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Neue Strategie gegen HIV Forscher zwingen befallene Zellen zum Selbstmord


Ein neuer Ansatz könnte bei der Bekämpfung von HIV helfen. Hebräische Forscher haben eine neue Strategie entwickelt, wie sie dem HI-Virus die Existenzgrundlage nehmen können: Sie bringen befallene Zellen dazu, sich selbst zu töten.

Forscher haben eine vielversprechende Strategie entwickelt, die zukünftig zur Entwicklung von Heilmitteln gegen eine HIV-Infektion führen könnte: Sie zerstören gezielt die durch den Aids-Erreger infizierten Zellen, um dem HI-Virus die Existenzgrundlage im Körper zu entziehen. Die Wissenschaftler nutzen dafür einen natürlichen Mechanismus, der zur Selbstzerstörung von Zellen führt. Die aktuell verfügbaren Aids-Therapien sind nur in der Lage, die Vermehrung des Virus im Körper zu unterdrücken und damit den Ausbruch einer Aids-Erkrankung zu verhindern. Eine vollständige Heilung ist mit diesen Verfahren bisher nicht möglich. Der neue Ansatz könnte dagegen zur Entwicklung von Medikamenten führen, die das HI-Virus komplett aus dem Körper verbannen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um Abraham Loyter von der Hebräischen Universität in Jerusalem im Fachmagazin "Aids Research & Therapy".

Im Zuge einer HIV-Infektion nistet sich der Aids-Erreger im Erbgut bestimmter Wirtszellen im Körper des Menschen ein und zwingt sie, fortlaufend neue Viren zu produzieren, die dann wiederum neue Zellen befallen. Bisherige Anti-HIV-Medikamente können die Vermehrung der Viren in den Wirtszellen erfolgreich hemmen. Sie drücken die Anzahl der Viruspartikel im Blut damit sogar häufig bis unter die Nachweisgrenze und verhindern so den Ausbruch der Immunschwächeerkrankung. Mit dieser sogenannten hoch aktiven Anti-Retroviralen Therapie können die bereits befallenen Zellen allerdings nicht eliminiert werden - eine Heilung ist deshalb nicht möglich.

Gezielte Nutzung eines Selbstschutzmechanismus

Der neue Ansatzpunkt der Forscher ist, die HIV-infizierten Zellen gezielt in den Selbstmord zu treiben. Sie nutzen dazu einen natürlichen Selbstvernichtungsmechanismus der Zelle, der unter anderem durch starke Veränderungen ihres Erbguts hervorgerufen werden kann. Dieser Prozess dient dem Körper als Selbstschutz. Um diesen Prozess nicht auszulösen, schleust das HI-Virus nur so wenig seiner Erbinformation wie möglich in das Genom der Wirtszelle ein. Genau hier setzen die Wissenschaftler den Hebel an: Sie haben Substanzen entwickelt, die gezielt in HIV-infizierte Zellen eindringen und das Virus dazu zwingen, verstärkt das Erbgut der Zelle zu verändern. Diese starke Manipulation löst den Selbstvernichtungsprozess der Zelle aus, die sogenannte Apoptose.

Bisher hat das neue Verfahren allerdings nur bei gezüchteten Zellkulturen unter Laborbedingungen funktioniert. Die Wissenschaftler sind aber zuversichtlich: "Unsere Ergebnisse zeigen einen neuen Weg zur Entwicklung eines Heilmittels gegen diese grauenvolle Krankheit, die weltweit so viele Todesopfer fordert", sagt Loyter.

DDP DDP

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