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Organspende "Als Letztes fallen die Reflexe aus" - so wird eine Hirntoddiagnostik durchgeführt

Wenn man feststellen möchte, ob ein Gehirn noch eine Minimalfunktion hat, dann darf man nicht ansetzen, einen Patienten zu bitten, ein Kreuzworträtsel zu lösen oder gezielte Augenbewegungen zu machen. Es muss so einfach wie möglich sein und das, was in der Natur als Letztes ausfällt, sind die Reflexe, die vom Gehirn gesteuert werden. Diese Reflexe prüfen wir. Wir kennen das alle: versuchen wir mal, eine Fliege, die ins Auge gekommen ist, zu entfernen. Das wird nicht ohne Blinzeln und ohne Zukneifen der Augen gehen. Wenn wir den Kopf hin und her drehen, dann machen die Augen immer eine Gegenbewegung. Wenn wir etwas einatmen, Staub, Fremdkörper, dann müssen wir husten. Das sind Reflexe, die können wir auch, selbst wenn wir wollten, nicht unterdrücken. Und diese Reflexe überprüfen wir bei der festgelegten Hirnfunktionsdiagnostik durch die Bundesärztekammer. Um einem Angehörigen verständlich zu machen, in welchem Zustand der hirnfunktionslose Angehörige ist, fangen wir in der Regel damit an, das zunächst mit dem Schlaf zu vergleichen. Viele Ehepartner wissen wie der schlafende andere Partner aussieht. Natürlich hat er zu Hause im Bett keinen Beatmungsschlauch im Mund und die Sonden und Kanülen sind auch nicht da, aber die Augen sind zu, die Haut ist rosig, die Temperatur stimmt. So per se zu entscheiden, er sieht aus wie tot, ist ja so nicht möglich. Wir nehmen diese Angehörigen dann wirklich auch mit an den Monitor und zeigen, wie stark geschädigt es im Kopf ist. Das hilft vielen Angehörigen sehr gut, wenn man dann erläutert: so sieht ein normales Gehirn aus, so sieht leider das Gehirn ihres Angehörigen aus. Wir erläutern auch die Tests und versuchen dann natürlich auch möglichst viel Vertrauen zu bekommen, sodass der Angehörige nicht nur fühlen, sondern auch verstehen kann, dass es sich nicht um einen Schlaf handelt, sondern um einen kompletten Ausfall des Gehirns bei durchblutetem Körper.
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