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El Paso Corona-Leugner diskutiert hitzig mit Krankenschwester – am Ende muss er sich entschuldigen

Krankenschwestern vor einem Krankenhaus
Gesundheitspersonal vor einem US-Krankenhaus: In El Paso suchen die Behörden schon nach Aushilfskräften
© Rick Bowmer / Picture Alliance
In El Paso spitzt sich die Corona-Lage zu. Eine Krankenschwester aus der texanischen Stadt berichtet von einem emotionalen Gespräch mit einem Patienten. Der nahm Covid-19 zunächst nicht ernst – musste seine Meinung dann aber ändern.

Die Infektionszahlen sind im Herbst wieder sprunghaft angestiegen, die Intensivstationen in den Krankenhäusern füllen sich zunehmend, in einigen Ländern ist die Lage bereits dramatisch – und dennoch wollen einige Menschen die Bedrohung durch das Coronavirus nicht ernstnehmen. Manche sogar auch dann nicht, wenn sie schon selbst an Covid-19 erkrankt sind.

Von einem solchen Fall berichtet eine Krankenschwester aus den USA auf Twitter. Die Userin Ashley Bartholomew arbeitete nach eigenen Angaben für einige Zeit auf der Corona-Intensivstation in El Paso. In der texanischen Stadt ist die Situation im Moment besonders schlimm. Auf ihrem Account berichtet Bartholomew von einer Diskussion mit einem Patienten, der selbst an Covid-19 litt, die Krankheit aber nach wie vor verharmloste. Der Mann habe, während sie seinen Blutzuckerspiegel kontrollierte, im Fernsehen einen Bericht über die Corona-Lage im Land gesehen und ein Gespräch darüber mit ihr angefangen.

Covid-19-Patient hält Corona für "Fake News"

Die Berichterstattung in den Medien über das Virus hielt er für "Fake News", so Bartholomew. Der Patient habe zu ihr gesagt: "Ich glaube nicht, dass Covid-19 mehr ist als eine Grippe." Auch seine eigene Erfahrung mit der Krankheit habe seine Meinung darüber nicht geändert: "Ich sollte einfach ein paar Vitamine für mein Immunsystem nehmen. Die Medien machen daraus eine große Sache."

Normalerweise, schreibt Bartholomew, versuche sie sich in solchen Situationen nichts anmerken zu lassen von dem, was sie bei anderen Patienten erlebt und gesehen hat. Doch diesmal konnte die Krankenschwester nicht an sich halten – die Behauptungen des Corona-Leugners wollte sie so nicht stehen lassen. Deshalb berichtete sie ihm von dem, was sie täglich auf der Station erlebt.

 

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"Sie sind der einzige von 25 Patienten, der heute mit mir sprechen konnte oder überhaupt gemerkt hat, dass ich da war", sagte sie. Noch nie habe sie so viele Menschen gesehen, die so krank waren. "Ich sagte ihm, dass ich in den zehn Jahren, in denen ich als Krankenschwester arbeite, noch nie so viele Menschen habe sterben sehen wie in den vergangenen zwei Wochen", schreibt Bartholomew auf Twitter.

Dramatische Lage in El Paso

Ihre Worte machten offenbar Eindruck auf den Patienten. Der Mann habe sich bei ihr entschuldigt, berichtet Ashley Bartholomew in ihrem Thread auf Twitter. Wenig später habe er auf eine normale Station verlegt werden können. Zum Abschied hatten Krankenschwester und Patient noch einmal die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch. Darin habe sich der Mann bei ihr für die klaren Worte und für ihren Einsatz bedankt.

"Ich habe viele von den anderen gesehen, als sie mich aus der Intensivstation herausgebracht haben", habe er zum Abschluss gesagt. "Ich hatte Unrecht, es ist viel mehr als eine Grippe. Ich werde allen, die bestreiten, wie schlimm es ist, erzählen, was ich erlebt habe."

Für Ashley Bartholomew war diese Diskussion zumindest ein Teilerfolg – sie konnte einen Corona-Leugner überzeugen, der die Erkrankung glimpflich überstand. In El Paso spitzt sich die Corona-Lage dennoch immer weiter zu. Das Gesundheitspersonal ist überfordert, die Behörden suchen nach Aushilfskräften. Für den Transport der Corona-Toten in die Kühlwagen sind bereits Häftlinge engagiert worden, die Leichenhallen sind überfüllt. In der Stadt ist beinahe jeder zehnte Bewohner mit dem Coronavirus infiziert.

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Quelle: Ashley Bartholomew auf Twitter

epp

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