Gesichtstransplantation Neue Gesichter für zwei schwer Entstellte


Noch vor wenigen Jahren erschien eine Gesichtstransplantation unmöglich. Nun berichten gleich zwei Ärzteteams in Fachmagazin Lancet, dass sie Patienten ein neues Gesicht gegeben haben. Doch die Eingriffe sind mit massiven Nebenwirkungen verbunden.

Chinesische Ärzte haben einem 30-jährigen Patienten ein neues Gesicht gegeben - nach dem Angriff eines Bären war es massiv zerstört. Zwei Jahre nach dem Eingriff bezeichnen sie die Transplantation im Fachmagazin "The Lancet" als insgesamt erfolgreich. Das Team um Huiyuan Li vom Institut für Plastische Chirurgie des Xijing-Krankenhauses übertrug dem Mann 2006 in einer 18-stündigen Operation Wange, Nase und Teile der Lippen eines Gestorbenen. Herkömmliche Eingriffe wie die Übertragung von Eigenhaut aus anderen Körperregionen hatten ihm nicht geholfen, seine Gesichtswunden verheilten nicht. Der Mann hatte zwei Jahre vor der Transplantation den Angriff eines Bären mit schwersten Verletzungen im Gesicht überlebt.

In derselben Ausgabe des Journals berichtet ein französisches Medizinerteam unter Leitung von Laurent Lantieri von der Université Paris von einer ähnlichen Operation mit gutem Ausgang. Der Patient hatte an einer genetisch bedingten Tumorerkrankung, genannt Neurofibromatose Typ 1, gelitten. Durch die Wucherungen des Tumors war das Gesicht des 29-Jährigen völlig entstellt, die rechte und Teile der linken Gesichtshälfte waren gelähmt. 13 Monate nach der Transplantation hat er laut dem Bericht der Ärzte wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufgenommen.

Risikoreicher Eingriff

Beide Teams sind sicher: Eine Gesichtstransplantation kann Menschen mit schwersten und entstellenden Gesichtsverletzungen die Rückkehr in ein halbwegs normales Leben ermöglichen. Allerdings bleibe die Übertragung von Teilen des Gesichts eines Toten ein risikoreicher Eingriff. Komplikationen und teils schwere Nebenwirkungen seien kaum zu vermeiden und die Spätfolgen für die Patienten bisher nicht absehbar. Abstoßungsreaktionen des Immunsystems unterdrückten die Medizinerteams durch die vorsorgliche Gabe von immunsuppressiven Medikamenten. Dennoch kam es bei beiden Patienten in den ersten Monaten nach der Operation zu Abstoßungsreaktionen. Diese seien aber mit Hilfe anderer Medikamente unter Kontrolle gebracht worden, berichten die Mediziner.

Weitere Medikamente hätten die Patienten bekommen, um bakterielle Infektionen zu verhindern. Auch diese können zu einer Zerstörung des Transplantats führen. Leber und Niere der Patienten hätten die hohen Dosen an Medikamenten insgesamt gut vertragen, so die Mediziner weiter. Allerdings habe der chinesische Patient wahrscheinlich infolge der Behandlung Diabetes entwickelt.

Trotz der aufgetretenen Komplikationen sind die Patienten laut den Berichten mit dem Ergebnis der Operationen sehr zufrieden. Denn der Eingriff ermöglicht ihnen, sich wieder in ein normales soziales Umfeld einzugliedern. Aus medizinischer Sicht sei noch eine lange Nachbeobachtung nötig, um die Langzeitfolgen der Gesichtstransplantation, vor allem die Auswirkungen auf die Lebenserwartung, besser beurteilen zu können, geben die Mediziner jedoch zu Bedenken.

Weltweit sind bisher erst wenige solcher Operationen erfolgt. Um die vielen technischen, medizinischen und psychologischen Fragen zu beantworten, die im Zusammenhang mit den Gesichtstransplantationen noch offen sind, müssten Operateure, Immunologen und Psychologen eng miteinander kooperieren, kommentieren auch Jean-Michel Dubernard und Bernard Devauchelle die Ergebnisse ihrer Kollegen. Sie gehörten zu dem Team, das im Jahr 2005 der Französin Isabelle Dinoire weltweit erstmals Teile des Gesichts transplantierte und damit für großes Aufsehen sorgte. Gesichtstransplantationen sind vor allem deshalb umstritten, weil sie medizinisch nicht zwingend notwendig sind, um das Leben der Patienten zu retten. Außerdem repräsentiert das Gesicht wie kein anderer Körperteil die Persönlichkeit eines Menschen.

DPA DPA

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