Mit rund 100 Veranstaltungen unter einer jungen künstlerischen Leitung will das Kunstfest Weimar in diesem Jahr Akzente setzen. Erstmals übernehmen Katharina Germo (35) und Juliane Hahn (39) die Verantwortung für das Programm des Festivals, das als eines der wichtigsten für zeitgenössische Künste in Ostdeutschland gilt. Internationale Gegenwartskünstler bestreiten vom 21. August bis 6. September das Programm aus Theater, Tanz, Musik, Film, Performances und Ausstellungen.
Spielstätten sind nicht nur bekannte Weimarer Orte wie der Ilmpark, das Theater oder die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Wie bereits in den vergangenen Jahren schwärmen die Künstler auch in andere Thüringer Orte aus.
Autotuning und Lücken der Erinnerung
So ist Apolda einer der Orte, an denen das Kunstfest eröffnet wird – mit einem nächtlichen Open-Air-Konzert als europäische Erstaufführung, bei der aus getunten Auto-Soundanlagen eine eigens dafür komponierte Suite des japanischen Künstlers Masamitsu Araki erklingt. In Weimar wird das Kunstfest mit einer Open-Air-Performance einer französischen Akrobatengruppe eröffnet, bei der die Künstler auf sechs Meter hohen Stangen durch den Ilmpark zu schweben scheinen.
Drei aktuelle Theaterarbeiten aus Moldawien, Griechenland und dem Libanon beschäftigen sich mit Lücken der Erinnerung. Im Dokumentartheaterstück „96 Prozent“ des griechischen Regisseurs Prodromos Tsinikoris geht es die fast vollständige Vernichtung der jüdischen Gemeinde der griechischen Stadt Thessaloniki während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.
Warten auf Zuwendungsbescheid des Landes
Als Herausforderung für die neuen künstlerischen Leiterinnen hat sich die Finanzierung des Festivals erwiesen. Elf Wochen vor dem Start warten sie noch auf die endgültige Finanzierungszusage des Thüringer Kulturministeriums. Zwar gebe es eine grundsätzliche Förderzusage des Landes, aber ein Zuwendungsbescheid liege noch nicht vor, sagten Germo und Hahn bei der Programmvorstellung. Zudem stünden noch Rückmeldungen von Drittmittelgebern aus. Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) sprach deswegen von einer „schwierigen Planbarkeit“.
Das Land ist neben der Stadt wichtigster Geldgeber. Es werde das Kunstfest in diesem Jahr mit rund 650.000 Euro fördern, teilte ein Sprecher des Kulturministeriums auf dpa-Anfrage mit. Die Stadt steuert Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) zufolge wie im Vorjahr rund 300.000 Euro bei. Im vergangenen Jahr, dem letzten unter der künstlerischen Leitung von Rolf C. Hemke, lockte das Festival rund 40.000 Besucher.
Kunstfest Weimar