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Verlauf von Epidemien: Coronavirus: Diese Grafik zeigt, warum Schutzmaßnahmen so wichtig sind

Die Ausbreitung des Coronavirus lässt sich nicht mehr stoppen. Doch Schutzmaßnahmen wie Schulschließungen und Quarantäne sind nun wichtiger denn je, zeigt eine eindrucksvolle Grafik. Im Netz wird sie unter dem Hashtag #Flattenthecurve geteilt.

Zeit ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen das sich ausbreitende Coronavirus. Zeit hilft dabei, Impfstoffe zu entwickeln und mögliche Wirkstoffe zu testen. Das Tempo der Ausbreitung werde auch maßgeblich darüber entscheiden, wie gut das Gesundheitssystem mit der Anzahl an Erkrankten umgehen könne, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin erklärt. Wichtigstes Ziel sei es daher, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. In Deutschland sind nach Angabe des Robert Koch-Instituts (RKI) bislang 1300 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, drei Patienten starben.

Unter dem Hashtag #Flattenthecurve verbreitet sich aktuell eine Grafik im Netz, die vor Augen führt, wie wichtig Schutzmaßnahmen gegen eine ungebremste Ausbreitung des Erregers sind. Dabei handelt es sich um eine Hochrechnung, die den typischen Verlauf einer Epidemie nachzeichnet - eine Kurve bildet den Verlauf ohne Eindämmungsmaßnahmen ab, die andere den Verlauf mit entsprechenden Schutzmaßnahmen.

Zu den Eindämmungsmaßnahmen zählt alles, was dabei hilft, die Ausbreitung eines Erregers zu verlangsamen: behördliche Anordnungen wie Schulschließungen und Quarantäne etwa, aber auch Maßnahmen, die jeder einzelne für sich treffen kann. Darunter: regelmäßiges Händewaschen, in Armbeuge husten, unnötigen Körperkontakt vermeiden und Zuhause bleiben, sobald sich Krankheitssymptome einstellen.

Coronavirus - Schutzmaßnahmen sind wichtig

Ohne Eindämmungsmaßnahmen steigt die Zahl der täglichen Fälle schnell und steil an, wie die rote Kurve in der Grafik abbildet. Ein solcher Anstieg kann die Kapazität des Gesundheitssystems überlasten, die als Linie dargestellt ist. Die Kapazität des Gesundheitssystems setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen und ist von Land zu Land unterschiedlich: Die Anzahl der Ärzte und des Pflegepersonals zählt dazu, aber auch die Anzahl an Betten für eine intensivmedizinische Behandlung. 

In Deutschland gibt es nach Angabe des Bundesgesundheitsministeriums 28.000 Intensivbetten, davon 25.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Bezogen auf die Bevölkerung sei das "die beste Ausstattung in ganz Europa", betonte Spahn. Trotzdem könne es auch hierzulande zu Engpässen kommen, wenn zu viele Patienten gleichzeitig erkranken.

Hier kommen die Schutzmaßnahmen ins Spiel: Sie können eine explosionsartige Ausbreitung des Erregers verhindern und die Verlaufskurve strecken (blaue Kurve). Für Kliniken und Ärzte bedeutet das: Es erkranken nicht auf einen Schlag viele Menschen, sondern die Anzahl der Infektionen verteilt sich über einen längeren Zeitraum, bleibt moderat erhöht und ist dadurch besser zu bewältigen. Oft sinkt auch die Gesamtzahl der Angesteckten.

Jede Epidemie durchläuft drei Phasen

Epidemien verlaufen in der Regel in drei Phasen: In der ersten steigen die Fallzahlen, in der zweiten erreichen diese ihren Höhepunkt, um in der dritten Phase wieder abzunehmen. Derzeit befinden sich die meisten Länder außer China noch in Phase eins. "Je länger wir in der ersten Phase bleiben, desto besser können wir Phase zwei vorbereiten", sagt die Mikrobiologin Siouxsie Wiles von der Universität Auckland, die sich der Aktion #Flattenthecurve angeschlossen hat. Während der zweiten Phase sei es von entscheidender Bedeutung, die Zahl der täglich neuen Fälle auf ein Minimum zu reduzieren.

Mit einer kurzen Handwäsche erreicht man gar nicht alle wichtige Stellen.

Mit Blick auf die kommenden Wochen sagt Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig im aktuellen stern: "Jetzt erscheint es wichtig, die Verbreitung zu verlangsamen, denn die Hausärzte und Krankenhäuser sind durch die vielen Grippe- und Erkältungsfälle doppelt belastet, aber das wird bald vorbei sein. Dann ist der Zeitpunkt, diese Strategie zu ändern und uns auf die Menschen zu konzentrieren, die ein besonders hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Die müssen optimal geschützt und versorgt werden."

mit Agentur

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