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HNO-Studie Forschern gelingt erstmals wissenschaftliche Erklärung, warum wir im Winter häufiger erkranken

Ein Kind mit einer Erkältung
Eigentlich habe unser Immunsystem das Talent, auf die allermeisten Erkältungs-Gefahren gleichbleibend zu reagieren. Nun aber gelang es erstmals zu zeigen, dass dies bei kälteren Temperaturen nicht immer stimmt.
© Filadendron / Getty Images
"Zieh dich warm an, sonst holst Du dir den Tod", haben uns etliche unsere Vorfahren gepredigt. So ganz falsch lagen sie damit nicht, wie neue Forschungsergebnisse aus den USA nahelegen.

US-amerikanische Wissenschaftler haben möglicherweise den biologischen Grund gefunden, warum wir im Winter mehr Atemwegserkrankungen bekommen als zu anderen Jahreszeiten. Es zeigte sich, dass es an der kalten Luft selbst liege. Sie beeinträchtige die Abwehrfähigkeiten unseres Körpers.

Eine Senkung der Temperatur in der Nase um nur fünf Grad Celsius tötet fast 50 Prozent der Viren und Bakterien bekämpfenden Zellen in unseren Nasenlöchern ab, wie die im "Journal of Allergy and Clinical Immunology" ("JACI") veröffentlichte Studie zusammenfasst.

Unsere Nase erkennt Erkältungen meist zu allererst

Ein Virus oder Bakterium dringt üblicherweise durch die Nase in den Körper ein. Die Nasenspitze erkennt dann den Keim sofort, lange bevor er durch die Nase selbst – also quasi durch den Hauptteil unseres Riechorgans – erkannt wird, so eines der Forschungsergebnisse.

An diesem Punkt beginnen nun die permanent in der Nase vorhandenen Abwehrzellen damit, Milliarden Kopien von sich selbst zu erstellen. Diese werden extrazelluläre Vesikel oder kurz EV genannt. "EV können sich nicht wie sonstige Zellen teilen, sie verhalten sich jedoch wie kleine Mini-Versionen von Zellen, die speziell dafür entwickelt wurden, Viren zu töten", erklärt Dr. Benjamin Bleier, Direktor der HNO-Abteilung am "Massachusetts Eye and Ear"-Institut. "EV fungieren als Köder. Wenn man also einen Virus einatmet, bleibt dieser Virus an diesen Ködern haften, anstatt in der Körper vorzudringen."

Wenn sie angegriffen wird, erhöht die Nase die EV-Produktion um etwa 160 Prozent, so die Studie und ist daher – unter Durchschnittstemperaturen – gut gewappnet für gängige Viren und Bakterien. Fallen die Temperaturen jedoch auf knapp über den Gefrierpunkt, sieht es schon anders aus.

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Um dies zu simulieren, setzte das Forschungsteam vier Studienteilnehmer 15 Minuten lang Temperaturen von circa viereinhalb Grad Celsius aus und beobachtete deren Nasenhöhlen. "Wir haben herausgefunden, dass die Temperatur in der gesamten Nase um bis zu fünf Grad Celsius fallen kann, wenn man kalter Luft ausgesetzt ist." Dies reiche aus, um die Immunvorteile der Nasenspitze auszuschalten, erklärt Bleier. 42 Prozent der EV gingen bei dieser Kälte verloren.

Ergebnisse können zu neuen Medikamenten führen

Eigentlich habe unser Immunsystem das Talent, auf die allermeisten Gefahren und Viren gleichbleibend effektiv zu reagieren. Nun aber sei es erstmals gelungen, zu zeigen, dass dieses Talent bei kälteren Temperaturen eingeschränkt zu sein scheint, sagte die HNO-Spezialistin Prof. Dr. Zara Patel von der Medizinischen Fakultät der Universität Stanford im Gespräch mit CNN zu den Forschungsergebnissen.

Für die Zukunft erwartet Bleier die Entwicklung von Medikamenten, die auf dieser Entdeckung aufbauen. Diese neuen Arzneimittel werden "die Nase im Wesentlichen dazu bringen, zu glauben, sie habe gerade ein Virus entdeckt“, so Bleier. Die jeweilige Umgebungstemperatur der zu behandelnden Personen würde dann nur noch eine untergeordnete Rolle für den Behandlungserfolg spielen.

Quellen:  "JACI", CNN

km

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