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Heuschnupfen: Schniefend durch den Schnee

An Heuschnupfen denkt bei den eisigen Temperaturen wohl kaum jemand. Aber sobald es nur ein paar Grad wärmer wird, lassen die ersten Frühblüher die Pollen fliegen - übrigens jedes Jahr früher.

Wenn mitten im Winter die Nase trieft, ist die Selbstdiagnose schnell gestellt. Erkältung! Dass auch Heuschnupfen die Ursache für die Beschwerden sein kann, damit rechnen jetzt, im Januar, wohl die wenigsten. Dabei können bereits Mitte Januar die ersten Haselpollen fliegen.

Momentan ist es für die Pollen natürlich zu kalt. "Aber schon ein paar wenige wärmere Tage bringen einen Kick für die Haselsträucher und sie fangen an zu blühen. Bereits Temperaturen von acht bis zehn Grad genügen", sagt der Allergologe Prof. Thomas Fuchs von der Universität Göttingen. Nur wenig später als der Haselstrauch beginnt auch die Erle, den ersten Blütenstaub zu produzieren.

Vor einigen Jahren hatten die Allergiker im Januar noch Zeit durchzuatmen, aber durch die Erderwärmung blühen Bäume, Gräser und Sträucher immer früher. Forscher gehen davon aus, dass sich die Pollenflugzeit in den vergangenen zwanzig Jahren um bis zu zwanzig Tage nach vorn geschoben hat.

Nicht nur Hasel- und Erlenpollen-Allergiker müssen sich in Acht nehmen. "Zwar blühen Birken bei uns nicht vor März, aber bei ungünstigem Wind können schon Anfang Februar Birkenpollen aus Südfrankreich zu uns hochgetragen werden", sagt Fuchs.

Impfung gegen das krankmachende Eiweiß

Geht ein Schnupfen nicht nach einigen Tagen vorüber und treten Niesattacken besonders in der Nähe von Bäumen und Sträuchern auf, sollte man sich von einem Allergologen untersuchen lassen, empfiehlt Fuchs. Mit einem Haut-Test, dem so genannten Prick-Test, kann der Arzt leicht feststellen, welche Pollenart die Allergie auslöst. Hilfe bei Heuschnupfen bieten Medikamente: so genannte Antihistaminika, die den Heuschnupfen in Schach halten, und abschwellende Nasensprays. Der Nachteil: Auf diese Weise behandelt man nur die Symptome der Allergie - werden die Medikamente jedoch abgesetzt, sind die Beschwerden wieder da. "Wenn man Heuschnupfen nicht behandelt oder die Medikamente nur sporadisch einnimmt, kann sogar Asthma entstehen", warnt Fuchs.

Dauerhafte Abhilfe gegen die Beschwerden bietet eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. "Hyposensibilisierung funktioniert ähnlich wie eine Impfung", erläutert Fuchs. Das krank machende Eiweiß der Pollen wird so lange gespritzt, bis der Körper sich an den Stoff gewöhnt hat. Das kann allerdings drei bis vier Jahre dauern.

Eine solche Immunisierung kann der Körper womöglich sogar selbst starten, vermuten Forscher: Wer als Kind im Dreck spielen durfte und auf diese Weise mit vielen Bakterien in Kontakt kam, dessen Immunsystem weiß sich gegen Allergien offenbar besser zu wehren. "Es gibt Hinweise, dass man so allergische Reaktionen wie Heuschnupfen herauszögern, wenn auch vielleicht nicht ganz verhindern kann", sagt Fuchs.

Angelika Unger

Wissenscommunity