Gegen soziale Kälte Eisbaden für einen guten Zweck und aus Überzeugung

Eisbaden in der Elbe
Das Eisbaden in der Elbe hat Tradition in Hamburg (Archivbild) 
© Christian Charisius / dpa
Seit Jahren lädt Katharina Lohse zum gemeinsamen Eisbaden am Hamburger Elbstrand. Mit der Aktion sammelt sie Spenden für soziale Projekte und zeigt auch politisch Flagge.

Frau Lohse, am vergangenen Samstag riefen Sie und Ihre Mitstreiter von den "Eisbademeisters Hamburg" wieder zum Eisbaden an der Elbe in Hamburg auf. Wie viele Menschen kamen denn diesmal?
Genau 341 haben sich bei uns registriert. Das ist schon in etwa die Obergrenze von einer Aktion an einem Samstag. 

Wie eingefleischt ist die Gemeinschaft der Eisschwimmerinnen und Eisschwimmer?
Einige sind schon von Anfang an dabei, aber es kommen auch immer wieder viele neue Leute dazu. Manchmal erfahren auch Hamburgbesucher von der Aktion und kommen spontan, auch, weil die Kulisse mit den Schiffen und den Hafenkränen so besonders ist. 

Eisbaden Katharina Lohse im Wasser vor Hafenkränen
Lächelt, auch wenn's kalt ist: Katharina Lohse läuft im Sommer regelmäßig Marathon, im Winter organisiert sie Eisbaden in der Elbe 
© privat

Die Aktion ist zudem mit einem Charity-Projekt verbunden. Wie viele Euro kamen zusammen und welche Projekte werden damit unterstützt?
Wir haben diesmal für den Verein "Sozialfälle" gesammelt. Er kümmert sich um Tierarzt- und Futterkosten für die Tiere von Menschen, die auf der Straße leben oder anderweitig hilfsbedürftig sind. Zusammen mit unseren beiden Sponsoren, einem Kiosk und einem Restaurant, und den Spenden vor Ort kamen rund 2600 Euro zusammen. Das ist eine coole Summe. 

Wie gut lassen sich Sponsoren finden?
Manche sind schon Wiederholungstäter, das freut uns ganz besonders. Andere hören von der Aktion und melden sich dann bei uns. Aber wir sprechen auch Firmen an, die zu uns passen könnten. 

Wie kam es zu dem Projekt "Eisbademeisters"?
Wir sind jetzt im sechsten Jahr. Begonnen haben wir im Januar 2021, noch zu Corona-Zeiten. Eine Freundin hatte uns vom Eisbaden in Rostock und den "Eisbademeisters" dort erzählt. Dann haben wir überlegt, das können wir in Hamburg auch organisieren. Als Platz haben wir uns den Elbstrand in Övelgönne ausgesucht. Der war breit genug, sodass sich die Leute nicht zu nahekamen, und der Strand ist mit dem ÖPNV und Auto gut zu erreichen. Mittlerweile gibt es die "Eisbademeisters" auch in Flensburg, Wismar und Kiel.

Was verbindet Sie selbst mit dem Eisbaden?
Wenn ich nicht erkältet bin, gehen ich selbst immer mit ins Wasser. Und ab und zu gehe ich auch mit Freunden im Stadtpark baden. Seit vergangenem Winter besitze ich eine eigene Eistonne, die auf dem Balkon steht. Die benutze ich zum Beispiel zur Regeneration nach längeren Läufen. Aber auch nach einem anstrengenden Arbeitstag ist ein Eisbad wie ein Reset-Knopf, um weitere Aktivitäten zu beginnen. 

Wie aufwändig ist es, einen Eisbadetag zu organisieren? 
Die Polizei kommt manchmal vorbei, denn das Ganze ist eine offizielle Versammlung, die wir zuvor immer anmelden. Darüber hinaus engagieren wir die DLRG, um die Badenden vom Wasser aus im Blick zu behalten. Und wir appellieren, nur so weit ins Wasser zu gehen, wie man Boden unter den Füßen hat. Aber abgesehen von ein paar Kratzern an den Füßen ist bisher alles gutgegangen.  

Sie unterstützen nicht nur soziale Projekte, sondern engagieren sich mit dem "Eisbaden gegen rechts" auch politisch. Wie wichtig war Ihnen und Ihren Badegästen die Aktion?
Mit dem "Eisbaden gegen rechts" wollten wir zeigen, wo wir auch politisch stehen und wen wir bei unseren Veranstaltungen nicht dabeihaben wollen. Ich selbst bin in der Marathongruppe des FC St. Pauli und aus diesem Umfeld kamen viele Leute zu der Aktion dazu. Danach gab es zwar einen kleinen Shitstorm im Netz, aber der hat sich wieder gelegt. Und selbst wenn wir einige Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer verloren haben sollten, sind ein paar neue Fans hinzugekommen.

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