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Natürlich abführen Damit es besser flutscht: Wie wende ich Flohsamen richtig an?

Schon mal was vom Begriff "Ghost Poo" gehört? Auch bekannt als der "Ninja unter den großen Geschäften"? Nein? Er zeichnet sich dadurch aus, dass er beim Toilettengang ohne größere Anstrengung "geisterhaft" in die Schüssel gleitet. Und auf dem Klopapier quasi keine Spuren hinterlässt.



Doch wie kann es dazu kommen? Beginnen wir von vorne: Unser Verdaungssystem ist wie eine langer Schlauch, der sich in vielen Windungen durch unseren Körper zieht.
Nach dem Zerkauen beginnt das Zersetzen der Nahrung schon mit dem Speichel im Mund. In wellenförmigen Bewegungen macht sich der Speisebrei durch die Speiseröhre auf in Richtung Magen. Dieser ist ein großer, dehnbarer Muskel - in dem die Nahrung durch Säure und Magensäfte weiter zersetzt wird.



Im Dünndarm werden die Nährstoffe schließlich weiter getrennt - in Zucker, Proteine und Fette. Die Ballaststoffe, die nicht verdaut werden, wandern weiter in den Dickdarm. Dort werden noch Wasser und Mineralien entzogen - der Rest wird ausgeschieden.


Und jetzt erst fällt die Entscheidung: Im letzten Schritt sondern Schleimhäute – wer hätte das Gedacht – Schleim ab, der besonders an festerem Stuhl haften bleibt. Und so das Defäkieren erleichtert. Bis hin zum "Ghost Poo“. Geheimtipp von Darmspezialisten: Flohsamenschalen, die bei Verstopfung den Darm regulieren, indem sie den Gleitfilm fördern. Fertig – und schon sind Sie um ein illustres Thema für die nächste Cocktailparty reicher!
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Wenn die Verdauung stockt, können Flohsamen Abhilfe schaffen: Sie wirken wie ein natürliches Abführmittel. Bei der Anwendung gilt es aber einiges zu beachten.

Bei Flohsamen muss man nicht um den heißen Brei herumreden: Wer sie isst, tut das nicht aus Genuss, sondern um seine Verdauung anzuregen. Die braunen Körner gelten als Stuhlaufweicher und lindern Verstopfungen. Mit anderen Worten: Sie sorgen dafür, dass es wieder flutscht.  

Flohsamen sind die Samen einer Wegerich-Art, die vor allem in Indien und Pakistan angebaut wird. Ihre abführende Wirkung beruht auf einem simplen Mechanismus: Kommen die Körner mit Wasser in Kontakt, quellen die Ballaststoffe in der Schale auf und bilden eine Schleimschicht. Das hat zwei Effekte: Die aufgeplusterten Samen regen zum einen die Verdauung an. Die schleimigen Ballaststoffe sorgen außerdem dafür, dass der Darminhalt besser rutscht. Der Effekt wird durch das Öl in den Samen zusätzlich unterstützt.

Bringen die Verdauung wieder auf Trab: Flohsamen
Bringen die Verdauung wieder auf Trab: Flohsamen
© picture alliance/Arco Images

Flohsamen regen die Verdauung an

Außerdem gibt es Hinweise, dass Flohsamen - regelmäßig gegessen - den Cholesterinspiegel senken können.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Flohsamen bei chronischer Verstopfung, aber auch für gesunde Menschen, die ihre Verdauung anregen wollen. Generell sei es wichtig, auf eine ballaststoffreiche Ernährung zu setzen, heißt es seitens der Gesellschaft. Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag sollten es sein. Sie stecken vor allem in Vollkornprodukten, Naturreis, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen. Menschen, die oft unter Verstopfung leiden, sollten außerdem darauf achten, ausreichend zu trinken. Als gesundes Maß gelten 1,5 Liter über den Tag verteilt. Wasser und verdünnte Schorlen sind die besten Durstlöscher. 

Obwohl Flohsamen praktisch überall zu kaufen sind, sollten sie nicht leichtfertig eingenommen werden. Wer sie falsch dosiert oder mit zu wenig Flüssigkeit einnimmt, kann das zu spüren bekommen: Blähungen und Bauschmerzen können die Folge sein. Außerdem sollten die Beschwerden wie eine Verstopfung zunächst mit einem Arzt besprochen werden. Er kann untersuchen, ob womöglich eine Erkrankung dahinter steckt. Bei bestimmten Krankheiten des Enddarms sollte auf die Einnahme von Ballaststoffen, wie sie auch in Flohsamen vorkommen, verzichtet werden.

Flohsamen zu Mahlzeiten einnehmen

Wie gut Flohsamen wirken, hängt vom Zeitpunkt der Einnahme ab: Den besten Effekt erzielen die Körner, wenn sie zusammen mit anderen Lebensmitteln eingenommen werden. "Flohsamen und generell ballaststoffreiche Lebensmittel sollten immer in eine Mahlzeit eingebaut werden", schreibt die Ernährungsexpertin Antje Gahl von der DGE. So soll außerdem ein weiterer Nebeneffekt der Körner verhindert werden - sie hemmen die Aufnahme von Mineralstoffen. Das sei "vor allem in isolierter Form" der Fall.

Abstand zu Medikamenten halten

Ähnlich wie bei Mineralstoffen können die Samen auch die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen. Sie sollten daher nicht zusammen mit Tabletten eingenommen werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt, rund eine Stunde Abstand zwischen der Einnahme von Flohsamen und der von Arzneien zu halten.

Richtig dosieren

Als ideale Dosis zur Bekämpfung von Verstopfungen gelten 25 bis 40 Gramm Flohsamen am Tag. Diese Menge sollte in drei Dosen über den Tag verteilt aufgenommen werden.

Ausreichend trinken

Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt, pro Gramm aufgenommener Samen rund 30 Milliliter Flüssigkeit zu trinken. Dies kann Wasser, Milch oder Fruchtschorle sein. Die Flüssigkeit bewirkt, dass die Ballaststoffe gut quellen können.

Für wen eignen sich Flohsamen nicht?

Allergiker und Menschen mit Neurodermitis sollten die Einnahme mit ihrem Arzt besprechen, weil Flohsamen zu allergischen Reaktionen führen können. Flohsamen sind zudem nicht für Kinder unter sechs Jahren oder Diabetiker geeignet. Treten Beschwerden wie Bauchschmerzen auf, sollte die Behandlung sofort abgebrochen werden.


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