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Emissionen: Laserdrucker im Visier der Giftforscher

Vor allem beim Start blasen Laserdrucker Feinstaub, Ozon und flüchtige organische Verbindungen ins Büro. Wie gesundheitsschädlich sind diese Emissionen? Toxikologen sehen dringenden Forschungsbedarf.

Gefährlicher Arbeitsplatz? Studien sollen die Auswirkungen der Emissionen von Laserdruckern und Kopierern auf die Gesundheit untersuchen

Gefährlicher Arbeitsplatz? Studien sollen die Auswirkungen der Emissionen von Laserdruckern und Kopierern auf die Gesundheit untersuchen

Laserdrucker und Kopierer haben viele Vorteile: Sie bieten eine hohe Druckqualität und verursachen relativ geringe Kosten. Entsprechend weit verbreitet sind die Geräte, die den Toner-Farbstoff unter großer Hitze und Druck in das durchlaufende Papier schmelzen. Doch seit Jahren wird die Technologie mit dem Vorwurf konfrontiert, dass beim Betrieb gesundheitsschädliche Stoffe frei werden.

Der Streit über etwaige Risiken gleicht zuweilen einem Glaubenskrieg. Während die Hersteller vor Panikmache warnen und Risiken nur bei unsachgemäßem Gebrauch der Geräte sehen, spricht Achim Stelting von der Interessengemeinschaft Tonergeschädigter von einer systematischen Verharmlosung. "Gesundheitsschäden entstehen auch beim normalen Gebrauch", sagt der ehemalige Kriminalbeamte aus Hamburg, der nach eigenen Angaben 1995 wegen Toner-bedingter Asthmabeschwerden mit 43 Jahren pensioniert wurde.

Hinweise auf gesundheitliche Risiken gibt es

Erste Berichte über Gesundheitsschäden kamen vor etwa 15 Jahren auf. "Ich habe die Klagen anfangs nicht ernst genommen", sagt der Toxikologe Hermann Kruse von der Universität Kiel. "Das war ein Fehler. Ich habe das Problem in diesem Ausmaß nicht erkannt." Zwar betont Kruse, dass es nach wie vor keinen Nachweis für Gesundheitsschäden gebe, aber: "Wir haben starke Hinweise darauf, dass es Effekte gibt. Dem muss man nachgehen."

Diese Haltung teilte offenbar auch das Bundesamt für Risikobewertung. Die Behörde beauftragte den Toxikologen Volker Mersch-Sundermann vom Universitätsklinikum Gießen damit, einen Zusammenhang zu prüfen. Das Resultat der Pilotstudie, in der die Emissionen von Laserdruckern in Büroräumen gemessen wurden, zeigt auf, wie komplex die Sachlage ist.

Die Gießener Forscher ermittelten zunächst, ob und wie stark Laserdrucker drei gesundheitsgefährdende Stoffgruppen ausstoßen: Ozon, flüchtige organische Verbindungen (VOC) und Feinstaub. Resultat: Die gemessenen Werte in der Luft waren zwar generell moderat. Aber beim Start der Drucker schnellte die Konzentration der Feinstaubpartikel schlagartig um das Fünf- bis Zehnfache nach oben. "Da muss man schon die Frage stellen, was das für die Anwender bedeutet", sagt Mersch-Sundermann.

Atemprobleme und Müdigkeit

Gerade diese winzigen Nanoteilchen wurden in früheren Studien außer Acht gelassen und gerieten erst im Zuge der noch recht jungen Feinstaub-Diskussion ins Blickfeld. Wie die Messungen zeigten, hängt die Menge der Emissionen von vielen Faktoren ab: Von der Zusammensetzung des jeweiligen Toners und der Leistung der Geräte, vom Material des Gerätes und dessen Standort, vom Wartungszustand und sogar vom Typ des Papiers.

Zusätzlich untersuchten die Toxikologen auch Beschäftigte, die beim Umgang mit den Geräten über Beschwerden klagten, darunter Probleme der oberen Atemwege und der Schleimhäute oder Symptome wie ungewöhnliche Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Übermäßig ängstlich oder gar hysterisch waren diese Personen nicht, ihre Umweltwahrnehmung war völlig normal. Stattdessen stellten die Wissenschaftler bei vielen Betroffenen eine sehr empfindliche Lunge fest, eine so genannte unspezifische bronchiale Hyperreaktivität. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und den Druckeremissionen gab, konnte die kleine Studie aber nicht klären. "Wir stehen erst am Anfang der Risikobewertung einer neuen Technologie", sagt Mersch-Sundermann.

Letztlich, so vermutet der Toxikologe, ist nicht nur eine Substanz für die Wirkung der Emissionen verantwortlich, sondern das Zusammenspiel aus Feinstaub-Partikeln, flüchtige organische Verbindungen und anderen Stoffen. Der Kieler Kollege Kruse stimmt zu: "Es hängt vermutlich nicht von einem einzelnen Stoff ab, sondern von dem jeweilige Gemisch. Diese Synergismen sind bisher kaum erforscht."

Weitreichende Studien notwendig

Geboten sind also weitere Untersuchungen. Mersch-Sundermann hofft zum einen auf zellbiologische Laborstudien, die etwa die Wirkmechanismen der Stoffe auf Lungenzellen untersuchen. Zudem könnten sensible Menschen in geschlossenen Kammern Emissionen ausgesetzt werden, um deren Einfluss auf Lungenfunktion oder Entzündungsreaktionen zu prüfen. "Dann könnten wir in zwei Jahren wesentlich mehr wissen", sagt der Toxikologe.

Bis dahin ist der Verbraucher auf sich selbst gestellt. Das Gütezeichen des Blauen Engels gibt zwar Aufschluss darüber, ob ein Gerät gewisse Umweltanforderungen erfüllt, darunter auch geringe VOC-Emissionen. Aber die Feinstaub-Werte werden für das Qualitätssiegel bislang nicht berücksichtigt. Den Nutzen von Feinstaub-Filtern bezweifelt der Toxikologe. Denn die winzigen Teilchen entweichen nicht nur durch die Entlüftungsschlitze, sondern auch durch andere Öffnungen, etwa den Papierschacht.

Dagegen könne insbesondere ein guter Wartungszustand den Schadstoffausstoß eines Gerätes deutlich senken, sagt Mersch-Sundermann. Unbedingt ratsam ist zudem die allgemeine Empfehlung zum Umgang mit den Geräten: Viel benutzte Drucker und Kopierer sollten möglichst weit vom Arbeitsplatz entfernt stehen, am besten in einem eigenen belüfteten Raum.

Walter Willems/AP / AP

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