Musik, Ballett und Oper
Hamburger Staatsoper gastiert bald im Zirkuszelt

Die Hamburgische Staatsoper spielt im nächsten Jahr für einige Wochen in einem Zelt auf der Trabrennbahn in Altona. Foto: Christ
Die Hamburgische Staatsoper spielt im nächsten Jahr für einige Wochen in einem Zelt auf der Trabrennbahn in Altona. Foto
© Christiane Bosch/dpa
In weniger als zehn Jahren soll die Hamburger Staatsoper in einen Neubau in der Hafencity umziehen. Einen Ortswechsel können das Ballett und die Oper allerdings schon eher üben. Warum ziehen sie um?

Zirkuszelt an der Trabrennbahn statt Opernhaus in der Hamburger Innenstadt: Weil der Orchestergraben der Hamburgischen Staatsoper saniert werden muss, wird das Haus im Sommer 2027 für einige Wochen in eine spektakuläre Außenspielstätte umziehen – und zwar in ein waschechtes Zirkuszelt. 28 Vorstellungen und Veranstaltungen sind für die gut sechswöchige Gastzeit in der "Kuppel Hamburg" an der Trabrennbahn im Bezirk Altona geplant.

"Vom 22. Mai bis 4. Juli werden wir hier buchstäblich unsere Zelte aufschlagen", sagte Opernintendant Tobias Kratzer während der Pressekonferenz zum Ausblick auf die Saison 2026/27. "Wir haben diesen wunderbaren Ort gefunden, der den Vorteil hat, dass er eben nicht ein anderes Opernhaus ist, sondern ein ganz eigenes Flair mitbringt", sagte er weiter. 

Spielort mit eigenem Flair – und Weltpremiere 

Die erste Vorstellung im Zirkuszelt ist gleich eine Uraufführung: das Opernspektakel "Störtebeker". Die Weltpremiere der modernen Familienoper hole die berühmten Piratenabenteuer und die Hamburger Musiktradition in die Gegenwart, hieß es dazu. Der Opernintendant bezeichnete "Störtebeker" als ein "Werk mit einer ganz besonderen Geschichte".

"Ein absoluter Höhepunkt der Saison. Wir mischen auf der Bühne beispielsweise Ensemblemitglieder mit Musicalstars. Es ist ein Werk, das anders ist", sagte Kratzer. Ihm sei wichtig, dass jede Uraufführung überrasche und neue Welten erkunde – und "Störtebeker" tue genau das. Das Stück von Gordon Kampe und in der Inszenierung von Martin G. Berger wird elfmal in der "Kuppel Hamburg" aufgeführt. 

Das Ballett wird zudem mit einer Wiederaufnahme von John Neumeiers "Ein Sommernachtstraum" im Zirkuszelt präsent sein – die Produktion gilt als Signature-Werk des Hamburger Balletts. Die adaptierte Neufassung wird ab dem 19. Juni in der "Kuppel Hamburg" getanzt. Des Weiteren werden im Zirkuszelt das Bundesjugendballett und "Jungen Choreograf:innen" ihr Können zeigen.

Für die Vorstellungen am außergewöhnlichen Spielort der Hamburger Staatsoper im Sommer 2027 können ab sofort bereits Karten gekauft werden. 

Wiederaufnahme von Neumeier-Stücken und Beethoven-Jahr

In der Spielzeit 2026/27 sind in der Hamburger Staatsoper neun Premieren geplant, darunter Giuseppe Verdis "Macbeth" (Premiere 12. September), Tschaikowskys "Eugen Onegin" (21. Februar) und die Märchenoper "Dornröschen" von Engelbert Humperdinck (8. November). "Das ist ein unglaublich eigenwilliges Stück, die am seltensten gespielte Märchenoper von Humperdinck", sagte Kratzer dazu. Die Oper widmet sich der Reise des Prinzen, die er unternimmt, während Dornröschen schläft. Und die führt ihn sogar bis ins Weltall. 

Geplant sind außerdem 15 Wiederaufnahmen, darunter "Die Walküre" von Richard Wagner, "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart und Opern von Gioachino Rossini, Giacomo Puccini und Verdi. 

Hamburger Ballett setzt auf Neumeier-Produktionen

Das Ballett wird mit "Neue Welten" mit Werken von Edvin Revazov und Justin Peck (5. Dezember) und "Mittsu" zwei Premieren auf die Bühne des Großen Hauses bringen. Die Uraufführung von "Mittsu" (13. März) mit Werken von Neshama Nashman, Yuka Oishi und Kristina Paulin ist gleichzeitig der Start in die 52. Hamburger Ballett-Tage.

Außerdem können sich Ballett-Freunde auf die Wiederaufnahme eines beliebten Stückes von John Neumeier freuen: "A Cinderella Story". "Es ist eine wunderschöne Neuinterpretation und ein Publikumsrenner, der viele Jahre nicht aufgeführt wurde", sagte Lloyd Riggins, der vorübergehend der künstlerische Ballettdirektor des Hamburg Balletts ist, bis ein neuer Ballettintendant gefunden ist. 

Beethoven im Fokus der Philharmoniker

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber plant für 2026/27 zehn philharmonische Konzerten. Bei einem Teil davon liegt der Fokus dabei auf Beethoven-Sinfonien. Die werden jedoch nicht einfach nur aufgeführt – sie werden stattdessen miteinander und mit Sinfonien anderer großer Komponisten vermischt.

"Wir haben 9 Sinfonien mit 37 Sätzen. Und wir zerteilen sie und fügen sie wieder zusammen. Es sind die bekannten Sinfonien, aber mit einem anderen Geschmack", sagte Wellber. Das bringe interessante Kontraste und Mischungen in die kommende Spielzeit. Auch ein Konzert für Kinder, das Beethoven zu jungen Musikfans bringen soll, ist geplant. 

Opernneubau in Hafencity geplant

Mit ihrem Ausflug ins Zirkuszelt können sich die Künstlerinnen und Künstler der Hamburgischen Staatsoper quasi im Kleinen schon einmal an neue Spielorte gewöhnen. In ferner Zukunft soll die Hamburger Staatsoper komplett umziehen – und zwar die Hafencity. Ein Grund dafür ist, dass das Haus in der Nähe vom Dammtor dringend eine Generalsanierung braucht. 

Die Stadt und die Kühne-Stiftung planen den Neubau eines Opernhauses am Baakenhöft. Bis zu 340 Millionen Euro will die Kühne-Stiftung dafür zur Verfügung stellen. Die Stadt will rund 147,5 Millionen Euro investieren. Mit dem Bau der neuen Oper könnte Anfang 2030 begonnen werden, die Fertigstellung wäre 2034 möglich.

dpa