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Coronavirus Leiter des Robert-Koch-Instituts: So gefährlich ist das Virus wirklich

Coronavirus: Mediziner aus Italien – "Früher oder später werden wir alle dieses Virus haben"
Alessio Ippolito, Zahnmediziner aus Turin, schildert, wie er die Situation im Land in Sachen Coronavirus wahrnimmt:


Unsere Regierung verbreitet die richtigen Informationen, ohne auf der einen Seite Panik zu kreieren oder das Ganze herunterzuspielen


Das Problem ist da. Wir haben einen Virus, den wir nicht kennen. Und wir wissen auch nicht, wie wir ihn konfrontieren können. Es existiert keine Impfung. Ist das Virus besonders gefährlich? Für die meisten Menschen wahrscheinlich nicht.


Meiner Ansicht nach haben viele uns das Virus schon in sich. Einfach deshalb, weil wir es am Anfang mit einer gewöhnlichen Grippe verwechselt haben. Aber das heißt nicht, dass wir das Problem nicht angehen müssen.
  
Ich bin mir sicher, genau wie viele Virologen, dass wir früher oder später alle dieses Virus haben werden. Aber an diesem Punkt werden wir schon über die notwendigen Antikörper verfügen, sodass wir es gut wegstecken werden.


Es macht keinen Sinn, in die Einkaufszentren zu gehen und die Läden zu plündern, die Pasta-Regale. Genau das sollten wir vermeiden. Wenn wir alle auf einem Haufen sind, ist eine Ansteckung naheliegend, fast schon selbstverständlich.


Ich habe die Anzahl meiner Visiten reduziert, ich helfe wirklich nur noch den Notfällen.


Meiner Meinung nach gibt es nicht nur in Italien Krankheitsfälle. Italien hat ein Gesundheitssystem, das allen offensteht. Die Notaufnahmen stehen jedermann offen. Wir müssen alle adäquat behandeln. Sowohl in Sachen Diagnostik als auch in Sachen Therapie. Deshalb ist es einfach, den Virus bei jemandem zu entdecken. In anderen Ländern, auf anderen Kontinenten ist es so: Wer keine Krankenversicherung hat, wer also selbst für seinen Arztbesuch bezahlen muss, lässt sich oft nicht behandeln. Abstriche kosten, Untersuchungen kosten. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass das Virus dort nicht entdeckt wird – auch wenn es da ist.
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Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neuartige Coronavirus laut Robert Koch-Institut tödlicher als die Grippe. Dies teilte der Leiter des Instituts auf einer Pressekonferenz mit.

Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), hat auf einer Pressekonferenz erklärt, wie gefährlich das Coronavirus wirklich ist: "Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist hoch. Darum müssen wir alles versuchen, es einzudämmen. Hinzu kommt die Krankheitsschwere: Mehr als 80 Prozent der Menschen bilden nur milde Symptome aus. Das ist eine gute Nachricht. Es gibt aber auch 15 Prozent, die schwer erkranken. Das ist viel. Nach den Zahlen, die wir bisher haben, muss man davon ausgehen, dass ein bis zwei Prozent der Infizierten sterben. Das ist eine schwere Krankheitsform. Deshalb macht es Sinn, die Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern. Vor allem, da es keinen Impfstoff gibt."

Wieler wies gleichzeitig darauf hin, dass die Bevölkerung dabei eine große Rolle spiele: Wer krank sei und Grippe-Symptome habe, solle unbedingt zuhause bleiben, um nicht weitere Menschen anzustecken. Darüber hinaus sei regelmäßige Händewaschen beziehungsweise das Benutzen von Desinfektionsgels wichtig.

Sterblichkeitsrate deutlich höher als bei Grippe

Wieler verglich das Coronavirus außerdem mit einer herkömmlichen Grippe: "Wir haben jedes Jahr zehntausende Tote durch die Grippe", die Sterblichkeitsrate bei der Grippe liege bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent. Bei der aktuellen Corona-Epidemie sei diese Rate im Moment "etwa fünf- bis zehnmal so hoch." Das könne sich aber jederzeit ändern, so Wieler. So sei sie zum Beispiel in China höher als außerhalb Chinas." Generell könne man aber gesichert sagen: "Die Raten der Verstorbenen sind aktuell beim Coronavirus höher als bei der Grippe."

Im Hinblick auf die Infektionsketten sagte Wieler, es werde alles getan, die Ausbreitung des Virus nachzuverfolgen. Damit könne die Ausbreitung verlangsamt werden. Als "Verdachtsfall" gelten laut Wieler Menschen, die in einem bestimmten Risikogebiet waren oder Kontakt hatten zu Menschen, die in Risikogebieten waren. Wer in einer Arztpraxis auf Grippe getestet wird, solle nach Empfehlung Wielers auch auf Corona getestet werden. Immer mehr Labore seien mittlerweile in der Lage, diese Tests gleichzeitig durchzuführen.


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