Wohnen
Bezahlbares Wohnen wird in Sachsen zunehmend ein Problem

Die sächsische Wohnungswirtschaft rechnet angesichts schwieriger Rahmenbedingungen mit weiteren Mietsteigerungen in den kommende
Die sächsische Wohnungswirtschaft rechnet angesichts schwieriger Rahmenbedingungen mit weiteren Mietsteigerungen in den kommenden Jahren. (Archivbild) Foto
© Robert Michael/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Eine bezahlbare Wohnung in Dresden oder Leipzig zu finden, kann ein nervenaufreibendes Unterfangen sein. Die Wohnungswirtschaft rechnet mit weiter steigenden Mietkosten.

Bezahlbare Wohnungen sind auch in Sachsen immer schwerer zu finden. Die Wohnungswirtschaft stehe vor der Herausforderung, sozialverträgliche Mieten zu stemmen und gleichzeitig zu investieren und steigende Klimaziele zu erreichen, erklärten der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) und der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) in Dresden. Beide Verbände stellten erstmals gemeinsam ihre Jahresbilanz (2025) vor. Viele der Kennziffern ähneln sich. 

Investitionen vor allem in Instandhaltung und Modernisierung

Die 199 im VSWG organisierten Genossenschaften investierten im Vorjahr 623,4 Millionen Euro, zwei Prozent mehr als 2024. Der Fokus lag auf der Instandhaltung (371,5 Millionen Euro) und Modernisierung (209,4 Millionen Euro) der Bestände. Der Neubau stagnierte bei 42,5 Millionen Euro - lediglich 176 Wohnungen entstanden neu. „Die Baupreise steigen zwar langsamer als in den Vorjahren, dennoch führen höhere Investitionen real zu immer geringeren Bauleistungen“, sagte VSWG-Vorstand Mirjam Philipp.

Schleche Zeiten für Neubau

Bei den 117 Wohnungsunternehmen im vdw lag die Investitionssumme 2026 bei 703,6 Millionen Euro - knapp 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch hier floss das Geld im Wesentlichen in Instandhaltung (297,3 Millionen Euro) und Modernisierung (284,7 Millionen Euro). Im Neubau entstanden 762 Wohnungen (2024: 719). „Wir erwarten in diesem und in den folgenden Jahren einen dramatischen Einbruch im Neubau“, betonte vdw-Chef Alexander Müller. Die Prognosen der Unternehmen seien „sehr düster“.

Leerstand führt zu beträchtlichen Einnahmeverlusten

Auch sonst haben beide Verbände ähnliche Probleme, beispielsweise beim Leerstand. Bei den Genossenschaften standen rund 24.000 Wohnungen und damit 8,2 Prozent des Bestandes leer. Bei den kommunalen Unternehmen fanden 9,5 Prozent aller Wohnungen - mehr als 25.300 - keinen neuen Mieter. Das ist mit enormen Kosten verbunden. Allein dem VSWG entgingen so Einnahmen von 94 Millionen Euro - 68 Millionen an möglichen Mieteinnahmen, der Rest an Betriebskosten, die nicht umgelegt werden konnten. 

Vor allem Zunahme der Betriebskosten bereitet Sorgen

Bei den Mieten liegen die Genossenschaften und die kommunalen Wohnungsunternehmen noch immer im grünen Bereich - zumindest aus Sicht vieler Mieter. Denn die Nettokaltmiete lag im vergangenen Jahr bei 5,75 Euro pro Quadratmeter (VSWG) beziehungsweise 5,66 Euro pro Quadratmeter (vdw) und damit um 13 Cent beziehungsweise 16 Cent über den Werten des Vorjahres. Die sogenannte zweite Miete - warme und kalte Betriebskosten - entwickle sich zunehmend zum Belastungsfaktor, hieß es. 

Verbände rechnen mit steigenden Mietkosten

Philipp und Müller wollten sich mit Blick auf steigende Mietkosten zahlenmäßig nicht festlegen. Das hieße, in eine Glaskugel schauen. „Aus meiner Sicht wird es deutlich teurer werden“, sagte Müller. Philipp machte das anhand der Entwicklung im vergangenen Jahr fest. Insgesamt seien die Wohnkosten um 27 Cent gestiegen, was 3,1 Prozent entspreche. „Ich denke, das ist jetzt so eine Größe, die man dann auch fortführen kann.“ Damit liege die brutto Warmmiete aktuell bei 8,92 Euro.

Philipp zufolge ermuntert der VSWG seine Mitglieder zu moderaten Mietsteigerungen. Mitunter lägen die Quadratmeterpreise noch bei drei Euro. Manche hätten aus lauter Rücksichtnahme die Mieten seit 30 Jahren nicht mehr erhöht. „Wir stehen für bezahlbares Wohnen, aber wir stehen auch dafür, dass wir unsere Bestände modern halten müssen und auch entsprechende Investitionen tätigen.“

dpa