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Barfußlaufen: Schuhe aus!

Sexy High Heels. Verschwitzte Turnschuhe. Wir muten unseren Füßen einiges zu. Gönnen Sie ihnen eine Auszeit von den Schuhen - laufen Sie barfuß.

Von Angelika Unger

"Barfußlaufen ist sehr gesund", sagt der Orthopäde Daniel Frank, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk. Wer die Schuhe stehen lässt und sich mit bloßen Füßen auf den Weg macht, stärkt die Muskulatur in Zehen und Füßen. Die nämlich bildet sich zurück, wenn die Füße immer in engen Schuhen stecken - "die Zehen können sich nicht bewegen, und auch die Muskeln in der Fußsohle werden kaum gefordert", sagt Frank. Schlaffe Fußmuskeln wiederum können Fußdeformierungen wie Senkfüße verursachen.

Barfußlaufen kann auch andere Fußübel vermeiden helfen, erläutert Frank. "Ein Großteil der Deformierungen ist erworben: Wir tragen häufig zu enge Schuhe oder Schuhe mit Absätzen." Vor allem hochhackige Schuhe zwingen den Fuß in eine unnatürliche und ungesunde Haltung. Der Druck auf den Vorderfuß steigt, mögliche Folgen: verkürzte Wadenmuskeln und Spreizfüße. 80 Prozent der Frauen leiden unter einer solchen Fehlstellung, bei Neugeborenen hingegen, deren Füße nie in einen Schuh gezwängt wurden, ist sie so gut wie unbekannt. Lassen Sie also Ihre Kinder ruhig mal ohne Schuhe herumtoben - das hilft, die korrekte Fußstellung zu erhalten.

Massage für den Fuß

Und damit nicht genug der segensreichen Wirkungen des Barfußlaufens: Schon im 19. Jahrhundert empfahl Naturheil-Pionier Sebastian Kneipp barfüßiges Tautreten in kaltem, nassem Gras, um die Durchblutung anzuregen und den Körper abzuhärten. Dieser Rat ist auch heute noch gültig: "Der Temperaturunterschied, aber auch die Bewegung wirkt positiv auf die Gefäße ein", sagt Frank. Barfußlaufen auf steinigem und unebenem Untergrund wirke "wie eine Massage für den Fuß" - und Ausmassieren der Füße werde sogar manchmal zur Thrombose-Prophylaxe eingesetzt.

Nach der Philosophie der traditionellen chinesischen Medizin lassen sich über spezielle Druckpunkte an der Fußsohle sogar die inneren Organe stimulieren. Ein wissenschaftlicher Nachweis für die Theorie der Fußreflexzonenmassage fehlt allerdings.

Nicht ohne Tetanusschutz

Die Kehrseite beim Barfußlaufen: Bienen, Scherben, spitze Steine - ein Marsch ohne Schuhe kann schnell mit einer Verletzung enden. Wichtig ist daher eine Tetanusimpfung; bekennende Barfüßler sollten außerdem immer ein Pflaster in der Tasche haben - und Schuhe, für den Fall, dass der Untergrund überraschend fußfeindlich wird. Asphalt etwa kann sich in der Sonne so sehr aufheizen, dass sich beim Drüberlaufen Brandblasen an den Füßen bilden.

Unebene Untergründe fordern die Fußmuskeln ohnehin mehr als die Straße. "Den größten Trainingseffekt erzielen Sie auf Sand, da müssen Beine und Füße besonders viel Muskelarbeit leisten", rät Frank. Barfuß-Anfänger sollten die Straße am besten ganz meiden - ihre Fußsohle ist zu empfindlich. "Wenn man öfter barfuß geht, verdickt sich die Hornhautschicht und bildet einen Schutz für die Schuhsohle", sagt Frank. Dicke, schmerzhafte Schwielen müsse jedoch niemand fürchten - diese entstehen durch drückende Schuhe.

Auch Blasen und Hühneraugen sind keine Folgen des barfüßigen Laufens über Stock und Stein, sondern vielmehr enger, scheuernder Schuhe. Dem gefürchteten Fußpilz macht die frische Luft an den Zehen das Leben sogar schwerer; er mag es feucht und warm und liebt daher schweißige Socken und Schuhe.

Keine Auszeit für Diabetiker-Füße

Die einzigen, die ihre Schuhe lieber anbehalten sollten, sind Diabetiker. "Bei ihnen könnten Verletzungen am Fuß dramatische Folgen haben."

Weil die Krankheit die Nerven schädigt, sind die Füße weniger schmerzempfindlich: Oft bemerken Diabetiker es gar nicht, wenn sie sich am Fuß verletzen. Zudem führen die hohen Blutzuckerwerte dazu, dass Wunden schlechter heilen und sich häufiger entzünden. Insgesamt ist die Gefahr einer schweren Infektion am Fuß bei Diabetikern daher 20 bis 50 Mal höher als bei gesunden Menschen. Aufgrund eines so genannten diabetischen Fußes muss man jedes Jahr 30.000 Diabetikern in Deutschland den Fuß amputieren.

Dreck abwaschen, fertig

Alle gesunden Menschen können jedoch unbesorgt barfuß laufen, so viel sie wollen - die Befürchtung, die Füße könnten dadurch breit und platt werden, ist laut Frank "absoluter Unsinn".

Nach der Barfuß-Tour brauchen die Füße nicht einmal besondere Pflege, versichert Frank: "Waschen Sie einfach den Dreck ab und überprüfen Sie, ob Sie sich einen Splitter eingetreten haben." Wenn Sie Ihre Füße aber einmal richtig verwöhnen wollen, gönnen Sie ihnen ein Fußbad und anschließend eine Massage, bevor Sie sie wieder in die engen Schuhe zwängen. Schließlich tragen sie klaglos das Gewicht unseres Körpers - jedes Jahr rund eine Million Schritte weit.

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