Gedächtnis Hoffen auf die Wunderpille


Die Pharmaindustrie sucht nach Wirkstoffen, die das Gedächtnis verbessern - bislang mit mäßigem Erfolg.

Fortsätze einer Nervenzelle (rötlich) nähern sich einer Nachbarzelle (gelb). Mit Pillen wollen Forscher solche gedächtnisstärkenden Kontakte fördern äre das nicht wunderbar? Sie schlucken eine bunte Pille, warten eine Stunde, nehmen sich dann die ersten fünf oder zehn Lektionen eines Chinesisch-Sprachkurses vor und beherrschen kurz darauf alles, als wären Sie in Peking groß geworden.

Vergessen Sie's.

Auch wenn im Internet schon vollmundige Versprechungen gemacht und Wunderdrogen angeboten werden, ist die Forschung von der Erfüllung solcher Träume noch meilenweit entfernt. Geforscht aber wird. Denn nicht nur eine immer größer werdende Zahl alter Menschen, deren Gedächtnis mit den Jahren nachlässt, wünscht sich verständlicherweise Hilfe von der Pharmazie. Auch leistungsstarke Zeitgenossen jüngeren und mittleren Alters hätten gegen ein bisschen Brain-Doping nichts einzuwenden. Ein lukrativer Markt lockt also und motiviert die Entwicklungsabteilungen der Medikamentenindustrie. Das in den vergangenen Jahren erheblich klarer gewordene Verständnis der Gedächtnisprozesse in unseren Köpfen liefert die chemischen Ansatzpunkte für künftige Memory-Pillen.

So genannte Ampakine etwa sollen dem Gehirn als Dünger für das Wachstum von Synapsen helfen, den Kontaktstellen der Nervenzellen. So könnte das Langzeitgedächtnis Informationen schneller speichern als im naturbelassenen oder gar von Krankheit geschwächten Zustand. Auf die Stabilisierung schon vorhandener Synapsen zielt ein zweiter Versuch, das Gedächtnis künftig zu stärken. Mal werden dabei bekannte schädigende Substanzen abgefangen, mal neue Moleküle in den Gedächtnisprozess eingefügt, die bestehende Nervenzellverbindungen kräftigen und sensibler machen sollen. Erste klinische Studien sind zum Teil schon angelaufen, bahnbrechende Erfolge aber noch nicht zu vermelden.

Und dann ist da noch das "alternative" Angebot aus der Natur: Ob Ginkgo biloba, die auch von Elefanten mit ihrem sprichwörtlich guten Gedächtnis geschätzten Gotu-Kola-Blätter oder DMAE (Dimethylaminoäthanol), eine Substanz, die besonders in Sardinen reichlich vorkommt - all diesen Schätzen aus Wald und Meer wird nachgesagt, dass sie die Gedächtnisleistung steigern. Doch fehlen bislang ausreichende klinische Studien, die solche Wirkungen auch zweifelsfrei bestätigen könnten.

Beinahe alle Firmen, die an Gedächtnispillen forschen, geben an, sie hätten noch etliche vielversprechende Geheimrezepte in der Erprobung. Vielleicht ist das so, vielleicht soll das auch nur die Konkurrenz erzittern lassen. In jedem Fall werden vermutlich noch Jahrzehnte vergehen, bis Substanzen aus den Labors nicht nur halbwegs sicher sind, sondern dann auch das tun, was sich Entwickler und künftige Konsumenten von ihnen erhoffen. Angesichts der derzeit noch mageren Bilanz bei Alzheimer-Medikamenten dürfte es vernünftig sein, den Kopf vorerst durch eigenen Einsatz fit zu halten.

Selbst Kranken kann regelmäßiges Training helfen, den Verschleiß der Neuronennetze zu verzögern. Das ist in Studien nachgewiesen. Schon ein Kreuzworträtsel ab und zu lässt die Synapsen feuern und stärkt auch das Gedächtnis. Und Gesunden hilft das mentale Trimmen allemal. Gefährliche Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Kostenlos ist es auch.

Frank Ochmann print

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