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Spannungskopfschmerz: Ein drückendes Band umspannt den Schädel

Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzart. Der Kopfdruck legt sich wie ein Band um den Schädel. Frische Luft, Akupressur und ein warmes Bad helfen.

Der Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerztyp. "Fast jeder hat mal Spannungskopfschmerzen", sagt Professor Cornelius Weiller, Leiter der Neurologischen Klink des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg. Die dumpf-drückenden Schmerzen legen sich wie ein Band um den Kopf. Auslöser sind physischer und psychischer Stress, Lärm, Sauerstoffmangel und Wetterwechsel. Das Wort Spannungskopfschmerz kommt daher, dass Forscher glaubten, dass Muskelverspannungen die Schmerzen verursachen. Nach Angabe von Jan Peter-Jansen von der Stiftung Kopfschmerz in Berlin widerlegen neuere Studien diese Vermutung. In diesen Studien maßen die Forscher den Laktatspiegel von Testpersonen. Die Konzentration von Laktat, dem Salz der Milchsäure, zeigt die Übersäuerung der Muskel an. "Der Laktatgehalt im Gewebe ist bei Kopfschmerzgeplagten genauso hoch wie bei denen ohne Schmerzen", erläutert Jansen.

Die International Headache Society (IHS) unterscheidet zwischen episodischen (weniger als 15 Tage im Monat) und chronischen (mehr als 15 Tage im Monat) Spannungskopfschmerzen. Insgesamt plagen sich rund 30 Prozent der Deutschen mit episodischen Spannungskopfschmerzen, 3 Prozent mit chronischen. Die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) gibt an, dass die Dauer und der Schweregrad dieses Kopfschmerztyps variieren. Er kann recht selten und in eher kurzen Attacken auftreten oder sich als Dauerkopfschmerz über Tage hinziehen. Generell sind mehr Frauen als Männer betroffen. Mit zunehmendem Alter erkranken immer mehr Menschen an der chronischen Form.

Keine Schmerzmittel bei Chronikern

Nach den Empfehlungen der DMGK können akut auftretende Spannungskopfschmerzen mit Schmerzmittel behandelt werden. Bei chronischen Kopfschmerzen sollte der Patient jedoch auf Aspirin & Co verzichten, denn bei regelmäßiger Einnahme können die Schmerzmittel die Beschwerden noch verschlimmern. "Ein Spannungskopfschmerz als chronischer Kopfschmerz ist schwer zu behandeln", sagt Ulrike Bingel von der Kopfschmerzambulanz des UKE. Es kann unter Umständen zu einer Folge-Erkrankung kommen, dem medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Außerdem schädigen die Mittel auf Dauer den Magen-Darm-Trakt und die Nieren. "Schmerzmittel helfen nur kurzfristig. Langfristig sind Antidepressiva in einer niedrigen Dosis wirksamer", weiß Weiller.

Beim Spannungskopfschmerz helfen oft Bettruhe, frische Luft, Entspannungsübungen, ein warmes Bad oder eine Akupressur-Behandlung der Schläfen, nach Belieben mit Pfefferminzöl. "Außerdem ist es wichtig, den Tagesablauf geregelter zu strukturieren", erläutert Dietmar Krause, Leiter des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz. Patienten mit diesem Kopfschmerztyp überforderten sich häufig selbst und setzten sich unter starken Termin- und Leistungsdruck. Bingel empfiehlt diesen Gestressten deswegen Autogenes Training, um sich zu entspannen.

Irena Güttel