfolgung haben wir aber versagt", sagte Lehmann. Was sich in vielen Orten im 16. und 17. Jahrhundert abgespielt habe, sei "mehr als schwierig". Allein auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland habe es 35.000 Opfer gegeben. Männer und Frauen gleichermaßen wurden wegen vorgeblicher Hexerei hingerichtet. 

Tanz in den Mai 

Lehmann forscht seit längerem zu dem Thema, hat ein Buch mit dem Titel "Hexen vor Gericht" geschrieben und wünscht sich mehr Sensibilität im Umgang mit dem Thema bei Feiern in der Walpurgisnacht. "Die Menschen sollen feiern, die Hexen dabei aber ausblenden." 

In der Nacht zum Freitag werden wieder vielerorts sogenannte Hexenfeuer entzündet. In größerer oder kleinerer Runde feiern die Menschen in den 1. Mai hinein. Im Harz ist die Walpurgisnacht inzwischen eine der größten Touristen-Attraktionen mit vielen Veranstaltungen.

dpa

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