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Fehldiagnosen und Behandlungsmängel: Gutachter registrieren mehr Ärztefehler

In Deutschland haben Gutachterstellen der Mediziner 2011 einen Anstieg tödlicher Behandlungsfehler registriert. 99 Menschen starben. Auch die Zahl der Fehler und Beschwerden hat zugenommen. Experten rechnen mit einer extrem hohen Dunkelziffer.

Gutachter der Ärzteschaft haben im vergangenen Jahr eine zunehmende Zahl von Medizinerfehlern festgestellt. In 2287 Fällen kamen die ärztlichen Stellen zum Ergebnis, dass Behandlungen, Diagnosen oder die Patientenaufklärung fehlerhaft oder unzulänglich waren, wie eine am Dienstag in Berlin veröffentlichte Statistik zeigt. Im Vorjahr waren es 2199 Fälle. 99 Menschen starben nun an den Fehlern. 2010 waren es 87. Insgesamt gab es etwas mehr Entscheidungen der ärztlichen Gutachterstellen: 7452 nach 7355 im Vorjahr. Es beschwerten sich auch mehr Patienten: 11.107 nach 11.016 im Jahr davor.

Am häufigsten werfen Patienten ihren Ärzten vor, bei Operationen geschludert zu haben. 3808 Beschwerden dieser Art erreichten die Gutachter 2011. Nach der Häufigkeit folgen dann Anträge wegen mutmaßlicher Fehler nach der Operation und bei Diagnosen.

Unklar war zunächst, ob der Anstieg auch mit einer besseren Information der Patienten über ihre Beschwerdemöglichkeiten zusammenhängt.

Dunkelziffer soll hoch sein

Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen stellen jedes Jahr vor, wo es in den vergangenen zwölf Monaten zu Fehlern kam und wie häufig Patienten die Streitschlichtung der Mediziner in Anspruch nahmen. Betroffene können langwierige Auseinandersetzungen vor Gericht vermeiden, wenn sie sich an diese außergerichtlichen Stellen wenden.

Auch andere Instanzen verfolgen medizinische Fehler. Adressaten sind dann Gerichte, Krankenkassen und Haftpflichtversicherer. Schätzungen gehen von insgesamt jährlich rund 40.000 Beanstandungen aus. Und Experten sind sich sicher, dass die beanstandeten Fehler nur die Spitze eines Eisbergs sind.

Neues Gesetz soll Beweislast für Fehler dem Arzt zuschreiben

Die Bundesregierung will die Rechte der Patienten derzeit in einem eigenen Gesetz stärken. Im Mai beschloss das Bundeskabinett dazu das Patientenrechtegesetz. In gravierenden Fällen soll künftig der Arzt beweisen müssen, dass ein Schaden nicht von einem Fehler herrührt.

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DPA/lin/DPA
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