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Cholesterin-Grenzwerte: Wie viel ist zu viel für mich?

Ein hoher Cholesterinspiegel schadet dem Herzen - das haben viele schon einmal gehört. Aber wie hoch dürfen die Werte für LDL, HDL und Triglyceride im einzelnen sein? Je nach Risikoprofil müssen Sie mehr oder weniger aufpassen.

Von Angelika Unger

Zu viel Cholesterin im Blut gilt als Risikofaktor Nummer 1 für Arterienverkalkung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ganz richtig ist das aber nicht, schränkt Professor Gerd Assmann ein, Direktor des Instituts für Arterioskleroseforschung der Universität Münster: "Wir sehen immer wieder Personen, die einen Cholesterinwert von unter 200 mg/dl hatten und trotzdem einen Herzinfarkt bekamen. Andererseits gibt es sehr viele Menschen, deren Cholesterinwerte über 250 mg/dl gemessen werden, die trotzdem nicht infarktgefährdet sind."

Aussagekräftig sei nämlich nicht der Gesamtcholesterinwert, sondern der Anteil an gefährlichem LDL-Cholesterin, erklärt Assmann. "Je höher das Risiko eines Menschen für einen Herzinfarkt bestimmt wird, desto niedriger sollte der LDL-Cholesterinwert eingestellt werden."

Das Gesamtrisiko entscheidet

Aber auch der LDL-Wert sollte laut Assmann nicht isoliert betrachtet werden: "Generell gilt, dass ein Cholesterinwert allein nicht aussagekräftig ist, ob ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht. Vielmehr muss das Gesamtrisiko eines Menschen bestimmt werden."

Hier hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle: "Aus unserer Procam-Studie wissen wir, dass Rauchen, die Zuckerkrankheit und eine familiäre Disposition neben LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeriden die größte Rolle spielen", sagt Assmann. Bei der Procam-Studie handelt es sich um eine der weltweit größten Studien zur koronaren Herzkrankheit.

Gefährlich werden kann es etwa auch, wenn das Herz wegen Übergewichts mehr pumpen muss oder wenn hoher Blutdruck die Gefäßwände schädigt.

Männer müssen mehr aufpassen

Mit jedem Risikofaktor steigt die Gefahr um ein Vielfaches. Deshalb sind die Cholesterin-Grenzwerte umso strenger, je mehr Risikofaktoren zutreffen.

Grundsätzlich gilt: Männer sind stärker gefährdet. Sie leiden fünfmal so oft an Arterienverkalkung und ihren Folgen wie Frauen. Und auch das Alter setzt den Blutgefäßen zu - ganz egal, wie gesund man lebt. Männer über 55 Jahre und Frauen über 65 Jahre haben deshalb ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die weiteren Risikofaktoren im Überblick:
* Bluthochdruck
* Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
* Rauchen
* Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
* starker Alkoholkonsum
* Bewegungsmangel
* Stress
* Übergewicht
* Verschiedene Medikamente, z. B. die Antibabypille
* Schilddrüsenerkrankungen

Alle fünf Jahre zur Kontrolle

Sie fühlen sich gesund und keiner oder nur einer der Risikofaktoren trifft auf Sie zu? Glückwunsch! Jedoch können sogar junge, normalgewichtige Nichtraucherinnen zu viel Cholesterin im Blut haben. Wer genau Bescheid wissen will, sollte zum Arzt gehen -schließlich tut ein erhöhter Cholesterinspiegel nicht weh. Eine Kontrolle alle fünf Jahre genügt. "Cholesterin, Triglyzeride, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin bleiben über Jahre hinaus konstant - es sei denn, es stellt sich eine Organkrankheit ein, z. B. eine Schilddrüsenunter- oder überfunktion", sagt Assmann.

Der Fünf-Jahres-Rhythmus gilt jedoch nur für gesunde Menschen: "Sofern jemand mit Medikamenten behandelt wird oder herzkrank ist, sind häufigere Bestimmungen unverzichtbar."

Das LDL muss runter

Für Gesunde hat die Deutsche Lipid-Liga folgende Grenzwerte veröffentlicht:

BlutfettMenge in mg/dlMenge in mmol/l
Gesamtcholesterinmax. 250 mg/dl = 6,5 mmol/l
LDLmax. 160 mg/dl = 4,2 mmol/l
HDLmin. 40 mg/dl= 1,0 mmol/l
Triglyceridemax. 200 mg/dl

Trifft mehr als einer der oben aufgeführten Risikofaktoren auf Sie zu, sollte Ihr LDL-Cholesterin nicht über 130 mg/dl (3,4 mmol/l) liegen. Dieser Wert gilt auch für alle Männer über 40 Jahre.

Sie haben schon einen Herzinfarkt hinter sich, leiden unter koronarer Herzkrankheit (KHK) oder einer anderen Gefäßerkrankung? Dann sind Sie besonders gefährdet und sollten beim Cholesterinspiegel strengere Maßstäbe anlegen. Die Deutsche Lipid-Liga empfiehlt, folgende Grenzwerte einzuhalten:

BlutfettMenge in mg/dlMenge in mmol/l
LDLmax. 100 mg/dl = 2,6 mmol/l
HDLmin. 40 mg/dl= 1,0 mmol/l
Triglyceridemax. 200 mg/dl

Besonders wichtig ist für diese so genannten Hoch-Risiko-Patienten, dass das LDL auf einen Wert unter 100 mg/dl (2,58 mmol/l) gesenkt wird. Hierbei rät Assmann, nicht allein auf sanfte Methoden zu vertrauen: "Wenn die LDL-Zielwerte durch Ernährungsumstellung und Sport nicht erreicht werden können, ist eine Behandlung mit Statinen sinnvoll."

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