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Asthma und Schwangerschaft: Lieber sprayen als husten

Asthmaanfälle schaden dem Kind im Mutterleib - viel mehr als Asthma-Medikamente. Wenn die Medikamente gut eingestellt sind, ist das Risiko für eine Schwangerschaft mit Asthma kaum höher als für gesunde werdende Mütter.

Von Erich Lederer

Viele Asthmatikerinnen nehmen atemwegserweiternde Medikamente - und sollten dies auch in der Schwangerschaft tun

Viele Asthmatikerinnen nehmen atemwegserweiternde Medikamente - und sollten dies auch in der Schwangerschaft tun

Asthma bronchiale - Patienten mit dieser Allergie wissen, was sich hinter diesen zwei trockenen Worten verbirgt: Anfälle von Atemnot und Ringen nach Luft oder Husten mit zähem Schleim. Asthma und Schwangerschaft - viele werdende Mütter sind dabei hin- und hergerissen: Schaden die starken Medikamente meinem Baby? Sollte ich sie nicht besser absetzen und die Atemnot in Kauf nehmen? Immerhin beeinträchtigt Asthma rund acht Prozent aller Schwangerschaften.

Leichtes Asthma bessert sich, schweres führt zu mehr Attacken

Wie Mina Gaga von der Universität in Athen in einem zusammenfassenden Artikel in der Fachzeitschrift "Breathe" schreibt, hat die Schwangerschaft auch Einfluss auf die Krankheit. Dabei haben Asthmatikerinnen mit nur wenigen Asthmaanfällen im Monat gute Chancen auf eine Besserung ihrer Krankheit und auf einen komplikationsfreien Verlauf, wie Heinrich Worth, Vorsitzender von der deutschen Atemwegsliga, in seinen Empfehlungen betont. Voraussetzung sei aber, dass die die Asthmageplagte mit Medikamenten gut eingestellt ist.

Bei schwerem Asthma verschlechtert sich die Krankheit eher: Ohne rechtzeitige und angepasste Behandlung steigt das Risiko für Mutter und Kind stark an. Vorzeitige Wehen und Frühgeburt, ein geringeres Geburtsgewicht oder schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Präeklampsie) machen sie zu Risiko-Patientinnen. Sie müssen mit einem längeren Aufenthalt in der Klinik nach der Entbindung rechnen, wie verschiedene Untersuchungen beweisen.

Diese Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass das Risiko für Asthmatikerinnen nicht höher ist als das einer Schwangeren ohne Asthma, wenn sie entsprechend behandelt und überwacht werden. Daher sollten sich die Geplagten bei häufigen Asthmaanfällen, so Mina Gaga, nicht auf Ihren Hausarzt allein verlassen, sondern versuchen, ihren Gynäkologen zu einer Zusammenarbeit mit dem spezialisierten Lungenarzt zu bewegen.

Die Wechselwirkungen zwischen den der Entzündung der Atemwege und dem veränderten Stoffwechsel in der Schwangerschaft sind noch immer nicht genau bekannt. Vor allem die weiblichen Hormone sind dafür verantwortlich, dass die Krankheit ein paar Wochen oder Monate lang ein anderes Gesicht zeigt. So verstärkt das Schwangerschaftshormon Progesteron die Entzündungsreaktion des Körpers.

Aber auch das Immunsystem reagiert auf das fremde Gewebe in der Gebärmutter: Es aktiviert so genannte TH2-Zellen, die auch beim Angriff auf die Atemwege eine Hauptrolle spielen. Weibliche Föten lösen dabei anscheinend stärkere Attacken aus als ungeborene Söhne. Warum das so ist, darüber rätseln die Forscher jedoch noch.

Gleich aggressiv behandeln

Die Schwangerschaft wirkt sich nicht von Beginn an auf die Atemwegsbeschwerden aus. Erst gegen Ende der neun Monate häufen sich die Anfälle, die schnell und aggressiv behandelt werden sollten. Leider, so zeigen Studien aus dem Jahr 1999, werden schwangere Asthmatikerinnen in Notfallambulanzen nicht so konsequent behandelt wie Nichtschwangere, obwohl sich Dauer und Schwere der Attacke nicht unterscheiden. Die Folge: Das Risiko für einen erneuten Anfall nach zwei Wochen steigt um das Dreifache.

Die Plazenta der Mutter versorgt das Blut des Kindes während der Schwangerschaft mit Sauerstoff. Verkrampfen sich die Atemwege der Mutter bei einem Asthmaanfall, sinkt auch der Sauerstoffgehalt im mütterlichen Blut. Für das Kind bleibt somit noch weniger des lebensnotwendigen Gases übrig. Tierversuche haben gezeigt, dass bei einem Abfall der Sauerstoffsättigung von 98 auf rund 58 Prozent im Blut der Mutter der Sauerstoffgehalt für das Ungeborene von 62 auf rund 27 Prozent fällt - im schlimmsten Fall ist das zu wenig, um es am Leben zu erhalten.

Kortisonspray und rasch wirkende ß-Sypathomimetika wie Salbutamol, das beweisen Studien mit mehreren tausend Teilnehmerinnen, haben keinen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Um schon möglichst früh eine bestmögliche Einstellung der Medikamente zu finden, ist eine Überwachung des Asthmas enorm wichtig. Die Deutsche Atemwegsliga rät daher zu einem Lungenfunktionstest am Beginn der Schwangerschaft und in regelmäßigen Abständen im letzten Drittel. Eine Blutgasanalyse bestimmt die Sauerstoffsättigung. Mit ihr kann der Arzt rechtzeitig erkennen, wenn das Asthma die Sauerstoffversorgung zu sehr beeinträchtigt. Tägliche Peak-Flow-Messungen sind zuverlässige Anzeiger, wenn sich an der Krankheit etwas ändert.

Nicht rauchen und lange stillen

Nicht zuletzt kann die Mutter selber einiges dazu tun, um ihrem Kind die besten Chancen für ein gesundes Aufwachsen vom ersten Tag an zu geben. Asthma-Auslöser, wo immer es geht, vermeiden! Einer der wichtigsten Faktoren für eine Krankheitsverschlimmerung ist dabei das Nikotin. Daher: Hände weg von Zigaretten, zumindest in der Schwangerschaft und der Stillzeit.

Muttermilch reduziert das zehnprozentige Risiko eines Asthmatiker-Kindes, selbst zu einem Allergiker zu werden. Wie Mina Gaga in ihrem Fachartikel berichtet, sind auch in der Stillzeit alle inhalierten Medikamente, aber auch Kortisontabletten sicher. Wenn die Krankheit gut eingestellt ist, sind die Risiken für eine werdende Mutter mit Asthma kaum größer als für eine gesunde. Asthma ist kein Grund, sich die Mutterfreuden trüben zu lassen.

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