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Körper & Psyche: Der Glauben an den lieben Gott macht gesund

Der Glaube an einen gütigen Gott könne die seelische und körperliche Gesundheit positiv beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommen immer mehr Studien von Psychologen, die jüngst veröffentlicht wurden.

Ist religiöser Glaube gut für die Gesundheit? Oder macht er eher krank? Wissenschaftler haben sich darüber Gedanken gemacht und ihre Ergebnisse in der neuen "Compact"-Ausgabe der Zeitschrift "Psychologie heute" veröffentlicht, die sich dem Thema "Glück, Glaube, Gott. Was gibt dem Leben Sinn?" widmet. Daraus wird deutlich: Es hängt von der Art des Glaubens ab, ob Religiosität die Gesundheit fördere oder nicht. Allerdings zeigt eine wachsende Zahl von Untersuchungen in der neuesten Zeit, dass der Glaube an einen gütigen Gott oder eine andere positive transzendente Kraft oder auch "nur" an einen tieferen Sinn des Lebens der körperlichen und seelischen Gesundheit zuträglich ist.

Psychoanalytiker heben Druck der Kirche hervor

Natürlich sind unter den Wissenschaftlern widersprüchliche Meinungen zu finden.Gegenteilige Auffassungen werden vor allem mit Argumenten der klassischen Psychoanalyse begründet. Als Beispiel nennt der Professor für Religionspsychologie und -pädagogik Bernhard Grom (München) den 1955 von dem Frauenarzt und Psychoanalytiker Eberhard Schaetzing geprägten Begriff der ekklesiogenen Neurose (lateinisch ecclesia = Kirche). Schaetzing habe die damals sicher berechtigte Absicht gehabt, vor den Folgen sexueller Prüderie zu warnen, aber auch Frigidität und Impotenz triebfeindlicher und bigotter Erziehung zugeschrieben.

Der Arzt, Theologe und Psychoanalytiker Klaus Thomas bezeichnete dann auch Störungen wie Masochismus, Sadismus, Zwangsneurosen und sogar das Leiden von Seelsorgern an der Enge von kirchlichen Regelungen als ekklesiogene Neurosen. "Großzügig wie diese Erklärung war auch seine Diagnose, in 75 Prozent der über 100 Pfarrhäuser, die er bei seinen Vortragsreisen kennen gelernt habe, herrschten "ekklesiogene Neurosen", heißt es bei Grom.

Diese pauschale Erklärung einer ganzen Berufsgruppe für neurotisch widerspricht nach seinem Befund allen späteren empirischen Studien.

Der Psychiater Samuel Pfeifer erinnert in seinem Buch "Glaubensvergiftung - ein Mythos?" (1993) daran, dass die klinische Psychologie alle ernsthaften Störungen "multifaktoriell" betrachtet: ungünstige Einflüsse in Kindheit und Jugend, aktuelle Belastungen und Schwierigkeiten, sie erfolgreich zu bewältigen, mangelnde Unterstützung durch andere, ererbte neurobiologische Anfälligkeit.

Religiöse "Schäden" vor allem bei kleinen engen Glaubensgemeinschaften

Von krank machender Religiosität ist speziell immer wieder bei religiösen Gemeinschaften die Rede, die das Leben ihrer Mitglieder streng und weitreichend reglementieren. In der «Compact»-Ausgabe wird der Fall eines ehemaligen Mitglieds der Neuapostolischen Kirche geschildert, einer Frau, bei der in einer psychosomatischen Klinik ebenfalls eine ekklesiogene Neurose diagnostiziert wurde. "Ich lebte unter ständigem Druck und immer in Angst", äußerte sie rückblickend. Besonders hatte sie unter der Befürchtung des «Verlustes des Segens Gottes» gelitten, wenn sie die Forderungen dieser Kirche nicht erfüllte.

Zu solchen Fällen heißt es in dem Beitrag: «Zuverlässige Zahlen gibt es nicht, auch keine Schätzungen». Der Religionswissenschaftler Hubert Seiwert (Universität Leipzig), der sich mehrfach zu der Problematik geäußert hat, spricht sich gegen eine Verallgemeinerung der Berichte von Aussteigern aus. Ein Vergleich von ihm: Eine Untersuchung über die Ehe dürfe sich auch nicht ausschließlich auf Menschen stützen, die in ihr Probleme hatten.

Positiver Effekt hängt von der Gottesvorstellung ab

Der klinische Psychologe Davin Larson vom National Institute for Healthcare Research in Rockville (Maryland, USA) kam in einer Studie zu dem Ergebnis: Religiosität wirkt sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus und in 13 Prozent neutral. Nur bei 3 Prozent erwies sie sich als abträglich. Gläubige Menschen konsumieren unter anderem weitaus weniger Drogen und Alkohol als nichtgläubige und Selbstmord ist unter ihnen seltener.

Der Psychologieprofessor Kenneth Pargament von der Bowling Green State Universität in Ohio (USA) kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Gläubige, die in der Furcht leben, für ihre Sünden von einem strengen Gott bestraft zu werden, und die diese Strenge auch in ihrer Glaubensgemeinschaft als «emotionales Klima» erleben, stärker zu Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen neigen als Nichtreligiöse. Umgekehrt fördert der Glaube an einem freundlichen Gott, der menschliche Schwächen nachsichtig beurteilt, in Verbindung mit emotionaler Geborgeneheit in einer Glaubensgemeinschaft das psychische und körperliche Wohlbefinden deutlich.

In vieler Beziehung gleichen internationale Untersuchungsbefunde bei religiösen Menschen denen bei Optimisten. Darüber berichtete unlängst die Zeitschrift "bild der wissenschaft" (Stuttgart): Ähnlich wie der religiöse Glaube kommt Optimismus der Gesundheit zugute und hilft auch bei Heilungsprozessen.

DPA
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