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Masernwelle in Berlin Ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht


Seit Oktober grassieren die Masern in Berlin. Rund 900 Neuinfizierte sind allein in diesem Jahr registriert worden. Nun greift das Virus auch an einer Erfurter Schule um sich.

Rund ein halbes Jahr nach Beginn des Masernausbruchs in Berlin ist noch kein Ende der Erkrankungswelle absehbar. Annähernd 1000 Fälle wurden dort seit Oktober gemeldet. Nach oben schnellten die Fallzahlen zuletzt auch in Thüringen: Betroffen ist insbesondere Erfurt. Dort gehen mehr als 50 von 80 gemeldeten Erkrankungsfällen in diesem Jahr gehen auf einen Ausbruch an einer nichtstaatlichen Schule zurück.

75 Fälle wurden bis Ende März in Bayern registriert: Trotz immer neuer Infektionen ist die Lage nach Behörden-Einschätzung dort derzeit aber noch undramatisch. Auch aus Sachsen wurden vergangene Woche knapp 40 Fälle gemeldet.

Wöchentlich 45 Neuinfizierte

In Berlin wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bis Donnerstag 970 Fälle der hochansteckenden Infektionskrankheit gemeldet, davon 849 allein in diesem Jahr. Damit wurden innerhalb einer Woche mehr als 45 Fälle registriert.
Der bisherige wöchentliche Höchstwert hatte nach Zahlen des Robert Koch-Instituts zu Jahresbeginn zwar bei 91 gelegen. Doch der Verlauf zeigt, dass es für eine Entwarnung noch zu früh ist: Kurz nach dieser Spitze waren die Fallzahlen vorübergehend auf etwa 40 zurückgegangen, bevor sie wieder auf über 80 Fälle pro Woche anstiegen.

Größter Masernausbruch seit zehn Jahren

Knapp ein Viertel der Berliner Patienten musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Am Virchow-Klinikum der Uniklinik Charité etwa weisen in diesen Tagen besonders viele Schilder Patienten mit Verdacht auf Masern an, sich bei einem separaten Eingang zur Notaufnahme zu melden.

Experten werten den Ausbruch in Berlin seit Oktober 2014 als einen der größten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren. Die Hauptgründe für dessen Stärke und Dauer sehen sie neben Unwissenheit in der Bevölkerung in großen Impflücken bei jüngeren Erwachsenen.

Zwei Pikser für den Schutz

Eltern können sich nach Angaben des Berliner Gesundheitssenators Mario Czaja (CDU) neuerdings auch beim Kinderarzt gegen Masern impfen lassen und Frauenärzte auch begleitende Männer impfen. Bislang wurden die Mediziner dafür nicht honoriert. Auf diese Weise sollen nun unkompliziert Impflücken in der Bevölkerung geschlossen werden. Im Februar starb ein Kleinkind in Berlin an den Folgen der Infektion.

Masern schwächen das Immunsystem und können bei Komplikationen zu schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnentzündungen führen. Schutz bietet die Impfung: Zweimal sollten sich nach 1970 Geborene den aktuellen Impfempfehlungen nach dafür piksen lassen. Es dauert 10 bis 14 Tage, bis sie wirkt. Wer die Krankheit als Kind durchgemacht hat, ist gegen das Virus immun.

lib/DPA DPA

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