Nach dem Einsturz eines Hauses in Görlitz bleibt der Bereich um den Unglücksort vorerst gesperrt. Anwohner der umliegenden Häuser können weiterhin nur zeitweise in ihre Wohnungen, wie Stadt und Polizei mitteilten. Es werde daran gearbeitet, dass die Evakuierten nach und nach in die Häuser zurückkehren könnten.
Einschränkungen bestehen weiterhin auch für den Verkehr. Die James-von-Moltke-Straße, in der das Haus einstürzte, ist den Angaben nach bis mindestens Ende nächster Woche gesperrt.
Mitten in Görlitz war am Montagabend ein Mehrfamilienhaus aus der Gründerzeit, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, komplett eingestürzt. Drei Vermisste - zwei Frauen im Alter von 25 und 26 Jahren sowie ein 48-jähriger Mann - konnten nur noch tot geborgen werden. Der Rettungseinsatz dauerte etwa 72 Stunden, teils arbeiteten sich die Einsatzkräfte mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. Als Ursache für den Einsturz wird eine Gasexplosion vermutet.
87-jährige Anwohnerin: "Erschüttert, dass es so etwas gibt"
Bei der 87-jährigen Anwohnerin Waltraud Schubert weckte der Hauseinsturz Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, den sie als Kind selbst erlebte. "Wir waren erschüttert, dass es so was gibt", sagte sie am vierten Tag nach dem Unglück. Und denkt zurück: "Ich war ja nur 6 Jahre, als der Krieg zu Ende war. Ich habe das alles miterlebt."
An ihrem Geburtstag am Montag war die 87-Jährige mit ihrer Familie zum Feiern in einer Gaststätte, als das Nachbarhaus einstürzte. Auch sie kann immer nur kurz in ihre Wohnung im Haus gegenüber der Einsturzstelle und muss dafür bei den Polizisten vor Ort ihren Ausweis vorzeigen. Am Vormittag war sie kurz zu Hause, um ihre Katzen zu füttern.
Die 87-Jährige kommt aktuell bei ihrer Tochter unter. Die habe sie wirklich gut betreut, erzählt Schubert. Trotzdem ist die Situation für sie belastend: "Es ist schlimm, wenn man nicht rein kann."