Nach einer Untersuchung auf NS-Raubgut sollen die Sammlungen der städtischen Museen Jena weiter nach Kulturgütern mit problematischer Herkunft überprüft werden. "Der Erstcheck hat für uns wesentliche Erkenntnisse zur Herkunft der Bestände erbracht. Zugleich wird deutlich, dass weiterer Forschungsbedarf besteht", sagte Kristin Knebel, Direktorin der Städtischen Museen Jena, zur Vorstellung der Projektergebnisse.
Die Museen wollen sich in den nächsten Jahren verstärkt Erwerbungen aus der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone sowie der DDR widmen. "Ziel ist es dabei, Transparenz zu schaffen, mögliche Entziehungen von Kulturgut aufzudecken, diese objektiv einzuordnen und – falls notwendig - faire gemeinsame Lösungen für solche Fälle zu finden", so Knebel weiter.
Mit dem sogenannten Erstcheck im Jahr 2025/26 wurde die stadtgeschichtliche Sammlung des Stadtmuseums auf Objekte untersucht, die etwa in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig ihren eigentlichen Besitzern entzogen worden sein könnten.
Bislang kein eindeutig belegbares NS-Raubgut entdeckt
Dafür nahm unter anderem die zuständige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumsverband Thüringen, Conny Dietrich, 279 Objekte unter die Lupe. Dabei handelte es sich etwa um Fotoabzüge und andere Gegenstände, die das Stadtmuseum von 1933 bis 1945 erworben hatte.
Bei keinem Objekt sei festgestellt worden, dass es mit Sicherheit unrechtmäßig erworben worden sei. Auch in schriftlichen Quellen seien keine entsprechenden Hinweise gefunden worden. Wegen der lückenhaften Quellen könne letztlich aber für viele Objekte keine eindeutige Aussage zur Herkunft getroffen werden. Gesichert sei aber, dass das Stadtmuseum Werke von Kunsthandlungen kaufte, die mit NS-Raubkunst handelten.
24 Erstchecks zu NS-Raubgut und Kolonialgeschichte
Provenienzforschung untersucht die Herkunft von Kulturgütern und versucht, etwa die genauen Eigentumsverhältnisse offenzulegen. Die Koordinierungsstelle des Thüringer Museumsverbands berät Mitgliedsmuseen und unterstützt diese bei dem Thema, etwa in Form von Erstchecks. Diese dienen dazu, problematische Objekte in den Sammlungen zu identifizieren, die möglicherweise durch NS-Unrecht in den Besitz der Einrichtungen gelangt sind.
Seit 2020 wurden laut Verband Kulturgüter in 24 Museen überprüft. 14 Erstchecks befassten sich mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Raubgut, weitere zehn mit kolonialen Kontexten. Künftig soll verstärkt Kulturgut in den Blick genommen werden, das möglicherweise in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR unrechtmäßig in die Sammlungen gelangte.
Zum Tag der Provenienzforschung am 8. April bieten einige Museen in Thüringen besondere Führungen und Veranstaltungen zum Thema Herkunftsforschung an.