Der Prozess um eine mutmaßliche Geiselnahme einer jungen Frau am Landgericht Erfurt wird ausgesetzt. Dieser Schritt ist nach Sicht des Gerichts nötig, um ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten einzuholen, sagte der Vorsitzende Richter Peter Andres. Dieses solle Auskunft über die Glaubwürdigkeit der Aussagen des mutmaßlichen Opfers geben. Die junge Frau habe eine chronische psychische Erkrankung. "Sie ist keine völlig unproblematische Zeugin", so Andres.
Angeklagte unter Auflagen auf freiem Fuß
Zudem setzte das Gericht die Haftbefehle für die Angeklagten gegen Auflagen außer Vollzug. Diese sind unter anderem verpflichtet, weder selbst mit dem mutmaßlichen Opfer noch mit einer Reihe anderer Zeugen und untereinander in Kontakt zu treten. Auch Kontaktversuche, die möglicherweise von der jungen Frau und anderen Zeugen ausgehen, müssen sie abwenden. Zudem sollen sich die beiden regelmäßig bei der Polizei melden.
Gutachten werde einige Zeit dauern
Es werde einige Zeit in Anspruch nehmen, das Gutachten erstellen zu lassen, so Andres. Frühestens nach Erstellung des Gutachtens kann der Prozess erneut starten. Wann genau es so weit sein könne, ist demnach nicht absehbar. Er müsse dann komplett neu beginnen. "Der Sachverhalt ist kein üblicher", betonte Andres. Dieser weiche doch erheblich von dem ab, was sonst vor Gericht verhandelt werde.
Die Staatsanwaltschaft wirft einem 53-jährigen Mann und einer 56-jährigen Frau unter anderem gemeinschaftliche Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Die beiden sollen im Juli 2025 die damals 19-Jährige auf einem Grundstück mit Scheune in der Gemeinde Vogelsberg im Landkreis Sömmerda mehrere Tage festgehalten haben. Der 53-Jährige habe ihr mehrfach gedroht und sie schließlich nackt in eine kleine Holzkiste gesperrt, hieß es in der Anklage. Die Polizei habe die als vermisst gemeldete junge Frau später aus der Kiste befreit.
Der 53-Jährige hatte in seiner bereits erfolgten Einlassung die Vorwürfe allesamt bestritten. Die 56-jährige Mitangeklagte hatte sich nicht dazu geäußert.