Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah hat Ärger mit seinem Parteiverband in Sachsen. Im Landesvorstand wurde nach übereinstimmenden Informationen des stern eine "Parteiordnungsmaßnahme" gegen Krah beantragt. Urheber des Antrags ist der Europaabgeordnete Siegbert Droese, der selbst dem Landesvorstand angehört.
Laut dem Schreiben soll Krah wiederholt die sogenannte Mandatsträgerabgabe nicht fristgerecht entrichtet haben. Die Abgabe ist eine regelmäßige Zahlung, die Inhaber öffentlicher Ämter oder Mandate an ihre Partei leisten. Diese Beiträge gehören, ähnlich wie Mitgliedsbeiträge oder Spenden, zur Parteienfinanzierung. Sie sind laut Satzung verpflichtend.
Trotz entsprechender Hinweise und Mahnungen soll es bei Krah in mehreren Fällen zu erheblichen Verzögerungen bei den Zahlungen gekommen sein. "Dieses bis in die Gegenwart anhaltende Verhalten stellt einen fortgesetzten Verstoß gegen die sich aus Satzung und Ordnungen unserer Partei ergebenden Pflichten von Mandatsträgern dar und beeinträchtigt die finanzielle Ordnung der Partei", heißt es in dem Antrag. Vor "diesem Hintergrund" sei die Einleitung eines Parteiverfahrens "erforderlich und angemessen".
Maximilian Krah reagiert gelassen
Krah reagierte betont gelassen. Er kenne das Schreiben nicht und habe auch keine Mahnung erhalten. "Aus meiner Sicht habe ich immer pünktlich gezahlt", sagte er dem stern. Er werde aber noch einmal seine Abrechnungen prüfen und mit dem Schatzmeister der sächsischen AfD Kontakt aufnehmen.
Der Abgeordnete wurde von seiner Partei im Europawahlkampf 2024 zum Spitzenkandidaten gewählt, stand danach aber schnell im Zentrum mehrerer Skandale. So wurde einer seiner Mitarbeiter als mutmaßlicher chinesischer Spion enttarnt und später auch verurteilt. Gegen Krah selbst wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit als Mandatsträger und Geldwäsche ermittelt.
Nachdem Krah die Rolle der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg relativiert hatte, wurde er von der AfD kaltgestellt und durfte nicht Mitglied der Fraktion in Brüssel werden. Als Reaktion orientierte sich Krah um und bewarb sich bei der Bundestagswahl 2025 um einen Wahlkreis im Erzgebirge. Er sicherte sich die Nominierung, gewann auch das Direktmandat und sitzt seitdem im Berliner Parlament – wo er in die Fraktion aufgenommen wurde.
Entfremdung vom völkischen Lager
Parallel zu dieser Entwicklung entfremdete sich Krah vom völkischen Flügel der Partei, der ihm 2024 zur Spitzenkandidatur verholfen hatte. Der Abgeordnete wirbt inzwischen offensiv um Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund und hat seine Haltung zum extremistischen Konzept der "Remigration" komplett geändert. Die AfD müsse eindeutig klarstellen, dass keine deutschen Staatsbürger abgeschoben werden könnten, erklärte er.
Der Begriff "Remigration" sei "semantisch außer Kontrolle" geraten, erklärte Krah am Wochenende in der "FAZ": "Wer mehrere Millionen Menschen 'remigrieren' will, meint offenbar auch Staatsbürger."
Den Begriff der "millionenfachen Remigration" benutzen neben dem thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke unter anderem der Brandenburger Landesvorsitzende René Springer und der Bundestagsfraktionsvize Sebastian Münzenmaier – aber auch Bundesparteichef Tino Chrupalla, der wie Krah aus Sachsen kommt.