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Neue Theorie: Virus könnte Bluthochdruck auslösen

Wer zu viel wiegt, sich zu wenig bewegt oder raucht, leidet eher an Bluthochdruck. Auch die Veerbung soll eine Rolle spielen. Jetzt berichten Forscher, dass sie einen neuen Auslöser entdeckt haben: Ein Virus, das fast jeder in sich trägt.

Ein weitverbreitetes Virus könnte eine der Ursachen für Bluthochdruck sein. Das sogenannte Cytomegalievirus (CMV) erhöht offenbar die Produktion von Enzymen in der Niere, die wiederum zu Bluthochdruck führen. Dies berichten Forscher um Clyde Crumpacker vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston in der Fachzeitschrift "Plos Pathogens".

Das Cytomegalievirus gehört zur Gruppe der Herpesviren und kann zu Pfeifferschem Drüsenfieber und schweren Infektionen bei Organtransplantationen führen. 60 bis 99 Prozent aller Erwachsenen tragen es in sich, die meisten haben jedoch keinerlei Symptome. Allerdings bleibt das Virus lebenslang im Körper und kann zum Ausbruch kommen, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Bisherige Studien deuten daraf, dass CMV auch die Entstehung von Arteriosklerose, einer Verhärtung und Verengung von Arterien, fördern kann. Wie dies passiert, ist jedoch unklar.

Untersucht wurde die Virus-Wirkung an Mäusen

Clyde Crumpacker und sein Team wollten den Ursachen dieser Veränderung auf den Grund gehen. Dies untersuchten sie allerdings nicht an Menschen, sondern an Mäusen. In einer ersten Studie teilten sie zwei Gruppen von Nagern ein, die entweder eine normale oder eine cholesterinreiche Ernährung erhielten. Vier Wochen später wurde jeweils die Hälfte der Tiere mit dem CM-Virus infiziert. Weitere sechs Wochen später maßen die Forscher mit Hilfe eines Katheters den Blutdruck der Tiere.

Sowohl bei normaler als auch bei cholesterinreicher Ernährung hatten die infizierten Mäuse einen deutlich höheren Blutdruck als ihre nicht infizierten Artgenossen. Zudem waren bei 30 Prozent der infizierten Mäuse mit cholesterinreicher Ernährung bereits erste Anzeichen von Arteriosklerose zu beobachten. "Dies legt nahe, dass eine CMV-Infektion und eine cholesterinreiche Ernährung zusammen das Risiko für Arteriosklerose deutlich erhöhen", sagt Crumpacker.

Cytomegalievirus wirkt auf die Niere

In weiteren Teilstudien stellten die Wissenschaftler fest, dass CMV die Produktion von drei Entzündungsparametern - den so genannten Zytokinen - im Blut deutlich erhöht. Dies lässt darauf schließen, dass das Virus zu einer Entzündung der Blutgefäße führt. Weiterhin beobachteten Crumpacker und sein Team, dass eine CMV-Infektion der Niere einen Anstieg der Enzyme Renin und Angiotensin 11 zur Folge hatte. "Die vermehrte Ausschüttung dieser Enzyme ist ein wichtiger Auslöser für Bluthochdruck beim Menschen", erläutert Crumpacker. Bestrahlten die Forscher die Zellen dagegen mit ultraviolettem Licht, um das CM-Virus auszuschalten, war kein Anstieg der Enzymproduktion zu beobachten.

In den Industrieländern leiden bis zu 50 Prozent der Bevölkerung an Bluthochdruck - einem bedeutsamen Risikofaktor für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenerkrankungen. "In Zukunft könnten zumindest einige dieser Fälle durch eine antivirale Therapie behandelt oder durch eine Impfung gänzlich verhindert werden", sagt Crumpacker.

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