Vertrauenskrise im Bistum Bischof Mixa will Finanz-Vorwürfe klären

Nach wachsendem Druck auch aus der katholischen Kirche hat der Augsburger Bischof Walter Mixa am Montag eine Prüfung der finanziellen Ungereimtheiten in der Waisenhausstiftung Schrobenhausen eingeleitet.

Der Augsburger Bischof Walter Mixa lässt jetzt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe finanzieller Ungereimtheiten prüfen. Nach Angaben des Ordinariats vom Montag hat der Bischof eine Münchner Anwaltskanzlei und die bischöfliche Finanzkammer Augsburg beauftragt, die Sachverhalte aufzuklären. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde erfolgen. Mixa will den Angaben zufolge selbst aktiv zur Klärung beitragen. Unterdessen hat sich die Vertrauenskrise zwischen den Laien im Bistum und Mixa - er hat inzwischen zugegeben, als Stadtpfarrer Heimkinder geohrfeigt zu haben - mit der Forderung nach personellen Konsequenzen weiter zugespitzt.

Auf drastisch steigende Kirchenaustritte verwies der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold. Es sei höchste Zeit, auch mit personellen Konsequenzen im Umfeld des Bischofs eine neue Basis zu finden, sagte Mangold am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx solle als Vorsitzender der bayerischen Bischofskonferenz im Fall Mixa vermitteln. Der Diözesanrat ist ein Zusammenschluss von Laien in einer Diözese. Seine Mitglieder kommen aus den Dekanats- und Pfarrgemeinderäten, aber auch aus Verbänden und Organisationen.

Mangold forderte von Mixa völlige Offenheit zu den seit Wochen erhobenen Anschuldigungen. "Wir erwarten, dass der Bischof vor allem auch die finanziellen Dinge offenlegt, die ihm als Stadtpfarrer von Schrobenhausen angelastet werden." In der Zeit zwischen 1975 und 1996 soll Mixa nach Erkenntnissen des Sonderermittlers Sebastian Knott eine Vielzahl von Quittungen über größere Geldbeträge unterschrieben haben, bei denen der Verdacht der "satzungswidrigen Verwendung von Stiftungsmitteln" vorliege. "Das muss geklärt werden", sagte Mangold. Mixa müsse sagen, warum für über 5300 Mark Wein gekauft wurde. Beim Ankauf eines völlig überteuerten Kunstwerks für 43 000 Mark sei der Bischof mit einer "gewissen Naivität" wohl einem Hochstapler in Rom auf den Leim gegangen.

Knott hatte mehrere Zahlungen beanstandet, bei denen der Verdacht auf satzungswidrige Verwendung von Stiftungsmitteln durch Mixa bestehe. Knott schätzt den Schaden vorläufig auf bis zu rund 7000 Euro.

"Bisher ist alles sehr unglücklich gelaufen", sagte Mangold mit Blick auf das späte Eingeständnis des Bischofs. Mixa hatte zunächst kategorisch bestritten, jemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewendet zu haben. Nach zwei Wochen räumte er dann ein, Heimkinder in Schrobenhausen geohrfeigt zu haben. Nach wie vor werden Mixa in eidesstattlichen Erklärungen Betroffener auch noch brutale Prügelattacken vorgeworfen, die er aber weiterhin bestreitet.

In Reihen der Priesterschaft im Bistum ist durch die Debatte um Mixa von "erheblichem Vertrauensverlust" die Rede. Für Montagabend war eine außerordentliche Sitzung des Priesterrates angesetzt, in der mit Mixa über die Vorwürfe gesprochen werden sollte. "Wenn es sich Mixa mit den Priestern verscherzt, dann kann er gleich zurücktreten", war im Vorfeld des Treffens zu erfahren. Auch das Domkapitel sei inzwischen "völlig frustriert" und ziehe sich auf seine seelsorgerische Arbeit zurück, hieß es in Kirchenkreisen.

Schockiert zeigte sich Mangold über Absagen von Mitgliedern des Diözesanrates beim Festakt des Gremiums an diesem Wochenende. Sie hätten ihr Fernbleiben mit der Anwesenheit des Bischofs begründet, mit dem sie "nichts mehr am Hut" hätten. Mixa wird den Angaben zufolge der Vollversammlung am Freitag fern bleiben und nur am Samstag am Festakt teilnehmen.

DPA/APN DPA

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