Erzgebirgisches Kunsthandwerk
Nussknacker als Teamplayer: neues Design für Traditionsfigur

Holzspielzeugmacher Markus Füchtner mit den neuen Charakteren der "Knack-Dialog" Serie. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Holzspielzeugmacher Markus Füchtner mit den neuen Charakteren der "Knack-Dialog" Serie. Foto
© Hendrik Schmidt/dpa
Nüsse knacken im Doppelpack: Im Erzgebirge erfinden Kreative den Nussknacker neu - mit altem Mechanismus und fantasievollen Designs. Was steckt hinter dem Teamwork-Konzept?

Der erzgebirgische Nussknacker wird zum Teamplayer. War er bisher als grimmig schauender alter Mann bekannt, der als Einzelgänger mit Hebelwirkung harten Nüssen zu Leibe rückt, wird das Nüsseknacken nun Teamwork. Dazu hat der Seiffener Holzspielzeugmacher Markus Füchtner zusammen mit jungen Designern und freien Gestaltern den "Knack-Dialog" entwickelt. Die neun neuen Charaktere werden diesen Monat auf einer internationalen Auktion in Leipzig versteigert. Der Erlös soll den Nachwuchs für das traditionelle Kunsthandwerk fördern.

Füchtners Werkstatt gilt als Geburtshaus des erzgebirgischen Nussknackers, der hier von seinem Ur-Ur-Ur-Großvater Wilhelm erfunden wurde. Der Tradition folgend stellen sie Obrigkeiten dar: König, Husar, Förster. Dem hat sich auch Markus Füchtner verschrieben. 

Vor einem Jahr sei die Hamburger Agentur Scholz & Friends mit der Idee an ihn herangetreten, den Nussknacker vom Klischee des alten Mannes zu entstauben, erzählt Füchtner. "Zuerst habe ich gedacht: Oh Gott, wo geht das hin." Doch die Designentwürfe hätten ihn verblüfft, vor allem die Idee einer Spiegelung von König und Königin.

Wie sieht der Nussknacker der Zukunft aus? 

"Wir haben Studenten und Gestalter gefragt: Wie sieht für euch der Nussknacker der Zukunft aus?", sagt die Leiterin des Designteams von Scholz & Friends, Nicole Thalheim. Daraus entstanden ist eine bunte Truppe in neun Designs: Dazu gehört eine Zuckerfee ebenso wie ein Minimalist im Stile Piet Mondrians. Sie haben jeweils eine klassische Nussknackerfigur als Gegenpart, sodass sie Tradition und Moderne vereinen. 

Denn der Clou ist: Sie funktionieren nur im Doppelpack. Ihre Oberkörper sind mittels Magneten aneinander gebunden. Der Hebel zum Knacken der Nüsse fehlt. Stattdessen hat Füchtner einen Mechanismus wiederbelebt, den sein Vorfahre Albert vor rund 100 Jahren ersonnen hatte. Statt per Hebel wird die Nuss geknackt, indem man der Figur eins auf die Mütze gibt. 

Traditionshandwerk am Puls der Zeit 

Wie bei Füchtner wird in vielen Werkstätten der Region daran gearbeitet, das traditionsreiche Kunsthandwerk weiterzuentwickeln. So gibt es immer wieder neue Figuren, die Persönlichkeiten in Politik und Gesellschaft widerspiegeln. Hinzu kommen Neuerungen in der Formsprache. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wird auch an technischen Raffinessen gearbeitet. Etwa mittels 3D-Druck oder bedruckbarer Elektronik, wie Frederic Günther vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller erläutert. 

Um neue Impulse zu setzen und zur kreativen Weiterentwicklung der Holzkunst anzuregen, werden regelmäßig die Wettbewerbe "Tradition und Form" und "freiGEDREHT" ausgelobt. Dabei gebe es immer wieder ausgefallene neue Ideen, berichtet Günther. Inhaltliche Vorgaben mache der Verband keine. Doch werde darauf geachtet, dass bei allen Neuerungen die Qualitätskriterien eingehalten werden, für die die erzgebirgische Holzkunst stehe. 

Auktionserlös soll in Nachwuchsförderung fließen

Die neun neuen Nussknackerfiguren aus dem "Knack-Dialog" sollen am 25. März bei einer internationalen Auktion in einer Leipziger Galerie am 25. März versteigert werden. Laut Thalheim wird daran gearbeitet, dass Interessierte auch online mitbieten können. "Es handelt sich um Einzelstücke", betont Füchtner. Der Erlös fließe in einen "Fonds Erzgebirgisches Kunsthandwerk". Dessen Ziel sei es, Projekte zur Nachwuchsförderung, zur Sicherung handwerklicher Techniken sowie zur Weiterentwicklung und Vermarktung regionaler Produkte zu unterstützen. Später, so der Plan, soll es die Figuren in etwas abgewandelter Form auch in einer Kleinserie geben.

dpa