Geschichte
Appelle und Mahnungen zum Dresden-Gedenken

Auch in diesem Jahr wollen Tausende Menschen beim Dresden-Gedenken ein Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Zerstörung setzen (Archiv
Auch in diesem Jahr wollen Tausende Menschen beim Dresden-Gedenken ein Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Zerstörung setzen (Archivbild). Foto
© Robert Michael/dpa
Jedes Jahr erinnert die Stadt Dresden mit vielen Veranstaltungen an ihre Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Auch Appelle aus der Politik mahnen daran, historische Zusammenhänge nicht zu vergessen.

Die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg soll eine Mahnung auch für künftige Generationen bleiben. Wenige Stunden vor dem offiziellen Gedenken an die Bombardierung der Elbestadt am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach mahnten Politiker eine historisch korrekte Bewertung der Ereignisse an. Zugleich forderten sie dazu auf, alle Opfer des Krieges und der NS-Schreckensherrschaft in die Erinnerung einzubeziehen. 

Köpping: Geschichte nicht verkürzen und instrumentalisieren

"Das Gedenken am 13. Februar ist untrennbar mit der Verantwortung verbunden, Geschichte nicht zu verkürzen oder zu instrumentalisieren. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, das Verständnis für die Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus wachzuhalten und entschieden für eine demokratische Gesellschaft der gelebten Menschenrechte einzutreten", erklärte Sozialministerin Petra Köpping (SPD).

"Wir sind auch gefordert, aufzustehen, wenn die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, wenn Minderheiten ausgegrenzt, wenn Täter- und Opferrollen vertauscht und wenn antidemokratische und menschenfeindliche Einstellungen im gesellschaftlichen Diskurs salonfähig werden", betonte Köpping. 

Jahrestag der Zerstörung Dresdens ist Mahnung für die Gegenwart

Die Sozialministerin sieht in dem Jahrestag der Zerstörung zugleich eine Mahnung für die Gegenwart: "Zu viele Menschen sterben in den aktuellen Kriegen, erfahren Leid und müssen Verluste ertragen. Die Nachrichten und Bilder aus den Kriegsgebieten der Welt dürfen nicht zur Gewohnheit werden. Frieden, Freiheit und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeiten – sie müssen immer wieder neu verteidigt werden", so die Ministerin. 

Auftrag für künftige Generationen

Auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sieht in dem Gedenken einen Auftrag an künftige Generationen. "Der 13. Februar ist ein wichtiger Anlass, der Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken und zugleich den Blick auf die Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu richten", hob die Ministerin hervor. 

Menschenkette als Symbol für Frieden und Versöhnung

Dresden stehe beispielhaft für eine Stadt, deren Geschichte von tiefen Brüchen, aber auch von Wiederaufbau, kultureller Kraft und Zusammenhalt geprägt sei, betonte die Ministerin. Mit der Menschenkette und den vielen Gedenkveranstaltungen werde ein starkes Symbol für Demokratie, Frieden und gesellschaftliches Miteinander gesendet.

Dresden bei Luftangriffen im Februar 1945 schwer zerstört

Am Freitag begeht die sächsische Landeshauptstadt den 81. Jahrestag ihrer Bombardierung. Am 13. Februar 1945 und in den Tagen darauf war Dresden bei Luftangriffen britischer und US-amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Nach Untersuchungen einer Historikerkommission kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Rechtsextremisten sehen darin ein Kriegsverbrechen und versuchen die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg zu relativieren. 

Unter Völkerrechtlern und Historikern, auch in Großbritannien, sind die Bombardements umstritten. Experten sind sich aber darin einig, dass die Luftangriffe auf Dresden nicht ohne den Kontext des Kriegsverlaufs betrachtet werden können. Der von Deutschland ausgelöste Krieg war im Februar 1945 auch nach Dresden zurückgekehrt, heißt es immer wieder. 

So formulierte es auch die Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht im Landtag. "Was Hitler-Deutschland mit Coventry begonnen hat, kam im Februar 1945 nach Dresden zurück", erklärte der Abgeordnete Nico Rudolph. Die Strategie der Bombardements sei aber nicht auf Industrie- und Militäranlagen fokussiert gewesen, sondern haben den qualvollen Tod von Zivilisten mindestens in Kauf genommen. Das sei vom Kriegsrecht nicht gedeckt. 

BSW: Bund soll sich mehr für zivile Konfliktlösung einsetzen 

"Die Erinnerung an Dresden sollte die Bundespolitik dazu bewegen, demütiger aufzutreten und sich für zivile Konfliktlösungen statt für Aufrüstung einzusetzen", so Rudolph. Im Gegensatz zu ihrer Eltern- und Großelterngeneration seien vielen Politikern die Kriegsereignisse nicht mehr bewusst. Das führe zur Leichtfertigkeit im außenpolitischen Umgang und sei gefährlich.

Jedes Jahr bilden Bürger der Stadt an diesem Tag eine Menschenkette, um damit für Versöhnung zu werben und zugleich ein Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Zerstörung zu setzen. Nach den Worten von Köpping wird damit ein klares Zeichen für friedliches Erinnern, für Versöhnung und für entschlossenen Einsatz gegen den Missbrauch des Gedenkens durch Rechtsextreme gesetzt.

dpa