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Alzheimer und Demenz in Deutschland: Studie prophezeit pro Tag hundert Demenzkranke mehr

"Erschreckend" nennt die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft die neuen Zahlen zu Demenzerkrankungen: Im Jahr 2050 könnten drei Millionen Deutsche an Demenz leiden.

In Deutschland leben bereits mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Demenz und damit mehr als bisher angenommen. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelinge, werde sich die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen erhöhen, erklärte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am Dienstag in Berlin, mit Verweis auf eine neue Untersuchung. Dies entspräche einer Zunahme um mehr als hundert zusätzliche Krankheitsfälle pro Tag.

Bislang waren Experten von rund 1,2 Millionen Demenzkranken in Deutschland ausgegangen. Im Auftrag der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wurden die Zahlen von einem Wissenschaftler der TU München nun neu berechnet.

Demenz ist zu 70 Prozent weiblich

Jahr für Jahr treten in Deutschland fast 300.000 Neuerkrankungen auf. Die Krankheit betrifft vor allem alte Menschen. Etwa zwei Drittel sind über 80, fast 70 Prozent der Erkrankten sind Frauen. Demenz führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprechen, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zu einer starken Schädigung - oder sogar dem Absterben von Gehirnzellen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz: Zwei Drittel aller Demenzkranken sind in Deutschland von #link;www.stern.de/gesundheit/diagnose-alzheimer-ein-abschied-auf-raten-1780374.html;Alzheimer# betroffen.

Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Heike von Lützau-Hohlbein, sprach von "erschreckenden Zahlen". Lützau-Hohlbein weiter: "Niemand kann sagen: Damit haben wir nicht gerechnet oder das haben wir nicht gewusst". Es müsse mehr dafür getan werden, dass Menschen mit Demenz "ein menschenwürdiges Leben führen können und ihre Familien angemessene Unterstützung erhalten", forderte sie.

Starke Schwankungen zwischen Bundesländern

Zwischen den Bundesländern gibt es laut der Studie aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung jenseits des 65. Lebensjahres zum Teil deutliche Unterschiede. So sind in Brandenburg 7,9 Prozent der über 65-Jährigen an einer Demenz erkrankt, in Rheinland-Pfalz sind es neun Prozent. Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland hat mit mehr als 314.000 Betroffenen die absolut höchste Zahl der Demenzkranken.

Die Berechnung der neuen Zahlen für Deutschland beruht demnach auf den von der Dachorganisation Alzheimer Europe ermittelten aktuellen Prävalenzraten, die den Prozentanteil der Erkrankten in einer bestimmten Altersgruppe beschreiben. Diese Raten steigen mit dem Alter steil an. Während der Anteil in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen bei 1,6 Prozent liegt, steigt er bei den über 90-Jährigen auf 41 Prozent.

Demenz ist nicht heilbar. Durch Medikamente und Therapien kann die Krankheitsentwicklung allenfalls verlangsamt werden. Der Welt-Alzheimertag am 21. September steht dieses Jahr unter dem Motto "Demenz – zusammen leben".

juho/AFP/DPA / DPA

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