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Farbpigmente in Tätowierungen: Tattoos gefährlicher als gedacht

Viele Tätowierfarben enthalten krebserregende Substanzen und Farbpigmente für Autolacke und Reifen. Aber auch das Entfernen einer Tätowierung birgt Risiken für die Gesundheit.

Von Martina Janning

Forscher finden krebserregende Stoffe in schwarzen Tattoofarben

Forscher finden krebserregende Stoffe in schwarzen Tattoofarben

Schauspielerin Scarlett Johanssen hat sich einen Sonnenuntergang auf den Arm tätowieren lassen, Hochspringerin Ariane Friedrichs trägt einen springenden Tiger auf dem Rücken. Tattoos sind in. In Deutschland lässt sich fast jeder Vierte zwischen 14 und 34 Jahren tätowieren. Die möglichen Folgen für die Gesundheit sind dabei kaum ein Thema.

Doch die Haut kann nicht nur direkt nach dem Tätowieren mit einer Infektion, Entzündung oder Allergie reagieren. Welche Auswirkungen die Tattoofarben langfristig auf den Körper haben, ist kaum untersucht. Wissenschaftler vermuten, dass die Farbpigmente sich unter der Haut spalten, und der Körper Partikel in andere Organe transportiert. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden bei tätowierten Menschen Farbpigmente in den Lymphknoten nachgewiesen. Das ist alarmierend – denn viele Tattoofarben enthalten gesundheitsschädliche Stoffe.

Ein Schwarz, das Krebs erzeugen kann

So befinden sich in schwarzen Tätowierfarben oft krebserregende Substanzen, stellte die sächsische Landesuntersuchungsanstalt (LUA) für das Gesundheits- und Veterinärwesen im vergangenen Jahr fest. In acht von 13 Proben fanden die Prüfer bedenkliche Mengen von sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK genannt. Dazu gehören über 100 Substanzen. Sie entstehen zum Beispiel beim Braten und Grillen von Fleisch und kommen auch in Tabakrauch vor. Acht PAK gelten als krebserzeugend. Einige davon wies die LUA in den untersuchten schwarzen Tattoofarben nach.

In den 13 überprüften bunten Tätowierfarben entdeckte die LUA nur Spuren von gesundheitsschädlichen Stoffen. Jedoch kamen die baden-württembergischen Untersuchungsämter im Jahr 2010 zu einem ganz anderen Ergebnis. Bei der Analyse von 38 bunten Tätowierfarben wiesen sie in einem Drittel verbotene Substanzen nach. Fast ein Fünftel der geprüften Proben enthielt gesundheitsschädliche Stoffe, darunter häufig sogenannte Amine, die Krebs erregen können.

Autolack unter die Haut gespritzt

In vielen Tätowiermittel stecken Farbstoffe, die eigentlich für einen ganz anderen Zweck gedacht sind. Bei Schwarz handelt es sich zum Beispiel oft um Ruß, der sonst Autoreifen und Druckertinte einfärbt. Gelb, Orange und Rot enthalten Farbpigmente, die normalerweise in Autolacken und Kunststoffen zum Einsatz kommen. Hersteller schätzen diese Pigmente wegen ihrer Lichtechtheit und ihrer Leuchtkraft. Letztere ist jedoch nicht von Dauer. Tattoos verblassen mit der Zeit. Doch was mit den Farbpigmenten geschieht, ist unklar. Bekannt ist nur, dass die Stoffe nicht dort bleiben, wo der Tätowierer sie in die Haut gespritzt hat. Bei Mäusen, die Forscher am Rücken mit schwarzer Farbe tätowierten, nahm die Pigmentkonzentration nach sechs Wochen um rund dreißig Prozent ab. Wohin der Körper die Stoffe transportierte, konnten die Wissenschaftler nicht nachvollziehen.

Um Verbraucher besser vor den gesundheitlichen Gefahren von Tattoos zu schützen, drängt der Bundesrat derzeit auf strengere Richtlinien für Tätowiermittel. Die Bundesregierung soll die seit 2009 geltende Verordnung verschärfen und eine Positivliste schaffen für erlaubte und gesundheitlich unbedenkliche Inhaltsstoffe von Tätowierfarben. Hersteller müssten dann die Sicherheit ihres Produkts belegen und Tätowierer dürften nur geprüfte Farben benutzen. Für Kosmetika gibt es seit einigen Jahren eine solche Positivliste. Deshalb ist jeder Lidschatten in Deutschland stärker kontrolliert als Tattoofarben.

Narben durch flüssige Tattooentferner

Risiken für die Gesundheit ergeben sich aber auch beim Entfernen von Tätowierungen. Wer den Namen seiner Exfreundin oder ein aus der Mode gekommenes sogenanntes Geweih über dem Steißbein wieder loswerden will, kann dies neuerdings mit flüssigen Tattooentfernern erledigen lassen. Sie werden ebenso wie Tätowierfarben unter die Haut gespritzt. Ihre Wirkung beruht in der Regel auf 40-prozentiger Milchsäure. Doch diese kann die Haut extrem reizen. Das BfR berichtet von Fällen, bei denen sich die Haut durch flüssige Tattoentferner schwer entzündete und Narben zurückblieben.

Meistens werden Tattoos derzeit mit Laserstrahlen entfernt. Dabei spalten die kurzen Impulse des Lasers die Farbpigmente unter der Haut auf. Welche chemischen Verbindungen bei der Behandlung entstehen und ob von ihnen Gefahren für die Gesundheit ausgehen können, ist dem BfR zufolge noch nicht geklärt.

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