Gesundheits-Report WHO fordert weltweite Verbote von E-Zigaretten


Vielen gilt sie als die gesündere Alternative zur Zigarette. Nun rät die Weltgesundheitsorganisation Werbung, den Verkauf an Minderjährige und das Rauchen in öffentlichen Räumen zu verbieten.

Bei E-Zigaretten scheiden sich die Geister: Die einen preisen sie als die gesündere und vor allem geruchlose Alternative, die Rauchern sogar das Aufhören erleichtern könne. Die anderen verteufeln sie, weil die vermeintlich harmlosen, oftmals süßlich schmeckenden Zigaretten Jugendliche verführten, schon früh mit dem Rauchen anzufangen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt eindeutig zu den Gegnern des elektrischen Glimmstengels: Sie rät nun von der E-Zigarette dringend ab. Zwar seien E-Zigaretten nicht so ungesund wie herkömmlicher Zigarettenrauch. Doch keineswegs werde dabei nur Wasserdampf erzeugt, wie es in der Werbung häufig fälschlich heiße. Die UN-Organisation wertet sie daher als Gefahr für Jugendliche und empfiehlt allen Staaten in einem am Dienstag veröffentlichten Report, den Verkauf an Minderjährige künftig zu verbieten.

Außerdem fordert die WHO, den Konsum von E-Zigaretten ebenso wie von herkömmlichen Tabakwaren bis auf weiteres in öffentlichen Räumlichkeiten zu verbieten, sowie die Werbung für derlei Produkte stark zu reduzieren.

Entwöhnende Wirkung nicht nachgewiesen

Die gesundheitlichen Folgen der Inhalation von aromatisierten Tabakersatzstoffen seien viel zu wenig erforscht und potenziell gefährlich für ungeborene Kinder ebenso wie für Heranwachsende, warnt die UN-Organisation in ihrer Studie. Deshalb könnten auch Babys im Mutterleib gefährdet werden. Zudem würden Dritte Nikotin und anderen Schadstoffen ausgesetzt. Die mit Frucht-, Süßigkeiten- oder Alkohol-Aromen angereicherten batteriebetriebenen Metallröhrchen sollten verboten werden, solange nicht bewiesen sei, dass sie nicht für Kinder und Jugendliche besonders attraktiv sind. Der Report und seine Empfehlungen sollen auf einem WHO-Fachkongress vom 13. bis 18. Oktober in Moskau erörtert werden.

Elektrische Zigaretten werden immer beliebter. Sie dürfen an manchen Orten noch geraucht werden, wo herkömmliches Rauchen längst verboten ist. Für das Argument, E-Zigaretten würden Rauchern den Ausstieg erleichtern, gebe es bislang aber keine hinreichenden Belege. Im Gegenteil: Manche Forscher gehen davon aus, dass die elektrischen Zigaretten den Einstieg ins Rauchen erleichtern. WHO-Experten verdächtigen die Tabakindustrie, sich neue Profitquellen erschließen zu wollen. Weil Behörden verstärkt gegen Nikotinsucht vorgehen und Verbraucher gesundheitsbewusster werden, stehen viele große Tabak-Konzerne unter Druck und setzen auf das neue Angebot. Seit 2005 ein chinesischer Hersteller E-Zigaretten lancierte, sei das Geschäft damit auf einen Weltumsatz von rund drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) mit mehr als 460 verschiedenen Marken und Tausenden Aromen angewachsen, erklärt die WHO.

In Deutschland haben sich bereits die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und Bundesernährungsminister Christian Schmidt (beide CSU) dafür ausgesprochen, E-Zigaretten für Kinder und Jugendliche zu untersagen. Mortler kritisierte, die Tabakbranche nutze E-Zigaretten auch als eine "Einstiegshilfe" zum Rauchen.

mh/DPA/Reuters DPA Reuters

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